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Karpfenschwarm im Liebefeld-Park

Die illegal ausgesetzten Fische werden zur Attraktion im Liebefeld Park.

Karpfen fressen alles, was ihnen vor die Mäuler kommt – im Liebefeld-Park auch gerne altes Brot. (Robin O`Shaughnessy/Keystone)
Karpfen fressen alles, was ihnen vor die Mäuler kommt – im Liebefeld-Park auch gerne altes Brot. (Robin O`Shaughnessy/Keystone)

Ein altes Weggli reicht, und der Nachmittag mit dem Nachwuchs ist gerettet. Im Liebefeld-Park nämlich findet das Brötchen reissenden Absatz, und sei es noch so trocken: Der Schwarm Jungkarpfen im Teich stürzt sich auf alles, was auf der Wasseroberfläche landet und fressbar ist.

Die derzeit erst bis zu etwa acht Zentimeter langen Fische wiederum begeistern die zweibeinige Jugend, der das Baden im Teich verboten ist: Schier stundenlang beschäftigen sich bei gutem Wetter kleine Liebefelderinnen und Könizer mit dem Füttern und Beobachten des glänzenden Gewirbels. Besonders spannend wird es, wenn plötzlich ein grosses, grusliges Maul mit Schnauzfäden zwischen den Fischlein auftaucht: Auch Mama und Papa Karpfen freuen sich offenbar über Brot und Spiele.

Die beiden Karpfen, die mittlerweile wohl um die 30 Zentimeter messen, wurden letztes Jahr quasi bei Nacht und Nebel im Tümpel ausgesetzt. Dies entgegen dem Willen der Park-Planer, die das Gewässer zuerst einmal sich selber überlassen wollten. Das Karpfenpaar fühlte sich im Liebefelder Teich aber sichtlich wohl und schritt sofort zur Vermehrung – mehrere Hundertschaften munterer Fisch-Secondos entzückt nun die Parkgänger.

Sie fressen den Froschlaich . . .

Es sei noch nicht entschieden, was mit den illegal angesiedelten Karpfen geschehen soll, sagte letztes Jahr die Könizer Gemeinderätin Rita Haudenschild (Grüne). Denn der Schwarm bereitet nicht nur Freude: Beim Absuchen des Teichbodens nach Fressbarem wie etwa Insektenlarven wirbeln die Karpfen Staub und Dreck auf. Dies hat zur Folge, dass das Wasser konstant etwas trüb ist – was wiederum den Wuchs der Wasserpflanzen behindert. «Zudem werden wir, solange die Karpfen da sind, keine Amphibien im Teich haben, weil die Fische den Laich fressen», sagt Haudenschild heute.

. . . und vernichten Mückenlarven

Trotzdem haben die Parkverantwortlichen entschieden, vorerst nicht gegen die Karpfen vorzugehen: «Wir schauen jetzt einmal, wie sich die Sache weiterentwickelt.» Ein Fischerei-Biologe habe der Gemeinde empfohlen, das System vorerst sich selber zu überlassen. Denn tatsächlich hat der Schwarm der Illegalen im – in Köniz mangels Vergleich «See» genannten – Gewässer «auch sein Gutes», wie Gemeinderätin Haudenschild festhält: «Immerhin halten die Karpfen mit ihrem Aussehen und dem trüben Wasser wohl einige mögliche Schwimmer ab.» Weiter «fressen die Karpfen, was ihnen vors Maul kommt, also auch Mückenlarven. Und dass sich jetzt die Kinder mit den Fischen vergnügen, freut mich natürlich sehr», sagt Haudenschild, von Haus aus Biologin. Sollte die Situation im Teich aber eine, so Haudenschild, «unangenehme Wendung nehmen», müsste dennoch zur Tat geschritten werden. Dieser Moment könnte dann eintreten, wenn das Gewässer «nicht mehr wie ein Teich, sondern nur noch wie eine Brühe aussieht». Oder wenn sich die Fischpopulation weiterhin ähnlich zügig vermehren würde. Dieses Szenario ist nicht auszuschliessen: Fische erreichen die Geschlechtsreife besonders früh, wenn sie reichlich Futter finden beziehungsweise von interessierten Kindern serviert bekommen und ihnen in ihrer Umgebung angenehm warm ist – bereits nächsten Frühling könnten darum die heuer noch so lustigen Kärpfchen zu einer riesigen Elternversammlung werden.

Und was würden die Parkverantworlichen in diesem Fall konkret unternehmen? «Vielleicht könnten wir einen Hecht aussetzen, der dem Karpfenschwarm zu Leibe rückt», sagt Rita Haudenschild. Nicht ganz ernsthaft erwägt die Gemeinderätin ausserdem einen öffentlichen Angler-Event mit anschliessendem Fischessen.

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