Keine Friedhofsruhe, aber «schön still»

Zehntausende bevölkerten letzte Nacht die Museen der Stadt Bern. Ein echter Geheimtipp war der Bremgartenfriedhof.

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Schon vor der Eröffnung um 18 Uhr bildeten sich lange Schlangen vor dem Bundeshaus – wo dem Publikum neben Einblicken in das Zentrum der politischen Macht auch Zauberkunst und ein Jazzkonzert geboten wurden. Bald war der Bundesplatz von beissendem Benzingeruch erfüllt. Wie jedes Jahr an der Museumsnacht konnten die Besucher vor dem Hotel Bellevue Palace in einen Oldtimer einsteigen und eine Spritztour machen.

Nicht so autobegeistert ging es auf der anderen Seite der Kirchenfeldbrücke zu und her. Die hörbar verärgerte Fahrerin eines Alfa Romeo wurde von einer Polizistin daran gehindert, in die Altstadt zu fahren. Das Highlight auf dem Helvetiaplatz war der Zeltbauwettbewerb des Alpinen Museums. Lautstark vom Clown mit violetter Perücke angefeuert, schwangen im ersten Duell Vater und Sohn des Teams Riffenmatt obenaus. Die stolze Mutter stellte in Abrede, dass ihre Männer zu Hause geübt hätten. Als Strassenkehrer verkleidet waren die Angestellten des Berner Stadtarchivs. Die tägliche Arbeit der «Heinzelmänner» wurde mit einem Rapvideo gewürdigt.

Schlange vor dem Zytglogge

Violett, grün, blau, rot und mit Schmetterlingsmustern – je länger der Abend dauerte, umso schriller wurden Museen und Wahrzeichen wie das Bundeshaus oder der Zytglogge beleuchtet. Bunt war es auch im Innern der Heiliggeistkirche. Dort konnten die Kinder fliegende Zeppeline in Fischform steuern – die jedoch immer wieder abstürzten. Offen kommerziell gab sich der Pavillon des Einkaufszentrums Westside auf dem Bundesplatz. Dort lagen Flyer für ein Konzert des Pop-Musikers Florian Ast auf und schon kurz nach 19 Uhr schwangen die ersten Teenies die Hüften.

Eine Oase von fast schon unheimlicher Ruhe war der Bremgartenfriedhof. In tiefer Dunkelheit liefen die Besucher – nur von rötlichen Friedhofskerzen geleitet – zwischen den verschiedenen Gräbern hin und her. Die teils kunstvollen Gräber von Prominenz wie Mani Matter oder dem Völkerrechtler Carl Hilty wurden dezent hervorgehoben. Wegen der Weitläufigkeit kam trotz vielen Leuten nie ein Gefühl von Dichte­stress auf. Den Besuchern gefiel, dass es auf dem Friedhof «so still» und «ganz anders» als bei den Attraktionen in der Innenstadt war.

Der Andrang war gewaltig. Ein Besucher berichtete von anderthalb Stunden Wartezeit vor dem Zytglogge. Deutlich weniger überlaufen war der botanische Garten. Und die Lichtshow am Münsterturm strahlte bis in die Lorraine herüber.

Der Bund

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