Zum Hauptinhalt springen

Kein Platz für Invasion der Drahtesel

Viele Veloabstellorte in der Berner Innenstadt sind überfüllt. Die Stadt muss mehr Plätze einrichten, geplant sind 10'000 neue Abstellmöglichkeiten.

Wo hat es noch Platz? Velos bei der Bernmobil-Haltestelle vor der UBS beim Bahnhof Bern.
Wo hat es noch Platz? Velos bei der Bernmobil-Haltestelle vor der UBS beim Bahnhof Bern.
Franziska Rothenbühler
Beim Hirschengraben ist der Veloparkplatz voll.
Beim Hirschengraben ist der Veloparkplatz voll.
Franziska Rothenbühler
Die Abstellplätze für Velos am Bahnhof, Seite Bollwerk, sind ebenfalls gut besetzt.
Die Abstellplätze für Velos am Bahnhof, Seite Bollwerk, sind ebenfalls gut besetzt.
Franziska Rothenbühler
1 / 8

Wenn man am Bahnhof Bern vor der UBS auf den Bus Richtung Ostermundigen wartet, fällt einem sofort der überstellte Veloparkplatz hinter der Bushaltestelle auf. Noch mehr Velos findet man im Hirschengraben, der schon lange mehr Parkplatz als Park ist. Und will man etwa im Kitchener in der Aarbergergasse einkaufen, muss man sich zuerst durch eine Reihe von Velos schlängeln – dabei ist dort gar kein offizieller Abstellplatz. In der Innenstadt hat es also bereits heute zu wenig Veloparkplätze.

Dennoch ist es das Ziel des Gemeinderats, den Veloverkehr im Rahmen einer Velooffensive bis 2030 zu verdoppeln. Zudem wird ab Mai 2018 die Firma Publibike 1200 Mietvelos in der Stadt verteilen. Und Publibike ist nicht die einzige: Der asiatische Anbieter O-Bike, der mit seinen gelben Mietvelos bereits Zürich überschwemmt hat, will ein Free-Floating-Verleihsystem in Bern aufbauen. Dabei kann man das Velo an einem Ort mieten und irgendwo wieder abstellen. Kann die Stadt einen so grossen Zuwachs des Veloverkehrs überhaupt bewältigen?

An Hotspots zu wenig Plätze

Gut vorbereitet auf die Invasion der Drahtesel ist die Stadt offenbar noch nicht. «An Hotspots wie dem Hirschengraben oder am Bahnhof ist zu wenig Platz für Velos vorhanden», sagt Stefan Schwarz, Generalsekretär in der Tiefbaudirektion von Ursula Wyss (SP). Der Gemeinderat werde die Parkplätze am Hirschengraben deshalb erst aufheben, wenn genügend andere Parkplätze angeboten werden können. Für das Veloverleihsystem von Publibike habe es aber genügend Platz, sagt Schwarz.

Ein Free-Floating-System könne man bei einer klar beschränkten Anzahl Velos und einem verlässlichen Anbieter auch noch bewältigen. Publibike hat von der Stadt Auflagen hinsichtlich der Anzahl, der Werbung und der Qualität der Fahrräder erhalten. Auch O-Bike müsste bei einer Expansion nach Bern solche erfüllen.

Doppelstock-Veloparkanlagen

Doch das reicht noch bei weitem nicht. Um das Parkplatzproblem zu lösen, will die Stadt in Zukunft massiv aufstocken. Das Ziel der Stadt sei es, bis 2030 total 10'000 Veloabstellplätze rund um den Bahnhof bereitzustellen, so Schwarz. Also etwa so viel, wie momentan auf dem gesamten Stadtgebiet zur Verfügung stehen. Im Rahmen des Umbaus des Bahnhofs Bern will die Stadt Möglichkeiten suchen, an welchen Stellen unter- und oberirdisch neue Veloparkplätze geschaffen werden könnten. Die Fachstelle für Fuss- und Veloverkehr klärt zudem ab, ob im Umfeld des Bahnhofs Doppelstock-Veloparkanlagen zum Einsatz kommen könnten.

Bern setzt bei der Entlastung der oberirdischen Parkplätze schon heute auf Velostationen. Erst im März 2016 wurde im Post-Parc beim Bahnhof eine zusätzliche Velostation eröffnet. Sie bietet Platz für 1000 Fahrräder. Für 24 Stunden zahlt man einen Franken. Es wären noch 300 Plätze frei, sagt Stephanie Stotz von der Verkehrsplanung Stadt Bern. Im Juli wurde zudem die Velostation Schanzenbrücke renoviert und neu eröffnet. Sie bietet nun Platz für 300 Velos, wobei erst 30 Plätze belegt sind. Völlig überbelegt seien die Stationen Bollwerk mit 200 Plätzen und Milchgässli mit 420, so Stephan Hirschi, Fachleiter des Kompetenzzentrums Arbeit.

Deshalb werde zum Beispiel beim Bollwerk auf die Stationen Post-Parc und Schanzenbrücke hingewiesen. Die Fachstelle Fuss- und Veloverkehr setzt sich auch mit der Frage auseinander, ob in den Velostationen eine Anzahl von Plätzen gratis angeboten werden könnte.

Mehr Platz für Fussgänger

Die FDP der Stadt Bern würde die Velos am liebsten alle unter den Boden verbannen. Kürzlich hat sie deshalb beim Stadtrat einen Vorstoss eingereicht. Die Freisinnigen fordern den Gemeinderat auf, Plätze wie den Hirschengraben nicht als Veloabstellplatz zu brauchen, sondern für Veranstaltungen oder als Erweiterung der Fussgängerzone zur Verfügung zu stellen. Konkret: Die Stadt soll neue unterirdische Parkplätze bereitstellen, damit die oberirdischen schrittweise aufgehoben werden können. «Wir verstehen schon, dass man den Hirschengraben nicht von heute auf morgen räumen kann», sagt FDP-Fraktionspräsident Bernhard Eicher.

Dass O-Bike nach Bern expandieren will, ist für Eicher von untergeordneter Bedeutung. «Frau Wyss will den Radverkehr bis 2030 verdoppeln, da sind ein paar Leihvelos die geringste Sorge.» Auch die SVP-Fraktion hat eine Motion eingereicht. Darin kritisiert sie, dass auf dem Trottoir geparkte Velos den Fussgängern den Platz wegnehmen, ohne dass jemand einschreite.

Doch alle Velos unter den Boden zu verbannen, kommt bei den Velofahrern nicht gut an. Nur noch unterirdische Parkplätze findet Michael Sutter, Präsident von Pro Velo Bern, absurd. Keiner werde sein Velo für eine halbe Stunde in eine Station stellen. «Wer kurz einkaufen geht, wird sein Velo auch weiterhin einfach vor dem Laden abstellen», prophezeit Sutter.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch