Im Burgernziel dauert es länger

Der Neubau auf dem Areal des alten Tramdepots könnte sich verzögern. Falls es keine Einigung gibt, drohen Einsprachen.

Die alte Halle des Tramdepots Burgernziel müsste weichen.

Die alte Halle des Tramdepots Burgernziel müsste weichen. Bild: Valérie Chételat

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Sabine Schärrer wird langsam ungeduldig. Mit den Läden, dem Quartierbüro und der Schule werde die Überbauung Burgernziel zum «Herzstück» eines Quartiers, das über zu wenig Räume für öffentliche Nutzungen verfüge, sagt die Geschäftsführerin der Quartierkommission Kirchenfeld/Schosshalde.

«Wir möchten nun möglichst rasch vorwärtskommen.» Diesem Wunsch stehen zurzeit aber juristische und politische Hindernisse gegenüber.

Beharrliche Grundeigentümer

Da ist zunächst einmal der Widerstand von ursprünglich 35 benachbarten Eigentümern, die gemäss Grundbuch über Dienstbarkeiten auf dem Areal verfügen. Darin ist etwa festgehalten, dass die Gebäude der Wohnüberbauung maximal zehn Meter hoch sein dürfen. Zudem wäre die Ansiedlung von Gastrobetrieben nicht erlaubt.

Das Bauprojekt kann beide Vorgaben nicht erfüllen. Deshalb möchte die Stadt Bern die Dienstbarkeiten aus dem Grundbuch löschen. In den Verhandlungen sind aber seit Frühjahr 2015 kaum Fortschritte erzielt worden, obwohl die Sprecherin von Immobilien Stadt Bern (ISB) einst von einer «Formsache» sprach. Zwar haben einige Eigentümer auf ihre alten Rechtstitel verzichtet.

Eine Minderheit liess sich dem Vernehmen nach aber nicht überzeugen. Sie werden nun zu Gesprächen eingeladen, die bis Ende November stattfinden sollen. Falls es zu keiner Einigung kommt, dürften sie das Vorhaben mit Einsprachen blockieren. Es sei denn, die Stadt oder die Baurechtnehmer versuchen, die Eigentümer mit Geld zur Löschung der Dienstbarkeiten zu bewegen.

GVB sucht «Dialog mit Nachbarn»

ISB-Sprecherin Dagmar Boss will das nicht bestätigen. Sie verweist auf einen hängigen Vorstoss, dessen Beantwortung zunächst abgewartet werden müsse. Auch seien jetzt die Gebäudeversicherung (GVB) und die Wohnbaugenossenschaft Acht (WBG 8) für Auskünfte zuständig, die letzten Sommer das Baurecht für das Areal von der Stadt erworben haben.

Bei der WBG 8 wiederum verweist man auf die GVB, die für die Kommunikation zuständig sei. Die GVB gibt sich zugeknöpft. «Wir sind zurzeit daran, den Dialog mit den Nachbarn des Tramdepots Burgernziel zu suchen», hält Sprecherin Stephanie Kriesel auf Anfrage fest. Die Gespräche dauerten «bis ins neue Jahr».

Daher könnten zurzeit keine Angaben über «Konsequenzen und Optionen» gemacht werden, falls die Eigentümer auf den Dienstbarkeiten beharrten. Laut GVB ist ein Baubeginn im Laufe des Jahres 2017 aber «nach wie vor realistisch».

Initianten wollen Halle erhalten

Bei den Initianten des Volksbegehrens gegen den Abriss des alten Tramdepots sieht man das anders. Sie haben bisher rund 3000 der nötigen 5000 Unterschriften für das Zustandekommen der Initiative gesammelt. Christoph Egli von Initiativkomitee ist zuversichtlich, dass das Quorum bis Ende Januar zustande kommt, zumal nun auch in der Innenstadt Unterschriften gesammelt werden sollen.

Egli ist sich zwar bewusst, dass die Initiative keine aufschiebende Wirkung hat. Er geht aber davon aus, dass es zu Einsprachen gegen die Überbauung kommen wird. Bis diese bereinigt seien, «wird unsere Initiative zur Abstimmung kommen». Im Übrigen gehe es nicht um Eigennutz, sagt der Organisator des Food Truck Festival, das bisher auf dem Areal stattgefunden hat. Das Festival sei nicht gewinnorientiert.

«Uns stört, dass die Abstimmung über das Bauprojekt alternativlos war.» Mit der Initiative werde eine Diskussion über Alternativen erst ermöglicht. «Es gab selbst im Architekturwettbewerb Projekte, bei denen die bestehende Halle erhalten bleiben kann», sagt Egli. (Der Bund)

Erstellt: 19.10.2016, 06:52 Uhr

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