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«Ich habe meine Jugend in der Schweiz verloren»

Samad Maharrami kam vor sechs Jahren als Asylsuchender in die Schweiz. Heute lebt er in Biel – und möchte wieder gehen.

Vor sechs Jahren kam Samad Maharrami in die Schweiz. Am Samstag erzählte er auf dem Waisenhausplatz, wie es soweit kam.
Vor sechs Jahren kam Samad Maharrami in die Schweiz. Am Samstag erzählte er auf dem Waisenhausplatz, wie es soweit kam.
hjo

Samad Maharrami sitzt auf der Ladefläche eines Camions und erzählt jedem, der fragt, seine Geschichte. Ein solcher Camion war es, mit dem er 2009 in Italien einreiste. Drei Tage lang hatte er sich in einer Lade am Bauch des fahrenden Lastwagens versteckt. «Drei Tage lang kein Essen, kein Trinken, kein Schlaf, keine Toilette», sagt der 29-jährige auf Französisch. Einmal in Italien angekommen, sei er vor Erschöpfung umgefallen.

Der junge Mann entstammt der unterdrückten aserbaidschanischen Minderheit im Iran. Am Samstagnachmittag amtete er im Rahmen des Benefiz-Konzertes «Refugees Welcome» auf dem Waisenhausplatz (siehe Box) als Botschafter einer Sensibilisierungskampagne der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Gemeinsam mit anderen Asylsuchenden klärte er Interessierte über seinen Weg in die Schweiz und sein Leben auf.

Mehr Chancen anderswo

Eigentlich wollte Maharrami ja gar nicht in die Schweiz kommen, sein Ziel hiess einmal Grossbritannien. Doch weil die Situation im französischen Calais im Jahr 2009 derart chaotisch und gefährlich war, riskierte er die Überfahrt nicht. Nun lebt er in Biel in einer Wohngemeinschaft. Sein Leben als beinahe 30-Jähriger habe er sich anders vorgestellt. Zwar gehe es ihm besser als im Iran, doch: «Ich wollte eine Familie haben, einen Beruf. Das lag nicht drin. Ich habe meine Jugend in der Schweiz verloren.» Seine Familie, insbesondere seine Mutter, vermisse er jeden Tag.

Seit einem Jahr hat Samad Maharrami nun einen F-Ausweis. Nun könnte er eine Arbeitsbewilligung erhalten. Eine Ausbildung hat er nicht absolviert, da er nach seiner Ankunft als Asylsuchender nicht arbeiten durfte. «Wer sollte mir da einen Job geben?», fragt er. Jetzt hat er immerhin den Fahrausweis gemacht, er darf jetzt Lastwagen führen.

Maharrami hofft, dass ihm diese Fähigkeit auf dem Arbeitsmarkt etwas bessere Chancen verschafft. Wenn er wählen könnte, sagt er, würde er der Schweiz den Rücken kehren. «Wenn es irgendwie geht, lebe ich eines Tages in den USA.»

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