«Ich will auf dem Schlachtfeld der Worte streiten»

Der Paradiesvogel will ausgerechnet für die SVP in die Stadtregierung: Tierparkdirektor Schildger sagt, warum es ihn in die Politik zieht.

«Ich bin kein Blocher-Anhänger, ich bin ein Anhänger der Stadt Bern»: Tierparkdirektor Bernd Schildger will für die SVP in den Gemeinderat.

«Ich bin kein Blocher-Anhänger, ich bin ein Anhänger der Stadt Bern»: Tierparkdirektor Bernd Schildger will für die SVP in den Gemeinderat.

(Bild: Valérie Chételat)

Adrian Müller@mueller_adrian

Herr Schildger, weshalb zieht es Sie in die Politik? Als Leiter des Dählhölzli arbeite ich seit 20 Jahren sehr eng mit Politik und Behörden zusammen. Es ist eine logische Folge, für die Stadtregierung zu kandidieren. Ich will auf dem Schlachtfeld der Worte um das beste Ergebnis für die Stadt streiten. Ich halte gern Wortgefechte ab.

Als Tierparkdirektor gelten Sie in Bern als schwer verortbarer Paradiesvogel. Warum treten Sie nun ausgerechnet für die SVP an? Die Partei steht wie keine andere für Eigenverantwortung in der modernen Gesellschaft. In meiner Funktion habe ich gute persönliche Erfahrungen mit den Parteivertretern der SVP gemacht. Sie haben etwa stets für stabile Finanzen gekämpft. Die SVP setzt sich für Mensch wie Tier ein, dies zeigt sich etwa in der Landwirtschaftspolitik. SVP-Mitglied bin ich übrigens erst seit Mittwoch. Es ist mir eine grosse Ehre, dass ich von der Partei als Gemeinderatskandidat angefragt und nominiert worden bin – und das als Deutscher.

Bereits vor vier Jahren haben Sie sich für die SVP als Gemeinderatskandidat aufstellen lassen – zogen sich dann aber in letzter Minute zurück. Nun wollen Sie es noch einmal wissen. Ist Ihnen der Tierpark nach 20 Jahren verleidet? Das ist überhaupt nicht so. 2012 befand sich der Tierpark wegen der völlig verworrenen Zuständigkeiten in einem Sturm. Damals konnte ich als Kapitän nicht von Bord gehen. Dank der 2014 neu eingeführten Organisationsstruktur befindet sich der Tierpark nun in ruhigen Gewässern. Für mich ist der richtige Zeitpunkt gekommen, es noch einmal in der Politik zu versuchen. Ich verlasse den Tierpark aber nur, wenn ich gewählt werde.

In der Berner SVP punkteten in der letzten Zeit Hardliner wie Neo-Nationalrat Erich Hess. An welchem Flügel politisieren Sie? Ich will mich nicht in eine Ecke rücken lassen. Niemand steht zu 100 Prozent hinter den Anliegen der Partei. Ich sehe die Verwaltung als Dienstleister der Bevölkerung und nicht als Selbstzweck einer Partei. Das ist auch Teil des SVP-Parteiprogramms.

Was ist Ihr Ziel als Gemeinderat? Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass in Bern die Lebensqualität die bestmöglichste bleibt. Die von Menschen gemauerte Stadt schafft es wie keine andere, Grünflächen und Stadtgebiete zu vereinen. Diese grüne Welle von Bern ist die grosse Qualität der Bundesstadt. Ich bin überzeugt, dass man mit der SVP diesen Pluspunkt erhalten kann.

Die SVP bekämpfte sämtliche Verkehrsberuhigungsmassnahmen und wollte etwa einen begrünten Breitenrainplatz verhindern. Das ist doch ein Widerspruch. Ich bin noch immer bei der Stadt angestellt. (Schildgers Chef ist Gemeinderat Reto Nause, die Red.) Aus Loyalitätsgründen kann ich mich derzeit nicht zu aktuellen Themen der Stadtpolitik äussern.

Prominente SVP-Mitglieder wie Regierungsrat Christoph Neuhaus stellen sich öffentlich gegen die Durchsetzungsinitiative der SVP. Sind Sie für oder gegen die Vorlage? Es geht Sie grundsätzlich nichts an, was ich auf meinen Stimmzettel schreibe. Ich sehe es als Gewinn, dass die Durchsetzungsinitiative zu einer grossen politischen Auseinandersetzung führt. Weg von der «Politik der offenen Arme»: Wegen der Flüchtlingskrise hat in Europa das politische Pendel in den letzten Wochen rasch umgeschlagen. Die Schweiz geht weiter ihren Weg. Dies zeigt, dass unser Land gute Politik macht, auch dank der SVP.

Wie stehen Sie zur Figur Christoph Blocher? Er hat wichtige Beiträge für die Entwicklung des Landes geleistet. Ich bin aber kein Blocher-Anhänger, ich bin ein Anhänger der Stadt Bern.

DerBund.ch/Newsnet

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