In der Tiefenau darf ein Spital gebaut werden – den Kelten zum Trotz

Der Bau eines neuen Spitals neben dem Tiefenauspital ist gemäss Gutachten «grundsätzlich möglich» – trotz den archäologisch interessanten Überresten auf der Engehalbinsel.

Eine verdichtete Überbauung beim Tiefenauspital könne realisiert werden, sagen die Archäologen.

Eine verdichtete Überbauung beim Tiefenauspital könne realisiert werden, sagen die Archäologen.

Lisa Stalder

Wie man weiss, lebten auf der Berner Engehalbinsel vor über 2000 Jahren keltische Siedler; später stand in der Aareschlaufe eine römische Siedlung. Kein Wunder also, dass das Gebiet unter Bundesschutz steht. Und so waren es denn auch die Kelten und Römer – oder vielmehr die Überreste ihrer Siedlungen –, welche für die Spital Netz Bern AG im letzten Jahr zum Problem wurden. Deren Verwaltungsrat hatte vor rund zwei Jahren bekannt gegeben, neben dem heutigen Tiefenauspital ein neues Spital bauen zu wollen, das die sanierungsbedürftigen Stadtberner Spitäler Tiefenau und Ziegler ersetzen soll. Nachdem der Archäologische Dienst des Kantons Bern Sondierungen vorgenommen hatte und dabei auf dem Gelände auf antike Funde gestossen war, war die Spital Netz Bern AG plötzlich gezwungen, nach anderen möglichen Standorten für das neue Spital zu suchen.

Areal nach wie vor geschützt

Nun können die Verantwortlichen aufatmen. Der Grund: das Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege, welches im Auftrag der Erziehungsdirektion erstellt wurde. Dieses hat ergeben, dass es «grundsätzlich möglich» sei, auf dem Areal ein neues Spital zu bauen. Dies teilte der Kanton gestern mit. Konkret bedeute dies, dass in gewissen Bereichen des Geländes «eine verdichtete Überbauung» realisiert werden könnte, sagte Daniel Gutscher, interimistischer Leiter des Archäologischen Dienstes. Das heisse aber nicht, dass das gesamte Gebiet überbaut werden könne: «Am Schutz des Areals ändert sich nichts.» Allerdings gebe es Bereiche, die bereits heute durch Bauten und andere Interventionen, welche in die archäologischen Schichten greifen, geschmälert sind. Und genau dort – «in den Löchern des Emmentalerkäses» – könnte das neue Spital entstehen. Nun sei es an der Spital Netz Bern AG zu entscheiden, ob diese Fläche – sie befindet sich westlich des heutigen Tiefenauspitals – für das neue Spital gross genug sei oder eben nicht, sagte Gutscher. «Der Ball liegt nun bei den Spitalverantwortlichen.»

Rettungsgrabungen nötig

Reto Flück, Finanzchef der Spital Netz Bern AG, machte keinen Hehl daraus, dass das Tiefenauareal für den zukünftigen Spitalneubau «eine der besten Lösungen» wäre. Dank des Gutachtens der Denkmalpflege sei nun auch klar, dass terminlich alles wie geplant weiter gehen könne. Konkret: «Nun kann der Verwaltungsrat entscheiden, wo genau dieser Neubau realisiert werden soll.» Dieser Entscheid soll noch in diesem Jahr erfolgen, sagte Flück.

Bevor aber gebaut werden kann, müssten Rettungsgrabungen durchgeführt werden. Zweck dieser Grabungen wäre, jene Funde, die durch den Neubau direkt betroffen wären, vor ihrer Zerstörung noch zu dokumentieren und sie sicher zu stellen. Dann würden sie ausgewertet und wenn möglich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sagte Gutscher. Er könne gut mit einem solchen Entscheid leben; dies, obwohl die beste Grabung jene sei, «die nicht stattgefunden hat». Für die Kosten müssten der Kanton sowie die Stadt Bern als Eigentümerin des Grundstücks aufkommen. Da die Fundstelle von nationaler Bedeutung ist, darf auch mit Subventionen durch den Bund gerechnet werden. Derzeit arbeiten alle Beteiligten daran, eine
Lösung zu finden, um allen Interessen gerecht werden zu können. Flück ist guten Mutes, dass diese auch gefunden werden kann: «Wir stehen hier nicht vor unüberwindbaren Hindernissen», betonte er.

Die Spital Netz Bern AG plant am Standort Tiefenau ein neues «Stadtspital» mit 250 Betten. Die Kosten für den Neubau belaufen sich laut Flück auf rund 250 Millionen Franken. Läuft alles nach Plan, kann der Neubau im Jahr 2015 bezogen werden.

Der Bund

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