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«Zürich und Lausanne haben dank der ETH gewaltige Vorteile»

Die Finanzen des Kantons Bern und die unternehmerischen Ambitionen der Insel-Gruppe stünden in einem Missverhältnis, sagt der Gesundheitsökonom, Heinz Locher.

Der Berner Gesundheitsökonom, Heinz Locher, über die Zukunft der Insel-Gruppe.
Der Berner Gesundheitsökonom, Heinz Locher, über die Zukunft der Insel-Gruppe.
Manu Friederich

Herr Locher, welches ist die grösste Herausforderung für die Insel-Gruppe?

Sie muss sich im Wettbewerb gegen Zürich und Lausanne behaupten, die beide dank der ETH über wesentlich mehr Ressourcen verfügen. Der Bau des Forschungszentrums Sitem in Bern ist der Versuch, ein Gegengewicht zu schaffen, aber die Finanz- und Allianzmöglichkeiten einer ETH sind ungleich grösser. Die unternehmerischen Ambitionen der Insel-Gruppe und die Finanzmöglichkeiten des Kantons Bern stehen in einem Missverhältnis. Ich nannte es einmal etwas vorlaut Management by Känguru: Grosse Sprünge bei leerem Beutel.

Auch im Raum Bern hat die Insel-Gruppe eine Strategie umzusetzen. Wie steht es damit?

Da warte ich noch immer auf den Entscheid, ob man das Stadtspital Tiefenau durch einen Neubau ersetzt oder nicht. Zwar kenne ich die Zahlen zum Bedarf nicht, aber ich stelle mir vor, dass der Verzicht auf einen Neubau ein Befreiungsschlag sein könnte.

Welche Alternativen zum Neubau sehen Sie?

Man könnte sich Kooperationen überlegen. Offenbar wäre in Bern beim Lindenhofspital die Fläche für ein neues Bettenhaus vorhanden, und es gäbe sicher weitere Möglichkeiten. Ich habe den Zusammenschluss von Insel und Spital Netz Bern nie kritisiert, aber jetzt wäre die Gelegenheit, die Situation neu zu analysieren. Der Verzicht auf ein neues Tiefenauspital könnte Finanzen für das Kerngeschäft am Inselspital freispielen.

Würde sich die Insel-Gruppe mit dem Verzicht auf ein Stadtspital nicht zu stark der Konkurrenz der Privatspitäler aussetzen?

Nein. Ein Privatspital mag zwar auch spezialisiert sein und viele Disziplinen anbieten. Aber es stellt nicht rund um die Uhr interdisziplinäre Fachärzteteams, die auch die schwersten Notfälle sofort behandeln können. Das bleibt der Insel als Universitätsspital vorbehalten. Der Erfolg eines Spitals ist umso grösser, je klarer es sich für ein Geschäftsmodell entscheidet.

Fänden Sie es gut, wenn Direktionspräsident Uwe E. Jocham auch im Verwaltungsrat Einsitz hätte?

Nein, gar nicht. Eine personelle Vermischung von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat wäre ein Sündenfall. Die Insel Gruppe ist eine AG und der Vorteil einer AG ist es ja gerade, dass die Aufgaben zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung klar aufgeteilt werden.

Das Inselspital will in der Herzchirurgie mit der Berner Hirslandenklinik Beau-Site zusammenarbeiten. Ist das sinnvoll?

Ich bin Präsident einer kardiologischen Gemeinschaftspraxis in Bern und beurteile das Projekt natürlich auch aus dieser Perspektive. Neue Modelle sind immer mit Risiken verbunden. Aber ich finde die Kooperation, welche die Vorgänger der jetzigen Leitung aufgleisten, äusserst vielversprechend. Wenn man die Kräfte bündelt, ist das im Sinne der Qualität und der Wirtschaftlichkeit, dient aber auch der Sicherung des Herzstandortes Bern. Man könnte sogar weitergehen und fragen: warum nur in der Herzchirurgie?

Die Insel-Gruppe hat mitgeteilt, dass sie Kooperationen sucht.

Das wäre auch meine Vision. Zürich und Lausanne haben dank der ETH gewaltige Vorteile. Der Vorteil des Inselspitals ist die Kooperation mit Hirslanden, in Aarau arbeiten die beiden Spitäler schon länger zusammen. Man könnte dieses Modell ausweiten.

Auf andere Städte oder andere Privatkliniken?

Beides und auch auf weitere medizinische Bereiche. Schon seit Jahren kritisiere ich die fehlende Übereinstimmung zwischen Strategie und Finanzen. Leider können wir weder die Finanzen kurzfristig korrigieren noch eine ETH gründen. Aber wir könnten die Kompetenzen bündeln.

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