Jetzt wirten «die Mädchen»

Im Café Apfelgold hat sich für drei Wochen ein temporärer Gastrobetrieb eingemietet. Dass er von vier Frauen geführt wird, ist in der Berner Pop-up-Szene ein Novum.

«Les Filles Naturelles» sind von links nach rechts: Nicole (30), Dominique (28), Michèle (23) und Céline Frey (20).

«Les Filles Naturelles» sind von links nach rechts: Nicole (30), Dominique (28), Michèle (23) und Céline Frey (20).

(Bild: Franziska Rothenbühler)

«Les Filles Naturelles» heisst die Zwischennutzung im Café Apfelgold. Vier Schwestern aus dem Berner Oberland servieren während der nächsten drei Wochen vegane und fair produzierte Speisen und Getränke. Dabei wollen sie auf künstliche Zusatzstoffe ganz verzichten und mit möglichst wenig Verpackungsmaterial arbeiten.

Eine der Unternehmerinnen ist Michèle Frey, gelernte Köchin. Sie hat ihr Handwerk beim Food-Waste-Koch Mirko Burri gelernt. «Mit unserem Konzept wollen wir Nachhaltigkeit auf eine spielerische Art umsetzen und dabei nicht belehrend sein», sagt Frey. «Es war schon immer unser Traum, ein eigenes Café zu eröffnen.»

Den Entschluss, die Gelegenheit im Apfelgold zu ergreifen, hätten die vier Frauen dementsprechend schnell gefasst. In gerade mal vier Monaten, neben 100-Prozent-Jobs, haben sie sich vorbereitet.

Hinter Berner Pop-ups stecken fast nur Männer

Mit ihrer Unternehmungsfreude gehören die Frey-Schwestern zu einer Minderheit: Hinter den Berner Pop-up-Betrieben, die in den letzten paar Jahren eröffnet wurden, stehen meist Männerteams. Die Aarebar beim Marzili wurde von drei Männern geführt, genauso wie der Bogen 17 beim Wohlensee, die Bar Campo im Liebefeld-Park und das Winter-Pop-up Monsieur Sûfan in der Herrengasse. Auch der Trybhouz-Bar im Altenberg gaben zwei Männer den Anstoss.

Die grösseren Pop-up-Betriebe Peter Flamingo, Oscar Elch und Kater Karlo werden von der Event-Firma Mosaik geführt. Auch dort sind drei Männer federführend. Als Ausnahme sticht die Foodbloggerin Lara Zaugg heraus. Ihre Idee, vegane Kuchen und Süssigkeiten anzubieten, konnte Zaugg vergangenen Sommer umsetzen, und zwar wie die Frey-Schwestern ebenfalls im Café Apfelgold.

Köchinnen steigen aus

Camil Schmid, der mit seiner Firma Mosaik hinter Oscar Elch, Kater Karlo und Peter Flamingo steckt, kennt die Berner Gastroszene. Er sagt, die Veranstaltungsbranche sei generell eher männlich dominiert. Über die Gründe dafür habe er sich aber noch nie Gedanken gemacht.

Dass hinter den kurzfristigen Gastroangeboten in Bern oftmals Männer stehen, ist auch Michèle Frey aufgefallen. Mehr Frauen als Männer würden nach der Lehre aus dem Kochberuf aussteigen, sagt sie. «Und die Arbeitszeiten sind mit einem Familienleben nicht gerade einfach zu vereinen.»

Der Bund

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