Grossbaustelle unter den Gleisen

Während der nächsten acht Jahre wird der Berner Bahnhof zur Grossbaustelle. Der meist unterirdische Bau wird vor allem auf den Nebenbauplätzen um den Bahnhof spürbar sein.

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Simon Thönen@SimonThoenen

Die hauptsächlichen Profiteure des Bahnhofausbaus werden am wenigsten von der Grossbaustelle mitbekommen. Die Passagiere des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) kommen während der ganzen gut achtjährigen Bauzeit weiterhin im alten RBS-Bahnhof an – bis der RBS 2025 seinen neuen Bahnhof unterhalb der Gleise der SBB bezieht.

Auch die Passagiere von SBB und BLS, die 2025 eine neue Unterführung im Bahnhof erhalten, sollen möglichst wenig unter dem Bau leiden, wie die Verantwortlichen des Grossprojekts am Montag an der Medienkonferenz zum Baubeginn betonten. In den ersten zwei Jahren seien gar keine Auswirkungen auf den Bahnbetrieb zu erwarten. Aber auch danach sollen die Bahnen nach Fahrplan verkehren.

Die Auswirkungen für die Bahnpassagiere werden vor allem deshalb begrenzt bleiben, weil sowohl der neue RBS-Bahnhof wie auch die neue Personenunterführung der SBB unter den heutigen Bahngleisen liegen und deshalb unterirdisch gebaut werden. Doch um den Bahnhof herum sind erhebliche Auswirkungen zu erwarten. «Ein solch grosses Bauwerk mitten in der Stadt wird deutlich sicht- und spürbar sein», sagte RBS-Direktor Fabian Schmid am Montag. Dies gilt vor allem für die vier Bauinstallationsplätze, von denen aus die Arbeiten vorangetrieben und der Aushub abtransportiert wird.

Grosse Grube im Hirschenpark

Auf den zwei Installationsplätzen des RBS im Osten laufen die Arbeiten bereits seit letzter Woche. Im Hirschenpark neben der Tiefenaustrasse wird schon bald eine riesige Baugrube ausgehoben. Hier wird später der heutige Zufahrtstunnel an den neuen RBS-Tunnel angeschlossen. Für die Grube werden auch rund 40 Bäume im Hirschenpark gefällt, die nach der Bauzeit durch neue Bäume ersetzt werden sollen.

Zudem müssen zur Bauvorbereitung Wasser- und Stromleitungen im Boden neu verlegt werden, was oben im Brückfeldquartier bereits im Gang ist. Auch auf dem früheren Eilgutareal neben der Reitschule arbeitet man bereits. Hier tragen Bagger momentan die Schienen ab. Später wird hier Abschnitt für Abschnitt der Boden geöffnet und der neue Zufahrtstunnel des RBS erstellt. Lastwagen werden den Aushub, der beim Tunnelbau entsteht, über die Tiefenaustrasse und die Autobahn abtransportieren.

Der dritte Installationsplatz des RBS wird erst in den kommenden Monaten im Westen, an der Laupenstrasse, entstehen. Der Grund ist eine immer noch hängige Einsprache der dort ansässigen Finanzmarktaufsicht des Bundes (Finma). Die Finma und ihr Vermieter stören sich an der Bauplattform, welche bei der Laupenstrasse geplant ist.

«Eine Konsenslösung mit den Einsprechenden zeichnet sich ab», sagte Schmid am Montag. Von diesem Installationsplatz aus wird der neue RBS-Tiefbahnhof unterhalb der Gleise 2 bis 7 der SBB gebaut werden. Weil das Gestein hier locker und wasserhaltig ist, soll der Boden für den Bau des unterirdischen Bahnhofs eingefroren werden.

Kein Bauverkehr in Länggasse

Im November werden die SBB ihren Installationsplatz auf der Grossen Schanze einrichten. Von hier aus wird die neue Personenunterführung mit Bahnhofzugängen in der Länggasse und dem Bubenbergplatz gebaut. Der Baustellenverkehr wird über Schanzenbrücke und Laupenstrasse westwärts geführt. «Das Länggassquartier ist davon nicht betroffen», sagte SBB-Programmleiter Benno Nussberger.

Es sei jedoch nicht leicht, die Erreichbarkeit des Bahnhofs für die Passagiere während der jahrelangen Bauzeit zu gewährleisten, sagte die städtische Baudirektorin Ursula Wyss (SP). Dies werde eine der Hauptaufgaben der Stadt Bern sein, die dafür auch eine Taskforce mit den Bauherrschaften eingerichtet hat.

Die Stadt wird zudem ab 2022 die Verkehrssituation am Bubenbergplatz neu gestalten. Voraussichtlich sei auch, so Wyss, eine neue Personenunterführung unter dem Bubenbergplatz zum Hirschengraben nötig.

Infopavillon zum Projekt im 1. Stock der Parkterrasse in Bern. Informationen im Internet: www.zukunftbahnhofbern.ch

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