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«In meiner Direktion müssten die Männer freikriegen»

Berns Direktor für Finanzen, Personal und Informatik (FPI) Michael Aebersold kann noch nicht sagen, ob er den Frauen am nächsten Frauenfeiertag freigeben kann.

«Heute ist es nach wie vor oft der Fall, dass Männer selbstbewusster auftreten und höhere Löhne fordern», sagt Michael Aebersold.
«Heute ist es nach wie vor oft der Fall, dass Männer selbstbewusster auftreten und höhere Löhne fordern», sagt Michael Aebersold.
Adrian Moser

Steht am 8. März 2019 die Stadt still? Gerade in den Kindertagesstätten arbeiten ja fast nur Frauen?

Ich kann zurzeit keine Aussage machen, wie das Motionsanliegen konkret umgesetzt wird.

Warum nicht?

Die Motion zum freien 8. März für Frauen hat Richtliniencharakter und fällt damit in den Zuständigkeitsbereich des Gemeinderats. Das Ja des Stadtrats ist ein starkes politisches Signal. Allerdings hat der Gemeinderat nun zwei Jahre Zeit, das weitere Vorgehen festzulegen. Im Stadtrat wurde zudem klar gesagt, dass die Motion hinfällig werde, wenn in dieser Zeit die Lohngleichheit erreicht sei. Dies ist schlussendlich das richtige Ziel.

Frauen werden im Durchschnitt beim Lohn diskriminiert. In einigen Direktionen wie im FPI verdienen aber Männer weniger als Frauen. Ist der Frauenfeiertag eine Diskriminierung für diese Männer?

In meiner Direktion besteht tatsächlich eine Lohndifferenz von 0,4 Prozent zuungunsten der Männer. Nach der Logik der Motion müssten in meiner Direktion deshalb am 8. März die Frauen arbeiten und die Männer freikriegen.

Was macht die Stadt, um die Lohngleichheit zu erreichen?

Die Stadt verlangt etwa im Beschaffungswesen von den Anbietenden den Nachweis über die Einhaltung der Lohngleichheit und führt Stichprobenkontrollen durch. Sie strebt eine Vereinheitlichung der Verfahren an. Auch durch die Einführung eines anerkannten Lohngleichheitsattests und die Koordination mit Bund und Kanton streben wir eine Angleichung der Löhne an.

Was bewirkt die ebenfalls angenommene Motion, welche verlangt, dass der Lohn in den Stellenausschreibungen ausgewiesen werden soll?

Wir haben damit den Auftrag gefasst, bei Stellenausschreibungen die Lohnbandbreite bekannt zu geben, wie das auch beim Bund üblich ist. Wichtiger scheint mir jedoch, im Rahmen der Bewerbungsgespräche sicherzustellen, dass Frauen und Männer gleichbehandelt werden. Heute ist es nach wie vor oft der Fall, dass Männer selbstbewusster auftreten und höhere Löhne fordern. Hier ist es wichtig, dass die Stadt die Löhne nach klaren, nicht diskriminierenden Kriterien festlegt.

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