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«Ich bin nach wie vor vor jedem Auftritt nervös»

Der Abschied tut ihm weh: Am 31. Dezember 2016 steht Alexander Tschäppät zum letzten Mal als Stadtpräsident am Fenster des Erlacherhofs.

Herr Tschäppät, wann werden Sie die letzte Kiste aus dem Büro tragen?

Sie hätten noch zwei Wochen Zeit, da Ihr Nachfolger oder Ihre Nachfolgerin erst Mitte Januar gewählt wird.

Werden Sie eine Träne verdrücken, wenn Sie das letzte Mal die Tür hinter sich zumachen?

In Ihrem Büro war immer sehr viel Persönliches aufgehängt und aufgestellt. Haben Sie in den letzten Tagen auch einen Teil von sich geräumt?

Sie waren zwölf Jahre Stadtpräsident. Wo sind die Unterschiede zwischen dem Tschäppät zu Beginn und dem Tschäppät am Ende seiner Amtszeit?

Gibt es Dinge, die Sie heute anders machen würden?

Es nervt Sie, dass die Italienerwitze und das Blocher-Lied als Erstes auftauchen, wenn man Sie googelt.

Während Ihrer ganzen Karriere immer wieder ein Thema war auch Ihr Verhalten gegenüber Frauen. Kürzlich ist es wieder aktuell geworden, als die grüne Ex-Nationalrätin Aline Trede Ihnen vorwarf, Sie hätten sie vor zwei Jahren sexuell belästigt, indem Sie ihr die Hand aufs Knie gelegt hätten.

Weil Sie sich ungerecht behandelt fühlen?

Egal, ob diese Situation gravierend war oder nicht, sie steht für etwas. Sie können es gut mit den Leuten, Sie sind charmant und Sie suchen gerade zu den Frauen eher die Nähe als die Distanz. Verstehen Sie, wenn einige das als Grenzüberschreitung empfinden?

Ist dieses Empfinden falsch?

Wie möchten Sie in Erinnerung bleiben?

Wie sollten die Medien Ihrer Meinung nach denn sein?

Sie haben sich während Ihrer Amtszeit manchmal wahnsinnig aufgeregt über die Journalisten.

Es ist unser Job, der politischen Mehrheit auf die Finger zu schauen.

Das ist schön, nicht wahr?

Irgendwann im Verlauf dieses Jahres ist die Stimmung gekippt. Plötzlich begann jeder zu sagen, man werde Sie noch vermissen wegen Ihres Umgangs und Ihrer Rhetorik.

Sie haben einmal gesagt, Ihre Nachfolger versteckten sich hinter ihren Stäben.

Dafür würde Ursula Wyss niemals in der Öffentlichkeit einen Italienerwitz erzählen oder «Blocher Motherfucker» singen.

Das führt zu Perfektionismus?

Haben Sie auch Ihren Beamten diese Fehler zugestanden?

Die Hebammen waren wohl trotzdem begeistert.

Das wollten wir eigentlich von Ihnen wissen.

Eine hohe Wahlbeteiligung nützt eher von Graffenried.

Wen wählen Sie?

Zumindest vor fünf Jahren haben Sie sich nicht rausgehalten, als Sie bereits an der Nominierungsversammlung für Wyss' Gemeinderatskandidatur verkündet hatten, Sie würden ihr am 1. Januar 2017 den Schlüssel zum Erlacherhof übergeben. Bereuen Sie das?

Indem Sie das offen ausgesprochen haben, haben Sie den Streit beim Rot-Grün-Mitte-Bündnis ausgelöst.

Sie haben die grünen Gegenkandidaturen ja selber provoziert, indem Sie Wyss zu Ihrer Nachfolgerin ausgerufen haben.

Am Ende hat der Streit RGM sogar genützt: Das Bündnis sitzt nun zu viert in der Stadtregierung.

Die rot-grüne Mehrheit in den Städten ist aber demografisch bedingt.

Das Lagerdenken im Stadtrat dürfte sich mit dem 4 zu 1 im Gemeinderat eher noch verschärfen.

In Ihrer Amtszeit gab es eine Zeit vor dem Tod von FDP-Gemeinderat Kurt Wasserfallen (1947–2006) und eine Zeit danach. Kurt Wasserfallen war Ihr bürgerlicher Gegenspieler.

War Kurt Wasserfallen eine Hassliebe für Sie?

Was wäre die Lösung gewesen?

Sie haben gelitten, weil er darunter gelitten hat?

Bei der Abdankungsrede haben Sie Christian Wasserfallen, seinen Sohn, direkt angesprochen und eine Parallele zu sich selber und Ihrem Vater gezogen.

Auch Sie wurden mit Ihrem Vater verglichen.

Ihr Vater starb während seiner letzten Legislatur. Für ihn war ein Leben nach dem Amt kaum vorstellbar. Für Sie beginnt es morgen.

Und das «Büro für Angelegenheiten», das Sie gründen wollen?

Sie sagten einmal, Sie würden auch eine türkische Hochzeit organisieren, wenn man Sie damit beauftragte.

Haben Sie Angst, nicht loslassen zu können?

Fällt das Loslassen leichter, wenn es noch Herausforderungen gibt?