Insel-Chef will kein Medizinmuseum

Seit mehreren Jahren ist das Projekt in Planung, nun will der neue CEO der Inselgruppe, Uwe E. Jocham, das Projekt kurz vor der Fertigstellung diesen Herbst abbrechen. Was ist passiert?

Solche Geräte werden zukünftig nicht ausgestellt werden.

Solche Geräte werden zukünftig nicht ausgestellt werden. Bild: Adrian Moser

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Seit sieben Jahren diskutiert man in Bern über ein Medizinmuseum. 2015 begannen Historiker und Museumspädagogen mit der Planung des Ausstellunsgsraumes. Nun wurde das Projekt vom CEO der Insel-Gruppe Uwe E. Jocham gestoppt. Warum so kurzfristig? Schon diesen Herbst hätte das Museum eröffnen sollen. In einem Bericht der «Berner Zeitung» (BZ) heisst es, das Projekt sei wegen des Standortes und der Namensgebung gestoppt worden. Was darunter zu verstehen ist, wird nicht erläutert. Auf Nachfrage ist bei der Insel niemand zu erreichen, der genauer Auskunft geben kann. Jocham ist in den Ferien. Ausschlaggebend sei aber der Kostenpunkt gewesen, sagt die Kommunikationsstelle der Insel Gruppe. Der überwiegende Hauptteil der jährlichen Betriebskosten in der Höhe von mehreren hunderttausend Franken wären zu Lasten der Inselspitalstiftung gegangen. Nicht zuletzt aus Kostengründen sähe daher die Direktion der Insel Gruppe von einem Medizinmuseum an der Murtenstrasse 42 ab.

Definitives Aus für das Medizinmuseum

Hubert Steinke, designierter Museumsleiter und Direktor des Instituts für Medizingeschichte (IMG) an der Universität Bern zeigte sich enttäuscht, will aber gegenüber dem «Bund» nicht weiter dazu Stellung nehmen. Für weitere Informationen verweist er auf die Direktion des Inselspitals. In einem früheren Gespräch mit dem «Bund» erklärte Steinke, es ginge darum, einen Raum zur kritischen Auseinandersetzung mit der Medizin zu schaffen. Gegenüber der BZ sagt Steinke, mit dem Abbruch des Projekts verpasse Bern, die Universität Bern und das Inselspital diese Chance. Es wäre das erste solche Forum schweizweit gewesen. Auf 400 Quadratmetern hätten die Sammlungen des Inselspitals und des IMGs ausgestellt werden sollen. Insgesamt handelte es sich um rund 10’000 Objekte wie beispielsweise der erste Operationstisch, der Anfang des 20. Jahrhunderts als grosse Errungenschaft galt (der «Bund» berichtete). Viele der Objekte können noch auf der Webseite des Medizinmuseums eingesehen werden. Für das IMG bedeutet der Entscheid das definitive Aus: «Das Inselspital war der Träger des geplanten Museums, ist Besitzer des Grossteils der Sammlung sowie der Oertlichkeiten», sagt Steinke. Betreffend anderer Finanzierungsmöglichkeiten müsse die Direktion des Inselspitals gefragt werden. Das IMG ist der Teil Universität Bern. Doch auch dort will oder kann niemand genau erklären, wie es zu dem abrupten Projektstopp kam. Die Universität Bern habe davon Kenntnis genommen, dass sich das Inselspital aus dem Projekt Medizinmuseum zurückzieht, sagt Christian Leumann, Rektor der Universität Bern. Geplant sei gewesen, dass die Universität das Medizinmuseum in der Anfangsphase finanziell mitunterstützen würde. «Ein Aufbau und Betrieb unter alleiniger Leitung und Finanzierung der Universität ist aus finanziellen Gründen nicht möglich», sagt Leumann.

Noch kein passender Standort

Für die Universität Bern habe nun die Pflege der Sammlung des Instituts für Medizingeschichte sowie, im Auftrag des Inselspitals, diejenige der Inselspital-Stiftung Priorität, sagt die Universität Bern. Die Kommunikation der Insel Gruppe erklärt, man wolle an der Zusammenarbeit mit dem IMG festhalten und auch in Zukunft vom Institut die Sammlung professionell pflegen und unterhalten lassen. Man suche noch nach einem passenden Standort für die Sammlung, ihr Erhalt wäre aber gesichert. Eine weitere Zusammenarbeit müsste auch im Sinne des Instituts für Medizingeschichte sein. Macht sich doch deren Anspruch, eine akademische Forschungsrichtung zu sein, darin geltend, stark auf die ärztliche Praxis fokussiert zu sein. An einer Podiumsdiskussion 2014 sagt der Dekan der medizinischen Fakultät Bern, Peter Eggli, dass sich die Medizin nur dank der kritischen Reflexion als akademisches und nicht als handwerkliches Fach verstehen darf. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.06.2018, 11:18 Uhr

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