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Kann YB überhaupt Meister werden?

Nach zwei Niederlagen in Folge wachsen in Bern die Zweifel, ob die Young Boys Meister werden können. Sorgen macht vor allem YBs verkrampft wirkende Mannschaft.

Die Berner Sportfans hätten allen Grund, erhobenen Hauptes durch die Gegend zu spazieren. Der lokale Eishockeystolz, der SCB, steht unmittelbar vor dem sechsten Titelgewinn in der Playoff-Geschichte. Doch zumindest jener Teil der Bevölkerung, der sich mit YB identifiziert, ist seit vorgestern am Trübsalblasen. Das Stimmungstief ausgelöst hat die zweite Niederlage innert fünf Tagen. Nach dem leistungsmässigen Tiefpunkt beim 1:2 gegen GC am letzten Dienstag unterlag YB am Sonntag dem FC Sion mit 1:4. Der Berner Anhang kann nicht verstehen, weshalb YB ausgerechnet in der Schlussphase der Meisterschaft schwächelt.

Das Verhalten des FC Basel macht das Leiden noch schlimmer: Der Erzrivale vom Dreiländereck schleudert ein paar verbale Nadelstiche Richtung Bern, dreht ein paar Spiele, in denen er mit dem Rücken zur der Wand steht, und punktet auch dann noch mit scheinbarer Leichtigkeit, wenn er wochenlang ohne seine beiden besten Stürmer Frei und Streller auskommen muss.

So schwer verständlich es für Aussenstehende tönen mag: Das wahre Drama aus Berner Optik sind nicht die zwei verlorenen Begegnungen in Zürich und Sitten; vielmehr ist es die Tatsache, dass die selbstsicheren Basler im Eiltempo an den verkrampft wirkenden Young Boys vorbeigezogen sind. Seit der dritten Runde lag das Team von Vladimir Petkovic an der Tabellenspitze, den FCB hatte man bis zu 13 Punkten distanziert. Noch vor Wochenfrist betrug die Reserve auf die Basler scheinbar beruhigende sechs Punkte. Und da Klubleitung und Spieler unablässig verkündeten, der Meisterpokal sei das grosse Ziel in dieser Saison, wuchs in der Hauptstadt mit jedem weiteren noch so glücklichen Sieg der Glauben, heuer könnten die Gelbschwarzen am Saisonende tatsächlich wieder einmal zuoberst auf dem Podest stehen. Umso grösser ist jetzt, wo sich die Kräfteverhältnisse Richtung Basel verschoben haben, der Frust bei den Fans. Sie fürchten, am Ende einer Saison wieder mit dem undankbarsten aller Plätze vorliebnehmen zu müssen.

Trainer löst Irritationen aus

Dass sich ein zweiter Rang schlecht als Erfolg «verkaufen» lässt nach einer Meisterschaft, in der lange Zeit fast alles für YB lief, weiss auch die Vereinsspitze. Sie appelliert in aller Eindringlichkeit, Ruhe zu bewahren, und mag wegen der beiden jüngsten Rückschläge nicht alles infrage stellen, was zuvor war. Das ist vernünftig und auch nachvollziehbar. Seltsamer mutet es an, wenn der Trainer sich bei kritischen Fragen einigelt und Aussagen macht, die Irritationen auslösen.

So geschehen letztmals vorgestern, als Petkovic nach dem 1:4-Taucher allen Ernstes verkündete, er sei «stolz auf meine Mannschaft», und die beiden jungen Verteidiger Affolter und De Pierro hätten zu den Besten gehört. Hinter solchen Statements mag viel taktisches Kalkül liegen. Doch die Frage ist, ob es clever ist, wenn sich Petkovic jedes Mal in schierer Nibelungentreue vor die Seinen stellt, wenn diese einen schlechteren Auftritt hinter sich haben. Es mag sein, dass dem stets auf Kontrolle bedachten Übungsleiter emotionale Ausbrüche ein Gräuel sind. Doch manchmal haben solche durchaus auch eine reinigende Wirkung.

Die grosse Frage fünf Runden vor Meisterschaftsschluss lautet: Kann YB das Steuer nochmals herumreissen? Wieso nicht - sofern es Klubleitung und Betreuerstab gelingt, die Zweifel und schlechten Emotionen, die in den letzten Tagen in Bern aufgekommen sind, so gut wie nur irgendwie möglich von den Akteuren fernzuhalten. Im Falle der Schlüsselfiguren Emiliano Dudar, Gilles Yapi, Thierry Doubai und Seydou Doumbia dürfte das nicht allzu schwierig sein, da nicht anzunehmen ist, dass diese allzu viel Zeit für die Lektüre der hiesigen Zeitungen verwenden.

Zauberwort Gelassenheit

Hingegen wird die deutsch- sprachige Fraktion um Marco Wölfli, Mario Raimondi, David Degen, Scott Sutter und Marc Schneider sehr wohl mitbekommen, was über sie geschrieben und gesprochen wird. Da die vorgenannten Spieler allesamt schon lange im Fussballgeschäft sind, dürften sie die Dinge mit einer relativen Gelassenheit über sich ergehen lassen.

Gelassenheit könnte ohnehin das Zauberwort sein in den bevorstehenden Wochen des Kitzels und der Hektik. Wenn es die Young Boys schaffen, sich diese Tugend zu eigen zu machen, dann haben sie allen Unkenrufen zum Trotz gute Chancen, Ende Saison die Nummer eins im Lande zu sein.

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