Jetzt kommt der Trolleybus, der auch zum Bundesplatz fahren kann

Bernmobil nimmt neue Fahrzeuge in Betrieb. Sie können Kurzstrecken ohne Stromleitung befahren. Braucht es das noch, wenn der richtige Elektrobus bald serientauglich wird?

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Bernmobil rüstet auf: Ab dem 11. Dezember nimmt das Stadtberner Verkehrsunternehmen acht neue Trolleybusse in Betrieb. Die Fahrzeuge sind im Unterschied zu den jetzigen Modellen mit einer Batterie ausgestattet. Damit können die Busse bis zu 30 Kilometer ohne Fahrleitung zurücklegen. Bernmobil kann damit künftig etwa auch am Zibelemärit und bei Demonstrationen Trolley- statt Gas- und Dieselbusse einsetzen.

Bernmobil hat den roten Neuling prominent neben der Weihnachtstanne auf dem Bahnhofplatz parkiert. Das Fahrzeug stösst auch bei Passanten auf grosses Interesse: Einige bringen sich für Selfies in Stellung, andere versuchen vergeblich, in den für Medien und Politiker reservierten Bus einzusteigen. Auf der anschliessenden Testfahrt zeigen sich dann auch die technologischen Neuerungen: Der Motor ist derart leise, dass er von der Heizung übertönt wird. Beinahe geschmeidig rollt der Bus über die Laupenstrasse nach Holligen. Dort führt der Chauffeur dann das Kunststück vor: Per Knopfdruck lösen sich die Stromabnehmer mithilfe einer Trichtervorrichtung von der Oberleitung, dann fährt er mit Batteriestrom ins Depot beim Eigerplatz.

Kostenpunkt: 26,4 Millionen Franken

Für Bernmobil-Direktor René Schmied sind die neuen Busse ein Schritt Richtung vollständige Elektromobilität: Dereinst sollen in Bern die Busse nämlich mit Batteriestrom und ohne Leitungen auskommen. Aber die Anschaffung hat auch praktische Gründe: «Die Trolleybusse, die derzeit noch im Einsatz stehen, sind mittlerweile 20-jährig und müssen ersetzt werden.» Je älter ein Bus, desto regelmässiger und teurer würden die Unterhaltsarbeiten, sagt Schmied.

Insgesamt hat der Stadtberner Verkehrsbetrieb 24 Fahrzeuge bestellt: 17 Gelenk- und sieben Doppelgelenk-Trolleybusse. Die Modelle werden laufend bis Anfang 2019 in Betrieb genommen. Die Busse hat die solothurnische Hess AG hergestellt. Kostenpunkt: 26,5 Millionen Franken.

Bloss eine kostspielige Übergangslösung?

Dass der Stadtberner Verkehrsbetrieb auf Trolleybusse setzt, wirft aber auch Fragen auf: Die Kapazitäten genügen dem Passagierandrang zu Spitzenzeiten nicht. Es ist zudem absehbar, dass batteriebetriebene Elektrobusse schon in wenigen Jahren Berns Strassen erobern. Ein Testbetrieb startet spätestens Anfang 2019 auf der Linie 17 von Bern nach Köniz. Die Stromleitungen prägen das Stadtbild teilweise stark. Bereits vor einem Jahr sagte Gemeinderätin Ursula Wyss (SP), es wäre toll, «wenn man die Stromleitungen aus dem Unesco-Welterbe entfernen könnte».

Sind die neuen Busse also bloss eine kostspielige Übergangslösung? «Ganz und gar nicht», sagt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer auf Anfrage des «Bund». So könnten die neuen Doppelgelenkbusse die Linien, bei denen grosser Andrang herrsche, entlasten. Als nützlich dürfte sich die Technologie der Fahrzeuge auch erweisen, falls das Tram dereinst nach Ostermundigen rollt: «Die 10er-Linie zwischen Köniz und Ostermundigen würde an die Tramachse via Spital- und Marktgasse angehängt», sagt Meyer. Dafür müssten die 12er-Busse (Länggasse – Zentrum Paul Klee) nicht mehr in den zentralen Berner Altstadtgassen fahren, sondern könnten vor dem Bundeshaus verkehren. Dies sei mit den Trolleybussen bislang nicht möglich, da vor dem Bundeshaus aus ästhetischen Gründen keine Fahrleitungen erlaubt sind.

DerBund.ch/Newsnet

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