Hochzeit feiern, ohne zu heiraten, ist ein Trend

Die Hochzeitsplanerin Charlotte Cao organisiert immer wieder Feiern für Paare, die nicht auf dem Standesamt waren.

In Charlotte Caos Garten herrscht Hochzeitsstimmung.

In Charlotte Caos Garten herrscht Hochzeitsstimmung.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nein, sie spielte nicht schon als Kind mit den Barbie-Puppen Hochzeit, wie dies Jennifer Lopez alias Mary Fiore im Film «The Wedding Planner» tut. «Ich rannte lieber draussen mit den Jungs rum», sagt Charlotte Cao lachend. Und eine Braut sei ihr auch noch nie vom Altar weggerannt. Aber die Hochzeitsplanerin aus Heimberg hat schon eine Braut mit übersetzter Geschwindigkeit zur Kirche gefahren. «Ich kam dabei in einen Radar.» Nicht weil die Braut verschlafen hätte, sondern weil die bestellte Limousine die Braut nicht abgeholt hatte und also Cao im letzten Moment einspringen musste. «Wir waren nur drei Minuten zu spät in der Kirche», sagt die Hochzeitsplanerin ein wenig stolz. Bei jeder Hochzeit gebe es Dinge, die nicht geplant seien. Doch davon merke das Brautpaar in der Regel nichts, wenn es eine Hochzeitsplanerin engagiert habe. Und das tun heute rund 20 Prozent der Heiratswilligen.

Zweifel im letzten Moment

Die Pannen sind nicht immer nur organisatorischer Art. Einmal habe ein Bräutigam im letzten Moment gesagt, er könne nicht heiraten. Cao konnte verhindern, dass er die Feier platzen liess. «Dazu musste ich herausfinden, woher seine Panik rührte», erzählt sie. Unter den Hochzeitsfilmen ist ihr «Die Braut, die sich nicht traut» mit Julia Roberts der liebste. Nicht nur wegen des Happy Ends und der schönsten Kinoliebeserklärung aller Zeiten. Sondern weil sie die Angst der Paare vor dem grossen Moment von ihrem Beruf her gut kennt. «Ich komme den Paaren während der Vorbereitungen des Festes sehr nahe», sagt Charlotte Cao. Sie spreche mit diesen über deren Träume und Wünsche.


«Viele Frauen tragen den Traum von der eigenen Hochzeit seit der Kindheit im Herzen.»

Manchmal zeigen sich Differenzen zwischen den Partnern schon hier. Etwa wenn sich die Braut eine «royale» Feier wünscht, der Bräutigam es aber lieber unkompliziert mag. Dann versucht Cao zu vermitteln und beider Wünsche zu berücksichtigen. Aber eine Eheberaterin sei sie nicht. «Die Paare wollen von mir ein schönes Fest.»

Meistens halte sich der Bräutigam bei der Gestaltung des Festes aber zurück. «Denn viele Frauen tragen den Traum von der eigenen Hochzeit im Herzen, seit sie als Mädchen den Film ‹Sissi› gesehen haben.» Und für viele Frauen scheint es immer noch ein Traum zu sein, in einem weissen Brautkleid zu heiraten, wie Cao sagt. Auch wenn sie nicht kirchlich heiraten. Dies tue nur noch etwa die Hälfte der Brautpaare. Die anderen ziehen eine Zeremonie ohne religiösen Hintergrund vor.

Sehnsucht nach Stabilität

Weshalb heiraten Paare heute überhaupt noch? 40 Prozent aller Ehen werden geschieden, uneheliche Kinder und Konkubinat sind kein Makel mehr, und Ehepaare sind steuerlich im Nachteil. «Viele möchten sich verwurzeln», sagt Charlotte Cao, die selbst mit ihrem Lebenspartner in einem schmucken Zweifamilienhaus lebt. Die Paare wollten der schnelllebigen Zeit etwas entgegensetzen und suchten in der stabilen Beziehung einen sicheren Hafen. «Sie möchten vor ihren Freunden Ja zueinander sagen.» Immer mehr gebe es übrigens Paare, die ein Hochzeitsfest mit ihren Familien feierten, ohne zivil und kirchlich zu heiraten. Das sei ein Trend. Darum glaubt die Hochzeitsplanerin auch, dass mehr Paare heiraten würden, wenn die Ehepartner einzeln besteuert und im Alter zwei volle AHV-Renten erhalten würden. «Viele Geschiedene können es sich mit Blick auf die AHV nicht leisten, nochmals zu heiraten.»

Hochzeitsplanerin wurde die 59-Jährige erst vor ein paar Jahren, als die beiden Töchter aus erster Ehe erwachsen waren. Ein Autounfall katapultierte sie aus dem Berufsleben, wo sie Events und Messen organisiert hatte. Ein Dokumentarfilm über Hochzeitsplaner brachte sie auf die Idee. «Grosse Anlässe organisieren konnte ich gut, mit schwierigen Situationen umgehen auch.» Cao bildete sich zum Thema Hochzeit und Heiraten weiter und gründete ihr Geschäft.

Auch wenn die Abläufe immer ähnlich seien, sei jede Hochzeit anders. «Ich kann hier immer wieder Neues bewirken.» Das bedeutet allerdings viel Arbeit. Die Planung eines Hochzeitsfestes dauert rund ein Jahr. Und am Fest selbst ist die Hochzeitsplanerin auch mal 22 Stunden am Stück im Einsatz. «Aber das merke ich gar nicht.»

(Der Bund)

Erstellt: 30.07.2018, 06:40 Uhr

Fest ab 15'000 Franken

Der beliebteste Hochzeitsmonat ist der Juni. Doch die Saison dauert von Mai bis Ende September. Weil die guten Lokalitäten dann schon lange ausgebucht sind, sollten die Hochzeitsvorbereitungen laut Charlotte Cao ein gutes Jahr vorher beginnen. «Ich habe aber schon innerhalb von zwei Wochen ein Fest organisiert», sagt sie.

Die Kosten sind nach oben offen. Cao rechnet aber mit 30'000 Franken für ein durchschnittliches Fest mit rund 100 Gästen. Ein Fest mit 30 Gästen sei aber schon für 15'000 Franken zu haben. Die Arbeit der Hochzeitsplanerin und das Brautkleid sind darin einberechnet. Und wer eine gute Hochzeitsplanerin – es gibt immer mehr – engagiere, spare Geld und Zeit, sagt Cao.

Wer sein Fest lieber selber organisieren möchte, kann bei ihr einen Workshop besuchen und lernen, wo die Stolpersteine für eine gelungene Feier sind und wie das Budget im Rahmen bleibt. Und wer selbst Hochzeitsplaner werden möchte, kann zum Beispiel beim Verband der unabhängigen Hochzeitsplaner (Vush) einen Lehrgang besuchen.

Artikel zum Thema

«Das Fahren wird nicht die grösste Herausforderung sein»

Der Berner Matthias Furer fährt heuer an der Mongol Rally mit. Für ihn stehen vor allem Spass und Abenteuer im Vordergrund. Mehr...

«Ich bin ein Kapitalist, aber verteile auch viel»

Der 87-jährige Alt-Nationalrat Jean-Pierre Bonny lebt im Altersheim, verfolgt aber noch immer aufmerksam, was sich in der Politik tut. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Die Welt in Bildern

Winterpause: Olaf Niess und sein Team haben die Schwäne auf der Hamburger Alster eingefangen, um sie in ihr Winterquartier zu bringen. (20.November 2018)
(Bild: Fabian Bimmer) Mehr...