2027 rollt das erste Tram von Bern nach Ostermundigen

Nach dem knappen Ja soll das Tram nach Ostermundigen zügig realisiert werden. Allerdings ist noch eine Abstimmungsbeschwerde der Gegner hängig.

Ein Tram soll ab 2027 Bern mit Ostermundigen verbinden.

Ein Tram soll ab 2027 Bern mit Ostermundigen verbinden.

(Bild: Manu Friederich (Archiv))

Naomi Jones
Simon Thönen@SimonThoenen

Nachdem die ersten Ergebnisse vorlagen, gaben sich die Tram-Gegner im Café Rathaus noch zuversichtlich. Doch die Freude währte nicht lange. Man müsse das Resultat akzeptieren, sagte SVP-Stadtrat Alexander Feuz, als sich das anfängliche Nein doch noch in ein knappes Ja verwandelt hatte. «Aber wir haben ehrenvoll verloren.» Die Befürworter hingegen – etwa die zuständige Berner Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) und der Ostermundiger Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) – waren sichtlich erleichtert.

Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer (SP) sagte vor den Medien, sie sei ein wenig stolz, dass sie den Meilenstein Tram Ostermundigen noch in ihrer Amtszeit erreicht habe. Das Projekt solle nun zügig realisiert werden, und sie freue sich auf die erste Fahrt 2027, auch wenn sie dann nicht mehr Regierungsrätin sei. Spätestens 2022 sollen die Bagger auffahren.

Neue Endstation braucht Zeit

Dass der Bau erst in rund vier Jahren beginnen wird, ist auf eine Änderung gegenüber dem grösseren Vorgängerprojekt Tram Region Bern zurückzuführen. Nachdem dieses Projekt 2014 am Nein in Ostermundigen und Köniz gescheitert war, beschloss die Gemeinde Ostermundigen, auf die teure Erschliessung der Rüti mit einem Tunnel zu verzichten. Das Volk in Ostermundigen hat das abgespeckte Projekt 2016 gutgeheissen. Die Rüti soll dereinst mit einem Ortsbus erschlossen werden. Gemeindepräsident Iten könnte sich einen selbstfahrenden Shuttlebus vorstellen. Er habe bereits selbstfahrende Postautos getestet.

So haben die Gemeinden im Kanton Bern abgestimmt. Die Grossansicht der Karte finden Sie an dieser Stelle.

Für die neue Tramlinie ist eine neue Endstation mit Wendeschlaufe in Ostermundigen nötig. Die Planung dafür läuft seit 2016 und soll Ende dieses Jahres abgeschlossen werden. Allerdings müssten noch gewisse Abklärungen gemacht werden, wie Iten sagt. Bis Ende 2018 soll auch der Umbau des S-Bahnhofs Ostermundigen zu einem ÖV-Knoten zwischen S-Bahn und Tram geplant werden, damit die beiden grossen Bauprojekte aufeinander abgestimmt werden können. Ostermundigen will den Bau der Tramstrecke zudem nutzen, um die Leitungen in der Bernstrasse zu sanieren.

Die Gemeinde mit den ohnehin knappen Finanzen kann so einen Betrag von rund sieben Millionen Franken sparen, da die Strasse für den Bau der Gleise ohnehin geöffnet werden muss. Die Sanierung der Leitungen ist längst überfällig. Auf Stadtboden muss ein Teil der Alleebäume auf der Strecke gefällt werden. Dies empörte viele Gegner und führte zu einer Allianz von rechten und grünen Politikern.

Beschwerde vor Bundesgericht

Ein Teil der Gegnerschaft will immer noch nicht aufgeben. Es sei «mitnichten» so, dass der Kanton hinter dem Projekt stehe, sagte etwa Thomas Schneiter, Co-Präsident des Referendumskomitees. Denn nur knapp 12'000 Stimmen fehlten den Gegnern. Schon vor der Abstimmung hatte Schneiter vorgesorgt und beim Bundesgericht eine Beschwerde gegen die Abstimmungsbotschaft eingereicht. Darin seien falsche Aussagen publiziert worden, sagt er. Er werde die Beschwerde vor Gericht nun aufrechterhalten. Die Gegner hoffen, damit eine Wiederholung der Abstimmung zu erwirken. Allerdings rechnet Feuz nicht mit juristischem Erfolg.

Der Bund

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