«I hätts chönne eifacher ha»

Video

Strenge Umwege, Frustration am Filmset, grosse Füsse – worüber er am gestrigen «Bund»-Gespräch auch redete, 250 Zuhörer hingen dem Mundartautor Pedro Lenz an den Lippen.

Als das «Bund»-Gespräch mit Pedro Lenz angekündigt wurde, dauerte es keine Woche, bis die 250 Plätze im Kornhausforum ausgebucht waren. Nun sitzt der Mundart-Schriftsteller zusammen mit Alexander Sury auf dem Podest, und der «Bund»-Kulturredaktor sagt, was sein Auftrag sei: Pedro Lenz etwas zu entlocken, was die Welt noch nicht weiss.

Kein einfaches Unterfangen. Dass Lenz als Maurer arbeitete etwa, bevor er die Matura nachholte und Schriftsteller wurde, das wissen wohl alle im Saal. Aber das macht nichts, weil er so schön von dieser Zeit zu erzählen vermag. Ja, die Maurerlehre sei eine Art Rebellion gewesen, «u zwar e ufwändigi Rebellion. I häts chönne eifacher ha», sagt er. «I ha de au Morge am haubi sibni müesse ufem Platz si bi jedem Wätter.» Müsste er heute einem Jungen einen Ratschlag geben, würde er ihm raten: «Suech dir e Umwäg, wo chly weniger sträng isch.»

Was dagegen viele nicht wissen: Der heute 49-jährige Pedro Lenz setzte sich in seiner Jugend nicht nur auf den Baustellen Langenthals, sondern auch in der dortigen Kirche ein. Er war Jugendarbeiter in der katholischen Pfarrei in Langenthal, absolvierte einen Kurs, mit dem er hätte Theologie studieren können. Wollte er gar Priester werden? Nein, sagt er, er habe bald erkannt, dass er sich nicht zum Priester berufen fühle. Mitglied der katholischen Kirche aber sei er heute noch. Er habe da eine klare Haltung: «Touft isch touft.»

«Tach» oder «Hallöchen»?

Eine klare Haltung hatte Pedro Lenz lange auch gegenüber der Mundart. Sie sei für ihn zum Sprechen da gewesen und nicht zum Schreiben, «drum heissts ja Mundart». Irgendwann aber sei die Frage virulent geworden, wieso er sich mit einer Sprache abmühen sollte, die die Deutschen sowieso besser beherrschten als er. Schliesslich habe er sich entschieden, das zu machen, was jeder Weltautor mache: In jener Sprache schreiben, in der er sich am Morgen den ersten Gedanken macht. Natürlich könnte er auf Schriftdeutsch schreiben, sagt Lenz, aber wie ein Chauffeur in Deutschland auf der Rampe mit dem Lieferanten redet, ob der nun «Guten Morgen» sagt oder «Tach» oder «Hallöchen», das wisse er nicht. In Mundart aber, da könne er realistisch schreiben, «wüui di Giele kenne, wüui gloube z wüsse, wi die rede». Und so wurde einer zum bekanntesten Mundartautor, dessen Muttersprache eigentlich Spanisch ist. Mit seiner Mutter sprach Pedro Lenz spanisch, und vage könne er sich noch erinnern, dass er als kleiner Bub manchmal ein deutsches Wort nicht verstanden habe. Doch ab dem Kindergarten war Mundart für Pedro Lenz eine Selbstverständlichkeit – und er begann, sich für die Finessen der Dialekte zu interessieren. Diese Vielfalt sei ein Segen, findet er. Sie gebe uns eine riesige Palette, um Dinge zu verstehen, «mir si kreativer im Zuelose».

Als Dealer synchronisiert

Klar, auch die Erfolgsgeschichte um die Verfilmung seines Romans «Dr Goali bin ig» muss noch zur Sprache kommen, und Lenzes eigene Minirolle darin, als französischer Drogendealer. Einen einzigen Satz habe er sich ins Drehbuch geschrieben: «Je ne parle pas l’allemand» – ein kleines Witzchen für jene, die wüssten, dass er Mundartautor sei. 15 Mal habe er den Satz gesagt, und er habe das Gefühl gehabt, es sei bestens gelaufen, und dann hätten sie ihn synchronisiert – «wüu si gseit hei, mi ghöri haut glych no dr Dütschschwyzer use». Dabei, sagt er, sei er in der Schule recht gut gewesen in Französisch, «abr das hei die ja nid chönne wüsse».

Dann ist das Gespräch vorüber, und als der Applaus verebbt ist, beugt sich Pedro Lenz vom Podest herunter, um ein paar Worte mit allen zu wechseln, die das wünschen. Eine Frage aber gilt es noch zu klären. Sie betrifft seine Turnschuhe. Die sind blau und rot. Die Farben des FC Basel – jenes Vereins, der YB, dem Klub seines Herzens, regelmässig vor der Sonne steht.

Die Schuhe – «chly es Problem»

Er sei bisher nie auf die Farbkombination angesprochen worden, sagt Pedro Lenz nach der Veranstaltung, aber jetzt, wo er sich ihr gewahr werde, müsse er doch sagen: «Das isch chly es Problem.» Er bestelle seine Schuhe stets im Internet, erklärt er, weil es so mühsam sei, in den Geschäften Schuhwerk in seiner Grösse – 47 bis 48 – zu finden. Und als er dieses Exemplar erworben habe, da sei es wohl schon sehr spät abends gewesen und er entsprechend müde. Um seine Loyalität zu YB muss man sich dennoch keine Sorgen machen. Wie hat er doch vorhin gesagt – mit Fussballvereinen verhalte es sich etwa wie mit Religion: «Touft isch touft.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt