Immer nur Ärger mit Fussballfans

Jahrelang kämpfte Bern um den Cupfinal. Dieses Spiel gehöre einfach in die Bundesstadt, pflegte Stadtpräsident Alexander Tschäppät zu sagen. Seit 2012 ist der Final im Stade de Suisse zuhause - und viele Berner möchten ihn am liebsten wieder loswerden.

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Zerbrochene Scheiben, verschmierte Wände, ein geplünderter Laden und verletzte Polizisten: «Sieht so ein Volksfest aus?» fragte die «Berner Zeitung» am Dienstag auf ihrer Frontseite. «Nein», finden viele Berner. Den Cupfinal haben sie gründlich satt, wie aus Hunderten von Online-Kommentaren und Leserbriefen hervorgeht.

Grund des Ärgers sind die Fanmärsche vom Bahnhof bis zum Wankdorf. Für Unmut sorgen diese Umzüge seit Jahrzehnten. Von Glasscherben übersäte Strassen, Knallpetarden und in Vorgärten urinierende Fussballfans nervten die Berner schon in den 1980er-Jahren, als der Cupfinal noch im altehrwürdigen Wankdorf angepfiffen wurde.

Doch lange wurde das alles akzeptiert, zumal der Cupfinal für Bern auch einen wirtschaftlichem Nutzen hatte. Mit Tausenden ebenso friedfertigen wie trinkfreudigen Wallisern machte manch ein Wirt in der Innenstadt ein gutes Geschäft.

Erst in den letzten Jahren hinzugekommen sind blinde Zerstörungswut und Extremisten, die nur auf Konfrontation mit gegnerischen Fans aus sind. Sie drücken dem «Fussballfest» zusehends den Stempel auf. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte die Gewalt 2013, als sich GC- und Basel-Fans eine Strassenschlacht unweit des Bundeshauses lieferten.

Das Konkordat ...

Vor diesem Hintergrund hatte das verschärfte Hooligan-Konkordat auch im Kanton Bern ein leichtes Spiel. Selbst in der links-grünen Stadt Bern fand die Vorlage für mehr Repression am 9. Februar eine bequeme Mehrheit von 71 Prozent.

Die Stadt Bern kann seither bei «Hochrisikospielen» gewisse Spielregeln diktieren und ansonsten die Bewilligung verweigern. «Wir können nun auf Augenhöhe mit dem Fussballverband verhandeln», schwärmte Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) vorletzte Woche.

Soeben hatte er die Bewilligung für den Cupfinal 2014 erteilt - und auch für die Fanmärsche, die er noch vor einem Jahr «nie wieder» dulden wollte. Davon kam Nause wieder ab - er behandelte die Umzüge nun wie eine Demonstration und nahm den Fan-Organisationen und den Klubs das Versprechen ab, für gesittete Fanmärsche zu sorgen.

... und die Krawalltouristen

Klubs und Fanarbeiter bemühten sich redlich, im Fall des FC Basel gelang das auch recht gut. Im Fall des FC Zürich ging es gründlich daneben. Der FCZ macht dafür auswärtige Krawalltouristen verantwortlich, die Berner Polizei widerspricht energisch.

Wie dem auch sei - der praktische Nutzen des neuen Konkordats erschliesst sich vielen Bernern nicht so ganz. Beträchtlichen Sachschaden gab es mit und ohne Konkordat. Dass dieses Jahr Konfrontationen ausblieben, ist wohl eher der klugen Polizei-Taktik zu verdanken als den neuen Bestimmungen.

Für den kantonalen Polizeidirektor Hans-Jürg Käser ist das Konkordat trotzdem eine gute Sache. Der Fehler war wohl, die Fanmärsche zuzulassen, gibt er im Nachhinein zu verstehen.

Zu sagen hatte er nichts, das ist Sache der Stadt. Diese entscheidet auch über künftige Spielbewilligungen. Käsers Meinung ist klar: «In Bern braucht es keinen Cupfinal mehr.»

Fussballverband schweigt

Gar keine Stellung nimmt einstweilen der Veranstalter des umstrittenen Anlasses, der Schweizerische Fussballverband (SFV). Er will sich erst «nach Vorliegen aller Rapporte» äussern. Die Zurückhaltung hat mit finanziellen Interessen zu tun.

Der SFV hatte Nause in Aussicht gestellt, sich mit bis zu 200'000 Franken an den Sicherheitskosten der öffentlichen Hand zu beteiligen. Wie die Formulierung in der Vereinbarung genau lautet, weiss nicht einmal der kantonale Polizeidirektor Käser.

Womöglich gibt es ein Schlupfloch für den Verband. Denn der will laut Medienberichten erst einmal rechtlich abklären lassen, ob er für Sicherheitskosten ausserhalb des Stadions überhaupt zur Kasse gebeten werden kann.

Zuschauer-Baisse

Die Ausschreitungen am Rand des Cupfinals sind so oder so nicht die einzige Sorge des Verbands. Der als «Klassiker» angepriesene Match zog dieses Jahr gerade noch 23'312 Fans an. Noch nie waren weniger Menschen an einem Cupfinal im Stade de Suisse. Es sieht so aus, als habe der traditionsreiche Anlass ein vielschichtiges Image-Problem.

gbl/sda

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