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In der Moospinte wird edel getafelt, aber weniger gepredigt

Das junge Wirtepaar Sascha Berther und Stefanie Weber hat sich an der legendären Wirkungsstätte von «Chrüter-Oski» in Wiggiswil eingelebt.

Wer eine heruntergewirtschaftete Beiz übernimmt, steht vor einer Herkulesaufgabe. Wer das edle Lokal eines berühmten Kochs weiterführt, hat es auch nicht leicht. Das neue Wirtepaar der Moospinte in Wiggiswil bei Münchenbuchsee stellt sich dieser Herausforderung: der 28-jährige Koch Sascha Berther und die 26-jährige Gastgeberin Stefanie Weber.

Stammgäste stellen sofort fest, dass Buffet und Holztische in der Gaststube moderner aussehen, dass Designer-Leuchten das Interieur in ein neues Licht rücken, dass auf der Veranda hinter dem Haus eine Lounge mit dunklen Rattanmöbeln eingerichtet worden ist. Doch beruhigt stellen sie fest, dass in der Prominentenstube die Stühle noch immer die Namen früherer Bundesräte oder von General Henri Guisan tragen. Seit kurzem ist ein Stuhl beschriftet mit: «Oskar Marti, Chrüter-Oski».

Weltverbesserer am Herd

Mit 17 von 20 Punkten bewertete der Gastroführer «Gault Millau» jeweils die Küche des bärtigen Originals, bevor er sie in der aktuellen Ausgabe wegen kleiner Mängel einen Punkt zurückstufte. Wer in der Moospinte tafelte, bekam von Oski die Kreationen mit Kräutern aus dem eigenen Garten nicht wortlos vorgesetzt, sondern hörte eine engagierte Predigt über den Zustand der Welt und den Wert einer saisongerechten Kochkunst. Nach Jahrzehnten kulinarischen «Hochleistungssports», wie Marti seine Arbeit bezeichnete, hat sich der gebürtige Luzerner Ende Februar in seine Heimat zurückgezogen und stellt sich als «Gastroflüsterer» zur Verfügung.

Pärchen mit Gourmet-Erfahrung

Der junge Berther will den pensionierten Marti keineswegs kopieren. Zwar benützt er das legendäre Kräutergärtli hinter dem Haus fleissig, kreiert aber etwas andere Menüs als sein Vorgänger – mit einem stärkeren Hang ins Dekorative. Als «No Name» (Eigenbezeichnung) hat er den Preis für einen Sechsgänger bescheiden von 170 auf 145 Franken gesenkt, weil er sich den Nimbus erst erarbeiten wolle, wie er sagt. Wobei dies als Understatement aufgefasst werden darf. Der gebürtige Schaffhauser und seine Lebenspartnerin aus dem ostdeutschen Spreewald arbeiteten zuvor nicht nur gemeinsam im Worbenbad, sondern auch in den berühmten Lokalen Jöhri’s Talvo in St. Moritz und Georges Wenger in Le Noirmont. Weber war zudem in der Chésery von Robert Speth (18 Punkte) in Gstaad tätig. Der Küchenchef lässt durchblicken, dass er durchaus «Gault-Millau»-Weihen anstrebt.

Wie «Chrüter-Oski» betont auch das junge Wirtepaar, dass man kein Schickimicki-Tempel sei, sondern eine normale Gaststätte, in der auch der hungrige Handwerker willkommen sei: Ein Mittagsmenü mit Salat und Suppe ist für 24 Franken zu haben. Das Wirtepaar hat sieben Lehrlinge aus der Ära Marti übernommen. Das Personal hat gewechselt. Eigentümer der Liegenschaft ist der Lysser Unternehmer Anton Kräuliger, der das Objekt den Martis aus Liebhaberei abgekauft hat – mit der klaren Absicht, das Restaurant zu erhalten.

Er predige nicht, schmunzelt Berther, sondern frage, ob es geschmeckt habe. Der neue Stil komme gut an, sagt er.

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