«Ich will meine Zeit nicht verschwenden»

Lauro Mombelli sagt, seine Zeit als «typischer Jugendlicher» sei vorbei. Jetzt setzt der 20-Jährige alles daran, seinen Berufswunsch zu verwirklichen: Er will Moderator werden.

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Hanna Jordi

Wenn Lauro Mombelli eine Nacht im Club zusammenfasst, dann klingt es so: «Es ist teuer und vollgestopft, und am Ende wird noch einer ausfällig.» Nein, in den Ausgang zieht es den 20-Jährigen nicht mehr so oft. Lieber trifft er sich mit Freunden oder seiner Freundin an einem hübschen Fleck an der Sonne, zum Beispiel auf der Kleinen Schanze, wo er es sich soeben auf einer Bank gemütlich gemacht hat. «Es gibt kaum einen schöneren Ort», sagt er und deutet auf die Kulisse mit Bundeshaus und Alpenpanorama. «Fast schon kitschig, nicht?»

Wenn er und seine Freunde auf der Kleinen Schanze verweilen, dann nur solange es nicht ungemütlich wird. «Am Abend kommen hier die Polizeipatrouillen, aber dann sind wir meist schon wieder weg.»

Lauro Mombelli lebt mit seiner jüngeren Schwester und seinen Eltern in Wabern. Er sei kein «typischer Jugendlicher», sagt er. Damit meint er, dass ihm Feiern und Fläzen nicht so viel bedeuten – oder zumindest nicht mehr so viel wie noch vor drei Jahren. «Inzwischen ist bei mir alles auf Studium und Beruf ausgerichtet.» Lauro will Moderator werden. Schon mit zehn Jahren entdeckte er seine Faszination. Kein Samstagabend ohne «Benissimo». «Wenn wir Besuch hatten und Fernsehverbot herrschte, war ich frustriert.»

«Die Türen schliessen sich schnell wieder»

Ein erstes Mal konnte er die Kniffe, die er sich von Beni Thurnheer abgeschaut hatte, als Elfjähriger anwenden. Für das SRF-Programmfenster «Junior» amtete er an der Spielzeugmesse Suisse Toy als Conférencier. Es folgte eine Ausbildung zum Jugendredaktor bei Radio Rabe, wo er schliesslich die Leitung der Jugendredaktion übernahm. Er meinte es ernst. Etwa 20 Stunden pro Woche investierte er in seine Sendung – neben dem Gymnasium. «Nicht alle im Team teilten meinen Sinn für Perfektionismus», sagt er, «aber ich kann es mir nicht verzeihen, wenn der Schnitt nur halbbatzig ist.»

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Zu Beginn des letzten Jahres unterbrach Lauro Mombelli sein Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaft in Freiburg für ein Moderationspraktikum bei Radio Bern 1. Für das Studentenfernsehen Unicam produziert er Videobeiträge. Lauro lässt keine Möglichkeit aus, Erfahrungen zu sammeln. Von seinen Engagements erzählt er atemlos, die Augen glänzen.

Lauro weiss, dass er hohe Ansprüche an sich stellt. Manchmal belastet ihn der Druck, der mit seinem Lebenstraum einhergeht. «Ich will meine Zeit nicht verschwenden», erklärt er, «ich habe nur ein Leben.» Arbeitsplätze für Moderatoren, sei es beim Fernsehen oder beim Radio, gibt es nicht wie Sand am Meer. «Da muss der Lebenslauf gut daherkommen. Einfach nur genügend zu sein, reicht nicht.» Auch bei Gleichaltrigen spürt er diesen Druck. Zwar stünden seiner Generation viele Möglichkeiten, viele Türen offen. Doch: «Diese Türen schliessen sich auch schnell wieder.»

Lauro Mombelli erlaubt dem Leistungstrend aber nicht in jedem Bereich Einlass in sein Leben. Während er unter vielen Gleichaltrigen ein grosses Körperbewusstsein ausmacht, gönnt er sich das eine oder andere Laster. «Ich bin wohl der Einzige unter meinen Kommilitonen, der statt Mineralwasser lieber Coca-Cola trinkt.» Und dann das Rauchen: «Das tut ja eigentlich auch niemand mehr. Aber ich mag es halt schon.»

Krach gibt es selten

Bei all diesen nebenakademischen Verpflichtungen bleibt nicht immer gleich viel Zeit für das Studium. Gerade hat Lauro Mombelli eine Prüfung abgelegt, Psychologie, das Nebenfach. «Schlecht gelaufen. Es gibt kein Drumherum: Ich habe zu spät mit Lernen angefangen.» Trotzdem will er im Minimum einen Bachelor. «Wofür hätte ich sonst die Matur gemacht?» Lauros Eltern sind beide im Lehrberuf tätig. Auch er könnte sich vorstellen, eines Tages neben den Medien etwas im pädagogischen Bereich zu machen, vielleicht mit Jugendlichen. Ohnehin sind seine Eltern für Lauro Vorbilder. «Sie haben mich immer unterstützt, mir wenige Grenzen gesetzt», Krach gebe es selten.

Und wenn ihm der Familienalltag manchmal doch zu eng wird, flieht Lauro zur Freundin. Die wohnt allein, verdient dank einer Lehre eigenes Geld. «Bei meiner Freundin kann ich üben, wie es wäre, allein zu wohnen.» Eigentlich würde er gerne in die Medienstadt Köln ziehen. Es ist sein Umfeld, das ihn davon abhält. «Meine Familie und Freunde sind meine Wurzeln.»

DerBund.ch/Newsnet

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