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Im Fundbüro: Verloren, gefunden und vergessen

In Berner Fundbüros warten Tausende herrenlose Gegenstände darauf, vom Besitzer vermisst zu werden. Nur die wenigsten werden abgeholt.

Sucht den Besitzer dieser Gebisse: Robert Schütz vom Berner Fundbüro. (Adrian Moser)
Sucht den Besitzer dieser Gebisse: Robert Schütz vom Berner Fundbüro. (Adrian Moser)

Berner sind Verlierer. Dafür spricht zumindest die Anzahl verlorener Gegenstände, die in der Stadt Bern täglich auf einem der drei Fundbüros abgegeben werden. Rund 6500 herrenlose Objekte nahm das städtische Fundbüro im vergangenen Jahr entgegen. Hinzu kommen die 6000 Dinge, die bei den SBB eingegangen sind, und Bern Mobil registrierte noch einmal über 1000 Fundstücke.

Am meisten würden Portemonnaies, Mobiltelefone und alle erdenklichen Arten von Kleidungsstücken abgegeben, sagt Stefan Walther, Leiter des städtischen Fundbüros. «Verloren wird aber alles, was verloren gehen kann.» Tatsächlich sind die übermannshohen Regale im Lagerraum prall gefüllt mit allerlei Krimskrams: vom Plüschtier über den Velohelm bis zur Damenunterwäsche. Alles, was einen Wert von über zehn Franken hat, wird im Fundbüro entgegengenommen, erfasst, nummeriert und nach Typ geordnet in einem der Regale abgelegt.

Dort findet aber längst nicht mehr jeder Gegenstand Platz. In einem Nebenraum steht etwa ein knallrotes Trottinett. In einem Schirmständer finden sich zwischen Regenschirmen und Spazierstöcken auch einzelne Krücken. Man frage sich schon, wie man solche Sachen verlieren kann, wundert sich Walther. So habe man kürzlich auch ein künstliches Gebiss entgegengenommen. Auch nach diesem wurde vom Besitzer noch nicht gefragt. Selbst Gegenstände, die der Schweizer in der Regel wie sein Augapfel beschützt – Laptops oder Eheringe beispielsweise –, warten einsam und verlassen darauf, vom Besitzer vermisst und abgeholt zu werden.

Die meisten der Gegenstände warten allerdings vergeblich, erzählt Walther. Nur gerade ein knappes Drittel aller Fundstücke finde den Weg zurück zum Besitzer. Und dies sei im Vergleich mit anderen Jahren noch ein hoher Wert. Normalerweise liege die Vermittlungsquote zwischen 25 und 30 Prozent. Zurückzuführen sei der überdurchschnittliche Wert vor allem auf die Zusammenarbeit mit Mobilfunkunternehmen, die sich bei der Vermittlung von verlorenen Handys als tatkräftige Helfer erwiesen hätten. Auch Schlüssel und Identitätskarten könnten nach einer kleinen Recherche oft an die Besitzer zurückvermittelt werden.

Maximal fünf Jahre bleiben die Fundstücke in der Zentrale in Bern. Bereits nach einem Jahr hat der Finder das Recht, den Gegenstand für einen Unkostenbeitrag von 5 Prozent des Warenwertes zu erwerben. Verzichtet dieser darauf, wird das Fundstück entweder an Hilfswerke weitergegeben oder öffentlich versteigert. Das Geschäft mit dem Verlust anderer sei aber in der Regel ein Verlustgeschäft, sagt Robert Schütz, einer von insgesamt drei Mitarbeitern beim Berner Fundbüro. Die Schnäppchenjäger überböten sich jeweils in 50-Rappen-Schritten. Ausgehend vom Startbetrag von einem Franken ergäben sich deshalb keine riesigen Erlöse. Zudem sei es aufwendig, die alle zwei Jahre stattfindenden Versteigerungen zu organisieren. Um Kosten zu sparen und eine grössere Kundschaft zu erreichen, hat das Fundbüro der SBB die Auktionen vor einiger Zeit auf das Internet verlegt. Dieser Weg ist Schütz aber unsympathisch. Die Auktionen seien zu einer Art Tradition geworden, bei denen immer wieder die gleichen Stammkunden auftauchten. So wird am Ende aus dem Verlust des einen das Schnäppchen für den nächsten Besitzer. Es bleibt zu hoffen, dass dieser besser darauf aufpasst. Die nächste Auktion soll voraussichtlich im November stattfinden. Das genaue Datum werde zu gegebener Zeit im «Anzeiger» bekannt gegeben, sagt Schütz.

Fundgegenstände auf das Fundbüro zu bringen, ist übrigens kein blosser Akt der Nächstenliebe, sondern eine gesetzlich geregelte Bürgerpflicht. Wer ein Fundstück behält, muss mit einer Busse rechnen. Wer einen Fund aber meldet, bekommt einen Finderlohn von 10 Prozent des Warenwertes. Es gäbe aber auch Fälle, bei denen es der Finder etwas zu gut gemeint habe, sagt Stefan Walther. So sei es etwa nicht nötig, vergammelte Rucksäcke aus der Aare zu fischen oder einzelne Schuhe auf das Fundbüro zu bringen.

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