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Insel setzt doch auf teures Ersatzspital

Das Inselspital baut für 40 Millionen Franken einen Ersatz für die Frauenklinik, den sie in acht Jahren wieder abreissen muss – weil ein Experte eine Verzögerung der Frauenspital-Sanierung für unverantwortlich hält.

Das Ersatzgebäude für die sanierungsbedürftige Frauenklinik wird über 40 Millionen Franken kosten.
Das Ersatzgebäude für die sanierungsbedürftige Frauenklinik wird über 40 Millionen Franken kosten.
Adrian Moser (Archiv)

«Provisorischer Neubau für die temporäre Nutzung als Frauenklinik sowie andere Spitalnutzungen»: Diese Publikation fand sich im «Anzeiger» Berns vom Mittwoch. Die Bauherrschaft: das Inselspital.

Dass die erst vor elf Jahren eröffnete Frauenklinik umfassend saniert werden muss, ist seit sechs Jahren klar: Damals wurden Verformungen an Lagern der Südfassade entdeckt. 2009 kamen Gutachter zum Schluss, dass das Gebäude nicht erdbebensicher ist. Wie kostspielig die Sanierung sein würde, wurde 2011 bekannt: Damals teilte das Inselspital mit, dass für die Zeit des Umbaus ein Ersatzspital gebaut werden müsse. Für Sanierung und Ersatzbau ging man von Kosten von 30 bis 40 Millionen Franken aus. Doch je konkreter das Projekt wurde, desto teurer wurde es. Im August dieses Jahres erfuhr die Öffentlichkeit: Das Ersatzgebäude allein wird über 40 Millionen Franken kosten, Sanierung und Ersatzbau zusammen 57 Millionen.

Eine «sehr teure Lösung»

Angesichts der Tatsache, dass das Ersatzgebäude aufgrund der Bauvorschriften bald wieder abgerissen werden müsste, sei es eine «sehr teure Lösung», sagte Inselspital-Direktor Urs Birchler im August im «Bund». Das Inselspital reichte deshalb das Bauchgesuch für das Ersatzspital nur «vorsorglich» ein – und brachte eine günstigere Alternative ins Spiel. Plan B sähe so aus: Der Bau des neuen Krebszentrums, das sowieso geplant ist, würde forciert. Das Frauenspital könnte dort untergebracht werden, bis die eigentliche Frauenklinik saniert ist. Der Knackpunkt: Um das Krebszentrum derart rasch zu bauen, wäre das Inselspital auf zahlreiche Ausnahmebewilligungen angewiesen. Im August sagte Birchler, Ende Jahr werde der Verwaltungsrat entweder grünes Licht für den Bau des Ersatzspitals geben – oder das Baugesuch zurückziehen.

2022 muss es wieder weg

Das Jahr ist bald zu Ende. Und nun wurde das Bauprojekt publiziert. Bedeutet das, dass man nun doch auf das teure Provisorium setzt? Offenbar ja. «Wenn es keine Einsprachen gibt, wird das Ersatzspital gebaut», sagt Inselspital-Sprecher Markus Hächler auf Anfrage. Die Einsprachefrist läuft bis und mit 17. Januar 2014. Hächler: «Wir gehen im Moment nicht davon aus, dass es Einsprachen geben wird.» Gemäss Baupublikation ist der Betrieb des Ersatzgebäudes auf der Inselheimmatte bis Anfang 2022 befristet. Im Idealfall wird laut Hächler im Mai 2014 mit dem Bau begonnen. Im Oktober 2015 könnte der Umzug stattfinden und die eigentliche Frauenklinik renoviert werden. Im Dezember 2016 kehrte die Frauenklinik wieder an ihren angestammten Platz zurück und der Neubau würde anderweitig genutzt, bis er abgerissen werden muss.

Experte: «Das Risiko ist da»

Warum setzt das Inselspital nun doch auf das teure Provisorium? «Weil es die schnellere Lösung ist», sagt Hächler. Auch wenn man das Krebszentrum so rasch wie möglich bauen würde, wäre es frühestens Ende 2016 bezugsbereit – ein Jahr später, als der Ersatzbau im Idealfall bezogen werden könnte.

Das ist deshalb ein Problem, weil das nicht erdbebensichere Frauenspital so rasch als möglich saniert werden sollte. Hier kommt der Ingenieur Rolf Walser vom Büro Bänziger Partner AG in Zürich ins Spiel, den das Inselspital als Berater zugezogen hat. Der sagt auf Anfrage: «Mit der Frauenklinik betreibt man im Moment ein Spital mit einem gewissen Restrisiko. Wir wissen nicht, wie sich die beschädigten Lager bei einem Erdbeben verhalten würden.» Das Risiko sei zwar klein, «aber es ist da». Deshalb ist für Walser der Fall klar: «Wir sind nur bereit, das Risiko mitzutragen, wenn die Sanierung jetzt auf schnellstmöglichem Weg angegangen wird.» Aber ist es angesichts des doch kleinen Risikos nicht unverhältnismässig, 40 Millionen Franken für ein Provisorium aufzuwerfen? «Wir dürfen nicht aus Kostengründen Menschenleben gefährden», sagt Walser. «Jeder Tag, den man zuwartet, ist ein zusätzlicher Risikotag.»

Wenn das Inselspital dennoch nicht die schnellste Variante gewählt hätte, «hätte ich mich gezwungen gesehen, mich abzumahnen», sagt Walser. Das hätte bedeutet, dass die Inselspital-Leitung für ihr Vorgehen die alleinige Verantwortung hätte übernehmen müssen. Dieses Risiko war dem Verwaltungsrat offenbar zu gross.

Alternative nicht ganz vom Tisch

Sollten gegen den 40-Millionen-Ersatzbau doch Einsprachen eingehen, würde sich die Lage allerdings wieder verändern. «Dann würde der Zeitvorsprung gegenüber der alternativen Variante schwinden», sagt Hächler. Und wenn beide Varianten in etwa gleich lang dauern würden, wäre dem Inselspital natürlich die günstigere lieber. «Bis zum Ende der Einsprachefrist verfolgen wir deshalb auch das alternative Projekt weiter», sagt Hächler.

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