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Hochbetagte Zeitzeugin Odette Brunschvig verstorben

Die jüdische Bernerin erlebte in den 1930er-Jahren als junge Frau den «Berner Prozess» gegen Nazi-Publizisten mit.

Die Jüdische Bernerin Odette Brunschvig ist am Ostersonntag im 101. Lebensjahr verstorben.
Die Jüdische Bernerin Odette Brunschvig ist am Ostersonntag im 101. Lebensjahr verstorben.
Adrian Moser (Archiv)

Odette Brunschvig ist am Ostersonntag im 101. Lebensjahr verstorben. Die jüdische Bernerin lebte fast erblindet zurückgezogen in einer Altersresidenz, war aber bis zuletzt eine Top-Adresse für geschichtlich Interessierte: Historikerinnen, Schüler oder Medienschaffende, wie Hannah Einhaus gestern mitteilte.

Einhaus publizierte 2016 das Buch «Für Recht und Würde – Georges Brunschvig: Jüdischer Demokrat, Berner Anwalt, Schweizer Patriot», das auch auf Odette Brunschvigs Erinnerungen fusst.

Deren Gatte war der 1973 verstorbene Georges Brunschvig, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG). Als junger Anwalt führte er 1935 den «Berner Prozess» gegen die Verleger der antisemitischen Hetzschrift «Die Protokolle der Weisen von Zion» an – eine Fälschung, wie vor Gericht nachgewiesen wurde.

Odette Brunschvig erinnerte sich in einem Porträt im «Bund», wie sie als knapp 19-Jährige im Berner Amthaus im Publikum sass und die Schreitiraden der reichsdeutschen Nazi-Anwälte miterlebte.

Durch ihren Mann lernte die Tochter einer Ladeninhaberin – der Vater starb früh – bedeutende Persönlichkeiten kennen: So war David Frankfurter zu Gast, der (begnadigte) Attentäter auf den Nazi-Funktionär Gustloff. Vor jüdischen Feiertagen rief manchmal der stellvertretende Ankläger beim Eichmann-Prozess in Jerusalem an.

Odette Brunschvig präsidierte die Berner Sektion des jüdischen Frauenvereins Wizo. Die Zeitzeugin machte sich in letzter Zeit zunehmend Sorgen wegen der politischen Lage: Die Situation erinnere sie fatal an die 1930er-Jahre, sagte sie.

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