«Ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe»

Das Berner Stimmvolk ist von Teamkandidaturen für den Gemeinderat noch nicht überzeugt, zeigt das «Stadtgespräch».

Sollten Berner Gemeinderätinnen und Gemeinderäte künftig ihre Ämter teilen dürfen?

Sollten Berner Gemeinderätinnen und Gemeinderäte künftig ihre Ämter teilen dürfen? Bild: Adrian Moser

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Weshalb etwas alleine tun, wenn es auch zu zweit gehen kann? Gemäss dem Berner Stadtrat sollte man sich diese Frage auch im Gemeinderat stellen. Er hat letzte Woche gegen den Willen des Gemeinderats einen Vorstoss überwiesen. Nun soll dieser prüfen, ob künftig Teams für die stadtberner Exekutive kandidieren dürfen. Einmal gewählt, würde sich das Team die Führung und Verantwortung einer Direktion teilen.

Was im Stadtrat eine klare Mehrheit findet, ist im «Bund-Stadtgespräch» umstritten. Die Frage nach der Zuteilung der politischen Verantwortung bei einem Gemeinderats-Duo beschäftigt einige Leserinnen und Leser. «Nicht jede Aufgabe ist für Jobsharing geeignet», sagt C. von Waldkirch. «Ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe und nicht immer auf den anderen verwiesen werden.» Robert Lehmann wirft Fragen in die Runde, die nicht einfach zu beantworten sind: «Ein Unternehmer, Gewerkschafter oder Parlamentarier will etwas mit der zuständigen Gemeinderätin besprechen. Sind nun beide zuständig? Oder teilt man die Dossiers auf? Ist man dann auch gegen aussen nur für die zugeteilten Dossiers verantwortlich oder doch auch für diejenigen des Kollegen?»

Teams vs Trump und Berlusconi

Doch nicht alle begegnen der Idee skeptisch. «Ich würde sehr gerne ein Team wählen», sagt Danielle Frisch. «Am liebsten einen Mann und eine Frau, die innerhalb des Teams bereits viele verschiedene Kompetenzen und Erfahrungen mitbringen.» Ruedi Böhlen wohnt zwar nicht in Bern, ist dennoch vom Team-Gedanken «fasziniert». Im Grunde wähle man vielfach ein Team in die Exekutivgremien. «Ob ich ein Team im Sinne der Initianten wählen würde, hängt davon ab, wie die Verantwortlichkeiten geregelt würden.» So wie sich die Strukturen momentan präsentieren, kann sich Böhlen die Aufgabenteilung aber kaum vorstellen. «Ein Alphatyp und ein Verwalter entscheiden gemeinsam im Finanzwesen oder im Baubereich – kaum denkbar und wenn ich mir die Situation als Wähler vorstelle, wird es noch komplexer.»

Zu Wort meldet sich auch Stadtrat Benno Frauchiger (SP), der mit seinem Parteikollegen Martin Krebs den Vorstoss eingereicht hatte. Er räsoniert, das Teilen von politischer Macht und Verantwortung sei ein zentrales Element der Demokratie. «Die Beispiele Trump und Berlusconi zeigen, dass die Performance von Personen, die sämtliche politische Verantwortung ohne Rücksicht auf andere Meinung ausüben, zu wünschen übrig lässt.» Zudem sei Jobsharing in Exekutivämtern in der Zeit von Dezentralisierung und flexiblen Arbeitszeiten eine logische Entwicklung. GLP-Stadtrat Matthias Egli, der in einem eigenen Postulat ebenfalls die Prüfung von Jobsharing verlangt hat, erklärt, dass man damit nicht das alte System abschaffen wolle. «Wir wollen die Möglichkeit von Jobsharing für Gemeinderäte schaffen. Ob ein Team oder eine Einzelperson gewählt würde, liegt immer in der Entscheidung der Stimmbürger.»

Leser Samuel Kunz ist trotz dieser Argumente gegen die Möglichkeit der Gemeinderats-Teams. «Die bestehende Form der Kollegialregierung ist bereits das Team, das zu ausgewogenen Entscheiden führen sollte», sagt er. «Mit einer Teamentscheid-Kaskade würde wohl nie mehr etwas Greifbares rauskommen.»


Das Berner Parlament will Team-Kandidaturen für die städtische Regierung einführen. Was halten Sie von dieser Idee? Haben Sie gute Erfahrungen gemacht mit Jobsharing? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch»
(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.10.2018, 16:05 Uhr

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