IZRS distanziert sich von Gewalt und Extremismus

Die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft gegen Naim Cherni seien ein Missverständnis, findet der IZRS.

Weist die Anklagen von sich: Naim Cherni.

Weist die Anklagen von sich: Naim Cherni.

(Bild: Peter Klaunzer)

«The Islamic State and I» heisst das Video auf Youtube. Eine pathetische Tonspur, zerbombte Quartiere, leere Kinderaugen. Dann werden die Worte eingeblendet: Westen, IS, Assad, Krieg, Iran. Mittlerweile hat die Bundesanwaltschaft das Videomaterial beschlagnahmt und Youtube zur Löschung aufgefordert.

Denn sie wirft dem Autor des Streifens, Naim Cherni, vor, seine Syrien-Reise in dem Film propagandistisch dargestellt zu haben und in einem zweiten Film einen Führer der jihadistischen Dachorganisation Jaysh al-Fath (Armee der Eroberung) interviewt zu haben. Dabei habe sich Cherni nicht explizit von Al-Qaida-Aktivitäten distanziert, womit er gegen das Bundesgesetz über das Verbot der Gruppierung al-Qaida, des Islamischen Staats und verwandter Organisationen verstosse. Strafrechtlich relevant sei auch die propagandistische Unterstützung dieser Organisationen.

Der Vorwurf der Bundesanwaltschaft löse im IZRS «Unverständnis» aus, sagte Cherni gestern an der Pressekonferenz in Bern. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins und vor drei Tagen über das Strafverfahren gegen ihn informiert worden. «Dabei wollte ich mit dem Interview aufzeigen, weshalb die Rebellen den IS bekämpfen», sagte er.

Sowohl sein Film «The True Dawn in Syria» als auch sein Interview mit Abd Allah al-Muhaysini, «The Islamic State and I», seien eine innerislamische Perspektive auf den IS, die einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den IS leisten solle. Ausserdem müsse er als Interviewer nicht alle Ansichten von Muhaysini teilen. Das Filmmaterial sei eine «Kampfansage an den IS», ergänzte Präsident Nicolas Blancho. Er distanzierte sich von Gewalt und «theologischem Extremismus».

Der IZRS sei eine islamische Körperschaft im schweizerischen Rechtsrahmen und er stelle diesen Rahmen nicht infrage. «Wir propagieren einen Islam der Mitte», sagte er. Der IZRS unterhalte keine Verbindung zu verbotenen Gruppen.

Salonfähiger Faschismus?

Saïda Keller-Messahli vom Forum für einen Fortschrittlichen Islam kritisiert sowohl den IZRS als auch Naim Cherni scharf. «Der IZRS versucht, uns eine faschistische Ideologie schmackhaft zu machen», sagt sie. Das Interview mit Muhaysini sei der Versuch, einen Jihadisten salonfähig zu machen. Denn dieser sei als ehemaliger Chef der Al-Nursa-Front – was in dem Interview unterschlagen werde – ein Terrorist, auch wenn sein Pakt mit dem IS nicht mehr gelte.

Muhaysini habe Aufträge für Selbstmordattentate erteilt, und es gebe Videos, in denen er Gefangene demütige. «Der Typ hat zu viel Blut an den Händen», sagt Keller-Messahli. Im Interview rufe er versteckt und oft durch die Blume zur Unterstützung des Jihad auf. Cherni widerspreche dem Terroristenführer nicht, himmle ihn während des Interviews vielmehr an und verhalte sich beinahe unterwürfig. «Das Strafverfahren gegen Cherni ist deshalb absolut gerechtfertigt», so Keller-Messahli.

Der Bund

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