Im Bauch des Schmetterlings

Wo neue Wohnbauten entstehen, werden auch merkwürdige Namen vergeben. Die Ask-Force erklärt, wieso das so ist.

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«Warum heissen neue Überbauungen ‹Schmetterling› oder ‹Papillon›?» Mit dieser Frage ist Frau J. aus Bern an die Ask-Force herangetreten. Schmetterlinge zum darin Wohnen? Ja, die gibt es: So entpuppt sich bei Niederwangen derzeit praktisch ein neues Dorf unter dem Namen «Papillon», und in Ostermundigen logiert man elegant im «Schmätterling». Klar: Ein Schmetterling, so würde Ihnen, Frau J., jede PR-Honigbiene aus dem Stand vorsummen, weckt Gefühle von Leichtigkeit, Anmut und Sonnenschein – das Tierchen wird ja vielerorts auch «Sommervogel» genannt. Sogar das schönste aller Gefühle klingt an – Schmetterlinge im Bauch! Umgekehrt gefragt: Wer möchte schon in die Überbauung «Kakerlake» oder die Siedlung «Schmeissfliege» ziehen?

Trotzdem verstehen wir Ihre Frage, Frau J. Denn der «Schmätterling» hat auch etwas gar Kindliches. (Sein winterliches Pendant wäre übrigens nicht der «Pflotsch», sondern das «Schneeflöckli».) Sehr süss und allzu niedlich, nicht wahr? Und auch zu unspezifisch. Eine Strasse wird ja auch nicht einfach «Vogelstrasse» genannt, sondern etwa «Amselweg» oder «Schwanengasse». Leider helfen aber auch die Schmetterlingsarten unserem Werber nicht weiter, denn um eine Siedlung «Admiral» zu füllen, mangelt es an Kriegsgurgeln, in der Überbauung «Kohlweissling» drohen Blähungen, und das «Grosse Ochsenauge» ist als Adresse schlicht zum Heulen.

Also doch «Papillon». Immerhin evoziert er – siehe oben. Und wir wagen die Prognose, dass sich viele junge Familien um die Wohnungen reissen werden, denn der «Schmätterling» holt genau sie ab. Nein, Frau J., keine Panik! Auch heute bestimmen die Kleinsten (noch) nicht den Wohnort. Das übernehmen ihre Eltern, alle die in den mittleren 1980er-Jahren geborenen Stephanies und Michaels, die mit ihren kleinen Noahs und Emmas in der familienfreundlichen Agglomeration ihre Eigenheimträume verwirklichen. Jene Erwachsenen also, die zur ersten Generation der Kita-Kinder zählen. Und wie heissen diese Kindertagesstätten? Genau!

Lehnen wir uns also zurück und freuen uns auf eine bunte Zukunft im Altersheim «Mogli», «Schnäggehüsli» oder eben «Schmätterling».

Macht auch bei schwierigen Fragen nicht die Flatter: askforce@derbund.ch (Der Bund)

Erstellt: 12.02.2019, 06:47 Uhr

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