Zum Hauptinhalt springen

Keine Frühlingsgefühle auf der Schützenmatte

Zu hohe Gebühren, zu wenig Publikum und die Sache mit der Sicherheit: Auf der Berner Schützenmatte wird erst im Herbst wieder ein Lunapark aufgebaut.

Vorläufig keine rotierenden Enten mehr auf der Schützenmatte.
Vorläufig keine rotierenden Enten mehr auf der Schützenmatte.
Valérie Chételat

Wer diesen Frühling Lust auf Buden und Bahnen hat, wird sich wohl einen Eintritt an die BEA leisten müssen. Denn der traditionelle Lunapark auf der Schützenmatte wird heuer erst im Herbst wieder aufgestellt. Grund für die Absage ist mangelndes Interesse der Schausteller, wie es bei der Orts- und Gewerbepolizei der Stadt Bern heisst. «Wir haben nur einige wenige Anmeldungen erhalten», so deren Leiter Norbert Esseiva, «dafür lohnt sich der Aufwand nicht.»

Bereits 2015 blieb die Frühlingsausgabe der Schütz aus, da die Schausteller Vandalenakte sowie Angriffe aufs Personal erlitten hatten. Im vergangenen Herbst sorgten erneut Vandalen für Unruhe, worauf die Stadt Bern für die Dauer der Spielzeit eine Sicherheitsfirma finanzierte.

Dass der Lunapark, der am 22. April hätte eröffnen sollen, wieder ins Wasser fällt, habe nur zum Teil mit Sicherheitsbedenken zu tun, sagt Schausteller Jürg Muri. Er selbst wäre gerne wieder auf die Schützenmatte gezogen, hat aber Verständnis für die ausbleibenden Kollegen. «Bern ist im Vergleich zu anderen Schweizer Städten teuer.»

Pro Spielzeit fallen insgesamt über 20'000 Franken an Gebühren, Miete und Infrastruktur an, dazu kämen die Kosten für den Sicherheitsdienst, den zu engagieren die Schausteller vertraglich verpflichtet sind. Im Frühling mangle es in Bern nicht zuletzt wegen der Konkurrenz durch die BEA an Publikum, während es in der Schweiz anderswo Gelegenheit für die Schausteller gebe, ihre Stände und Bahnen aufzustellen. Im Herbst, wenn unter anderem der Zibelemärit wieder mehr Leute in die Stadt locke, sehe die Rechnung wieder rosiger aus.

Städtische Gelder einmalig

Nebst den Kostenfragen komme dazu, so Muri, dass die Zusammenarbeit mit den Stadtberner Behörden «zermürbend» sei. «Vonseiten der Stadt fehlt die Rückendeckung», findet er. Nach den Vorfällen im vergangenen Herbst habe es ein einzelnes Gespräch mit einem Sachbearbeiter gegeben, der den Schaustellern deutlich zu verstehen gegeben habe, dass kein zweites Mal mit Geldern für zusätzliche Sicherheit zu rechnen sei. «Dass überhaupt Geld gesprochen wurde, dürfte auch damit zu tun haben, dass zwei Wochen später in Bern gewählt wurde», vermutet Muri.

Dass die Stadt zu wenig Interesse an der Schütz habe, lässt Norbert Esseiva von der Gewerbepolizei nicht gelten. «Wir hätten den Lunapark gerne wieder auf der Schützenmatte gesehen, aber ohne genügend Anmeldungen geht das nicht.» Er bestätigt aber, dass die Finanzierung eines Sicherheitsdienstes 2016 eine «einmalige, spontane Angelegenheit» war. Für die Ausgabe im kommenden Herbst werde man wiederum das Gespräch mit den Schaustellern suchen, um zu klären, wie eine «sinnvolle Unterstützung» aussehen könnte.

Einer, der so oder so nicht mehr nach Bern zurückkehren wird, ist Jean-Marc Jolliet. «Nie wieder», sagt der Schausteller, angesprochen auf die Schützenmatte. Im vergangenen Herbst erlitt seine Jolliet GmbH bereits Vandalenakte, bevor der Aufbau überhaupt fertig war, worauf Jolliet gleichentags wieder abreiste. Es sei nach früheren Vorfällen die letzte Chance gewesen, die er Bern gegeben habe.

Ob die Stadt Geld an die Sicherheitskosten zahlt, ist für Jolliet irrelevant. «Kein Sicherheitsdienst kann den Lunapark komplett absichern, wenn jemand wirklich Schaden anrichten will.» Damit Jolliet jemals wieder nach Bern zurückkehrte, müsste sich vieles ändern, sagt er – allem voran, dass die Stadt den Schaustellern eine «hundertprozentige Sicherheit» garantiert. «Aber bei der katastrophalen Politik in dieser Stadt ist das kaum wahrscheinlich.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch