Honig als Zählmaschinen-Hindernis

Zum ersten Mal wurden am Wochenende die Abstimmungszettel in der Stadt Bern elektronisch ausgezählt. Die Stadt zeigt sich nach der Premiere zufrieden.

Um die Zählmaschinen zu speisen, müssen die Stimmzettel auch künftig von Hand gestapelt werden.

Um die Zählmaschinen zu speisen, müssen die Stimmzettel auch künftig von Hand gestapelt werden.

(Bild: Adrian Moser)

Basil Weingartner@bwg_bern

Als die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am Sonntag über die Einwanderungsinitiative der SVP entschieden, schaute die Welt auf die Schweiz. Und diese blickte am späteren Nachmittag wiederum auf den Verwaltungskreis Bern-Mittelland. Denn zu diesem Zeitpunkt fehlten für das eidgenössiche Endresultat nur noch die Ergebnisse aus diesem Verwaltungskreis.

Lag diese Verspätung etwa an den neuen automatischen Zählmaschinen, welche die Stadt Bern erstmals einsetzte? «Wir waren nicht schuld an der Verspätung», sagt die Vizestadtschreiberin Christa Hostettler. Man sei in etwa gleich schnell gewesen wie früher mit der manuellen Auszählweise – dies trotz der sehr hohen Stimmbeteiligung. Mit etwas mehr Erfahrung werde man noch schneller werden, ist sich Hostettler sicher. Der Hauptgrund für den Entscheid, auf eine technische Zählweise umzustellen, sei aber nicht der Gewinn an Geschwindigkeit gewesen, sondern derjenige an Genauigkeit.

Unerwünschter Honig

Die erstmalige Verwendung der beiden Scangeräte verlief gemäss Hostettler problemlos. Einzig vor einem mit Honig beschmutzten Abstimmungzettel haben die Maschinen geschützt werden müssen. Abgesehen von diesem Zwischenfall scheinen die Stimmenden in der Stadt mit den neuen Abstimmungsbögen aber nur wenige Probleme gehabt zu haben: Die Zahl der ungültigen Stimmen bewegte sich im üblichen Bereich.

Anders die Zahl der Leerstimmen: Da auf den neuen Stimmzetteln die nationalen, kantonalen und kommunalen Abstimmungen auf derselben Seite aufgeführt sind, können einzelne Stimmzettel nicht mehr weggelassen werden. Dies wird zu einem tendenziell höheren Leerstimmenanteil bei kantonalen und kommunalen Vorlagen führen, wie sich bereits am Sonntag zeigte.

«Der Zeitpunkt der Kritik hat mich erstaunt»

Obwohl die Behörden im Vorfeld der Einführung der neuen Zählmethode kein grosses Aufsehen gemacht hatten, wurden bei der Bekanntgabe einige kritische Stimmen laut: Man fürchtete sich beispielsweise vor Manipulationen durch Hacker. «Die Fragen sind berechtigt. Wir haben im Vorfeld zusammen mit der Bundeskanzlei intensive Gespräche geführt und Sicherheitsmechanismen eingebaut», sagt Hostettler. Der Zeitpunkt der Kritik habe sie aber etwas erstaunt. Die Vizestadtschreiberin verweist auf die Westschweizer Kantone, in denen schon länger computergestützte Zählsysteme im Einsatz stünden, ohne dass dies zu Kritik oder Problemen geführt habe. Auch seien bereits bei der bisherigen Zählmethode Computer zum Einsatz gekommen.

Hostettler erachtet das neue System als sehr sicher und zuverlässig. Sie betont zudem, dass bei den Auszählungen nach wie vor das Vieraugenprinzip gelte. Trotzdem konnte der Einsatz von Abstimmungshelfern durch den Einsatz der Zählmaschinen stark reduziert werden: Anstatt wie üblich 250 Bürgerinnen und Bürger mussten dieses Mal nur 72 einen freien Tag opfern.

DerBund.ch/Newsnet

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