Jimy Hofer will ein Schwingfest in Berlin organisieren

Der Alt-Rocker begründet seinen Rücktritt aus dem Berner Stadtrat mit neuen beruflichen Prioritäten.

Jimy Hofer kann sich die Politik nicht mehr leisten.

Jimy Hofer kann sich die Politik nicht mehr leisten.

(Bild: Adrian Moser)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Nein, er sei nicht enttäuscht vom vergeblichen Anrennen gegen die rot-grüne Mehrheit im Berner Stadtrat. Und nein, sein Rücktritt habe keinen konkreten Auslöser gehabt. «Ich muss einfach Geld verdienen und die beruflichen Prioritäten anders setzen», sagt Jimy Hofer. Er lebe vor allem von Referaten, von Auftritten mit seiner Band und von der Bronco-Loge in der Berner Matte. Und diese werfe halt nicht mehr so viel ab, seitdem das Rauchverbot in Kraft sei.

Gegen den «Verwaltungswahnsinn»

Mit diesen Worten wird er wieder spürbar, der Kämpfer gegen die «Rechtsungleichheit» in der rot-grün regierten Stadt Bern. Unzählige Male hat sich Hofer im Stadtrat gegen den aus seiner Sicht benachteiligenden Umgang der Behörden mit dem Kleingewerbe und die scheinbare Privilegierung alternativer Betriebe wie der Reitschule gewehrt.

Im Herbst 2008 trat er an, um den «Öko- und Verwaltungswahnsinn» zu stoppen. Er kandidierte nicht nur für den Stadtrat, sondern auch gleich fürs Stadtpräsidium und den Gemeinderat. So schnell wuchsen Hofers Bäume aber dann doch nicht in den Himmel. Immerhin hat es der Parteilose gemeinsam mit seinem damaligen Mitstreiter Martin Schneider ins Stadtparlament geschafft. Die Wege des ungleichen Duos auf der Liste Jimy Hofer sollten sich aber bald trennen: Während Hofer ziemlich rasch Aufnahme in der SVP-Fraktion fand, zog es Schneider in die Fraktion BDP/CVP.

«Launisch wie das Wetter»

Im Stadtparlament und der Kommission Planung, Verkehr und Stadtgrün (PVS) hat Hofer äusserst unterschiedliche Register gezogen. «Er war launisch wie das Wetter», sagt PVS-Mitglied Daniel Klauser (GFL). Manchmal habe sich Hofer äusserst konstruktiv verhalten und manchmal sei er eben auch «unausstehlich» gewesen. Als Kommissionssprecher im Stadtrat wiederum vermochte Hofer zu überraschen. Seine Voten waren sachlich und manchmal schimmerte fast so etwas wie eine heimliche Liebe zu Anliegen des öffentlichen Verkehrs durch.

Unvergesslich sind aber auch seine verbalen Kraftmeiereien. So drohte er letzten Herbst anlässlich einer Debatte über eine unbewilligte «Anti-Kapitalisten-Demonstration» dem PDA-Politiker Rolf Zbinden damit, dass er ihn bei der nächsten Kundgebung «persönlich zur Brust» nehmen werde. «Mit diesem Votum hat er sich selber diskreditiert», sagt SP-Ko-Präsident Thomas Göttin. Hofer sei zwar ein Farbklecks im Stadtrat gewesen, aber «etwas pittoresk».

Überraschend kommt Hofers Rücktritt auch für seine Freunde. Er habe ihm nahegelegt, bloss aus der PVS, aber nicht auch noch aus dem Stadtrat auszutreten, sagt Stadtrat Mario Imhof (FDP), der auf der Hofer-Liste für den Nationalrat kandidiert hat. Hofer habe sich aber nicht umstimmen lassen.

Gemeinsam mit anderen Mitstreitern haben Imhof und Hofer noch viel vor. «Wir haben eine Firma für Anlässe und Events neu gegründet», sagt Imhof. Eines der ersten Grossereignisse soll in der deutschen Hauptstadt stattfinden. «Wir organisieren ein Schwing- und Kulturfest beim Brandenburger Tor in Berlin», sagt Hofer. Das Fest stehe unter dem Patronat von Alt-Bundesrat Adolf Ogi.

Der Bund

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