Zweiter Veloverleih kommt im Herbst

Die Stadt Bern lässt einen weiteren Anbieter von Verleihvelos zu. Die Firma Smide will die ersten ihrer E-Bikes noch diesen Herbst bereitstellen.

Der Zürcher Veloverleihanbieter Smide will die Stadt Bern erobern.

Der Zürcher Veloverleihanbieter Smide will die Stadt Bern erobern. Bild: Urs Jaudas

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Schlag auf Schlag folgen die Hiobsbotschaften für den Verleihveloanbieter Publibike. Nachdem die Postauto-Tochter sämtliche Fahrräder ihrer Flotte eingezogen hat, teilte die Stadt gestern mit, dass ein Konkurrent zugelassen wird: Die Firma Smide hat die Bewilligung erhalten, ihre E-Bikes in der Stadt Bern anzubieten. Anders als das Angebot von Publibike sind die Smide- Fahrräder nicht abhängig von einer Station: Es handelt sich um ein «Free-Floating-System» – das Velo kann an jedem beliebigen Fahrradparkplatz abgestellt werden.

Berns Gemeinderat erachtet das Angebot von Smide als eine «sinnvolle Angebotsergänzung» und nicht als Konkurrenz. Smide könne insbesondere für längere Strecken interessant sein. Die Stadtregierung weist in der Mitteilung darauf hin, dass für Smide einige Vorgaben gelten.

So bekommt Smide Auflagen: Beschränkungen für die Nutzung von öffentlichen Veloabstellflächen, Wegräumpflichten bei falsch parkierten Velos oder Vorgaben beim Datenschutz. Bern wolle Zustände wie in Zürich vermeiden. 2017 drängten dort mehrere Anbieter von Free-Floating-Systemen auf den Markt. In der Limmatstadt kam es zu einem regelrechten Chaos, zahlreiche Velos lagen überall in der Stadt herum.

FDP gegen Einschränkung

«Bei unserem System kann das nicht passieren», betont Raoul Stöckle, Co-Gründer von Smide: «Alle Fahrräder sind mit GPS ausgestattet, sodass man sie wiederfindet.» Im Herbst sollen die ersten Bikes von Smide in Bern ankommen, im Frühjahr 2019 sollen es bereits 200 Stück sein. Am Schluss sollen es 300 sein: Diese Flottengrösse hat die Stadt Smide bewilligt. Laut Stöckle ist das zu wenig, um auf lange Sicht rentabel zu sein. «Die ideale Anzahl von Fahrrädern wäre 600.» Bis Smide diese Anzahl erreicht, dürfte es noch eine Weile dauern. Karl Vogel, Verkehrsplaner der Stadt Bern, sagt, das System solle zuerst getestet werden. In der einjährigen Testphase müssten mindestens 200 Velos in Betrieb sein. Wenn sich das System bewähre, sei eine Erweiterung möglich.Eine weitere Auflage für Smide ist, dass im Bereich des Bahnhofs nie mehr als 50 Velos stehen dürfen.

FDP-Stadtrat Tom Berger begrüsst die Bewilligung, seine Partei habe schon lange gefordert, dass weitere Anbieter kommen dürften. Die Beschränkung der Flottengrösse kommt bei ihm nicht gut an: «Dadurch schwächt man das Angebot.» Zudem schütze man Publibike. Anders als der Gemeinderat ist Berger der Meinung, dass der neue Anbieter durchaus ein Konkurrent für Publibike sei.

Damit die Fahrräder stets schön verteilt seien, habe Smide ein ausgeklügeltes System, erklärt Stöckle. Das System schaffe einen Anreiz, das Velo in Bereichen abzustellen, wo wenige vorhanden seien. Nur ein kleiner Teil der Kunden mache dies, aber es reiche aus, um die Velos gut zu verteilen. Dadurch brauche es weniger Mitarbeiter, die dies übernehmen müssten.

Kleiner Markt

Die Stadt Bern hatte schon länger vor, neben einem stationären System auch ein Free-Floating-System zuzulassen. Bern und Smide waren seit 2016 im Gespräch. An der Ausschreibung hatte sich aber lediglich Smide beteiligt. Weshalb? Die Auflagen der Stadt seien sehr streng gewesen, erklärt Karl Vogel, der Verkehrsplaner. Sowohl die Stadt wie auch Smide sind zudem der Meinung, dass der Verleihvelomarkt wegen seiner geringen Grösse, anders als in Zürich, für internationale Anbieter «wenig attraktiv ist».

Auch Publibike nimmt Stellung zum neuen Mitbewerber in Bern: Man habe die Bewilligung der Stadt für Smide «zur Kenntnis genommen». (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.08.2018, 15:08 Uhr

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Falsch abgerechnet

Publibike hat 2000 Beschwerden über zu hohe Rechnungen erhalten.

Von Mischa Stünzi

In Bern bekommt Publibike mit Smide Konkurrenz. Für den Veloverleih der Post ist das nicht die einzige schlechte Nachricht. Gestern wurde auch bekannt, dass es Probleme bei der Abrechnung gibt. Laut einem früheren Callcenter-Mitarbeiter seien viele Rechnungen zu hoch ausgefallen, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtete. Publibike-Sprecherin Katharina Merkle bestätigte gegenüber der Zeitung, dass deswegen seit November über 2000 Beschwerden eingegangen seien. Das Problem werde bis Ende September behoben.

Auch die Sache mit den Schlössern beschäftigt Publibike weiter. In Zürich, wo die Velos ebenfalls geknackt werden, stellt das Unternehmen eingesammelte Fahrräder mittlerweile nicht wieder zurück an die Stationen. Sie werden laut Merkle eingezogen und die Schlösser für das Nachrüsten vorbereitet. Es sei nicht ausgeschlossen, dass in Zürich wie in Bern der Betrieb zwischenzeitlich eingestellt werden müsse. Denn: «Wenn es so weitergeht, haben wir keine Velos mehr zum Nachrüsten», so Merkle.

Neben Bern und Zürich betreibt Publibike sechs weitere Netze, etwa in Freiburg i. Ü. und in Lausanne. Obwohl überall derselbe Schlosstyp im Einsatz ist, werden dort bisher keine Velos entwendet. Publibike sei aber sensibilisiert und beobachte die Situation genau, sagt Merkle. So oder so sollen die Schlösser auch dort nachgerüstet werden. Was das Aufrüsten der insgesamt rund 2400 Velos und die Wiederbeschaffung der verschollenen Fahrräder kostet, kann Publibike noch nicht sagen. Die grössten Kosten entstünden ohnehin durch den Ertragsausfall beim Verleih. Wer letztlich die Kosten trage, sei Gegenstand von Abklärungen, sagt Merkle. Aber: «Publibike ist angemessen gegen Diebstahl und Beschädigungen versichert.»

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