Ist das die neue Studentenbewegung?

Fast 1000 Personen nahmen an der Demonstration gegen Bildungsabbau in Bern teil.

Studiengebühren erhöhen, um Steuern zu senken? Sicher nicht, finden diese Studierenden aus der Romandie.

Studiengebühren erhöhen, um Steuern zu senken? Sicher nicht, finden diese Studierenden aus der Romandie.

(Bild: nj)

Rund 1000 Studentinnen und Studenten aus der ganzen Schweiz demonstrierten am Samstagnachmittag friedlich in der Stadt Bern und beendeten damit die Aktionswoche «Bildungsaufstand». Sie zogen mit Transparenten, Musik und Reden von der Schützenmatt durch die Innenstadt zum Bundesplatz. «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut», skandierte die Menge dazu. Die Studierenden protestierten so gegen den Einfluss der Privatwirtschaft auf die Bildung, gegen die Erhöhung von Studiengebühren und Sozialabbau allgemein. Es sei ein «historischer» Tag, sagte ein Sprecher: «Die Studentenbewegung existiert.»

Die Sparwut von Bund und Kantonen unterminiere die finanziellen Grundlagen der Bildung, schreibt das schweizweite Bündnis «Aktion_Bildung - Action_Education» in einer Mitteilung. Studierende, Schüler, Forschende und Angestellte hätten genug von höheren Studiengebühren, Leistungsabbau an den Schulen, der Prekarisierung der Berufslehre und Lohnsenkungen bei den Lehrkräften.

Vonnöten seien offene, demokratische und partizipative Bildungsinstitutionen, hiess es an der Kundgebung. Bildung müsse hürdenfrei zugänglich sei. Im übrigen sei die Spar- und Abbaupolitik nicht nur bei der Bildung, sondern auch in anderen Bereichen fehl am Platz.

Gegen Bologna

Die Studierenden kamen für die Demonstration aus Basel, Bern, Freiburg, Genf, Lausanne, Luzern und Zürich. Zum Beispiel die Sozialwissenschaftlerin Romina. Sie wehre sich gegen die «Ökonomisierung» ihres Studiums, sagt sie. «Wir können immer weniger selbst entscheiden, welche Kurse wir besuchen.» Dabei werde das zur Auswahl stehende Angebot immer kleiner. Dabei werde aber der Druck auf die Studierenden immer grösser. «Alles ist auf das Erlangen der sogenannten Credits ausgerichtet», sagt sie und kritisiert die Folgen der Bolognareform vor 17 Jahren. Andere kamen aus ganz handfesten Gründen. Sie kritisierten die geplante Erhöhung der Studiengebühren, wie etwa Olga aus Freiburg. An ihrer Universität solle die Gebühr um 180 Franken auf 835 Franken pro Semester angehoben werden.

Kleinere Demonstration auch in Basel

Eine Demonstration fand im Rahmen der Aktionswoche am Freitagnachmittag auch in Liestal statt. Rund 400 Schülerinnen und Schüler nahmen daran teil. An der von den Schüler- und Schülerinnenorganisationen beider Basel (SOBA) organisierten «Protestaktion gegen Abbaupolitik» wurde vor dem Baselbieter Regierungsgebäude die Bildung symbolisch zu Grabe getragen.

nj/sda

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