Imbissbuden in Bern setzen auf Mehrwegboxen

Über tausend Tonnen Verpackungsmaterial pro Jahr landen in Bern im Abfall. Ein Pilotprojekt soll dies ändern.

Weniger Littering, weniger Abfall - das verspricht die «Bring-Back-Box».

Weniger Littering, weniger Abfall - das verspricht die «Bring-Back-Box».

(Bild: zvg)

Essen rein, Deckel drauf, «ä Guete» – so funktioniert die gängige Essensausgabe bei den Take-aways. Nicht alle Gesättigten nehmen es aber mit der Abfallentsorgung so genau. Seit Mittwochmittag gibt es in acht Berner Lokalen deshalb die «Bring-Back-Box», etwa beim Ängelibeck und im Way to India: Wer ein Depot von 10 Franken hinterlegt, kann aus der Plastikschale speisen und diese wieder zurückbringen. Damit sollen Abfallmengen im öffentlichen Raum reduziert werden.

Dahinter stecken Jeannette Morath und Carole Straub mit ihrem Projekt Grüne Tatze, das in der Stadt Bern probehalber bis Ende Jahr läuft. Beide arbeiteten zuvor im Bereich Entsorgung und Recycling, seit sechs Jahren tüfteln sie an einem Mehrwegkonzept, welches das Wegwerfgeschirr ersetzen könnte. «Soweit wir wissen, ist diese Idee weltweit einzigartig», sagt Projektleiterin Morath.

Offene Türen eingerannt

Das System beruht auf der Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen: Das Plastikgeschirr wird in Süddeutschland hergestellt und von den Lokalen für 65 Rappen pro Stück gemietet. Rikscha Taxi Schweiz bringt diese anschliessend zum Waschen zu zwei Mehrweglogistikern – und wieder zurück zu den Lokalen. Bis zu hundert Mal kann eine «Bring-Back-Box» benutzt werden.

«Ich habe offene Türen eingerannt – alles ging sehr schnell», so Morath. Sie habe bewusst viele Unternehmen eingebunden, um das Projekt breit abzustützen. Auch der Bund unterstützt die Grüne Tatze: Das Bundesamt für Umwelt sprach 150 000 Franken aus dem Kredit für Umwelttechnologieförderung.

Die Behörden freuts

Bei Entsorgung und Recycling der Stadt Bern (ERB) begrüsst man das Projekt. «Es ist eine von vielen Massnahmen, die uns helfen könnten, den Abfall im öffentlichen Raum zu reduzieren», sagt ERB-Leiter Walter Matter. In der Stadt Bern sei Littering ein wachsendes Problem. Matter führt keine genauen Zahlen. «Wir sammeln aber jährlich um die 4000 Tonnen Abfall auf der Strasse und in den Abfallkübeln. Die Verpackungen machen davon rund ein Drittel aus.» Ob das Pilotprojekt dies ändern kann, wird sich nach den Auswertungen zeigen.

Bald auch in anderen Städten?

Anfang nächstes Jahr ziehen die Behörden eine Bilanz. «Stellen sie bei der Hochrechnung eine merkbare Reduktion der Abfallmenge fest, läuft das Projekt vermutlich weiter», so Morath. Danach wird entschieden, ob das Mehrwegsystem der Grünen Tatze auf das gesamte Stadtgebiet oder weitere Schweizer Städte ausgeweitet werden könnte. «Für den Anfang gilt es zu beweisen, dass Transport, Reinigung und Logistik reibungslos funktionieren und die Nachfrage entsprechend gross ist.»

Die «Bring-Back-Box» gibt es in acht Berner Take-aways. Weitere Informationen unter www.gruenetatze.ch.

Der Bund

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