Tram-Ja erspart dem Kanton eine Krise

Bern und Ostermundigen konnten auf die Solidarität der Agglomeration zählen.

Die Stadt Bern darf sich auch selbst auf die Schulter klopfen: Rund zwei Drittel der Stadtberner stimmten für das Tram.

Die Stadt Bern darf sich auch selbst auf die Schulter klopfen: Rund zwei Drittel der Stadtberner stimmten für das Tram.

(Bild: Manu Friederich)

Simon Thönen@SimonThoenen

Das war knapp: Mit einem Überschuss von nur 12'000 Stimmen hat das Volk im Kanton Bern das Tram Bern–Ostermundigen aufs Gleis gebracht. Erfreulich ist dies zunächst für die beteiligten Gemeinden Bern und Ostermundigen. Sie können nun darauf zählen, dass der überlastete Bus auf dieser Strecke durch ein Tram ersetzt wird, das den ÖV für Jahrzehnte leistungsfähig machen wird.

Vielleicht sogar wichtiger ist, dass der Kanton – knapp, aber doch – an der Urne einem Schlüsselprojekt der Region Bern zugestimmt hat. Denn ein Nein hätte den Kanton kurz vor den kantonalen Wahlen in eine eigentliche Krise gestürzt. Im wirtschaftlichen und politischen Zentrum des Kantons hätte man sich unweigerlich die Frage gestellt, was man denn von diesem Kanton überhaupt noch zu erwarten habe. Die Spannung zwischen Stadt und Land wäre das dominierende Thema geworden. Gut, dass es anders herausgekommen ist.

Allerdings: Für die SVP dürfte es sich bei den Wahlen eher auszahlen, dass sie als einzige der grossen Parteien unverhohlen ländliche Ressentiments gegen die Stadt geschürt hat. Denn das Nein hat auf dem Land, wo die SVP stark ist, weitgehend gesiegt, auch weil hier das Gefühl, man komme zu kurz, verbreitet ist. Dies obwohl der Kanton eben erst zwei kostspielige Strassensanierungen im Oberaargau und im Emmental beschlossen hat. Der Oberaargau hat sich dafür nun mit einem Ja zum Tram revanchiert – das Emmental nicht. Offenbar besteht Erklärungsbedarf bei der Frage, wie viel der Kanton in die Infrastruktur auf dem Land investiert.

Den Abstimmungserfolg verdankt die Stadt Bern nicht zuletzt sich selber: Das klare Zwei-Drittel-Ja bei hoher Beteiligung hatte Gewicht – ebenso das, weniger deutliche, Ja von Ostermundigen. Entscheidend war aber, dass die zwei direkt beteiligten Gemeinden auf urbane Solidarität zählen konnten. So stimmte mit den meisten Vororten auch Köniz zu, obwohl diese Gemeinde für sich eine Tramlösung abgelehnt hatte. Solidarisch zeigten sich der grosse Verwaltungskreis Bern-Mittelland und generell die Städte von Biel, Thun, Burgdorf bis Interlaken. Urbane Anliegen können sich im ländlich geprägten Kanton durchsetzen. Das ist die gute Nachricht des Urnengangs.

Der Bund

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