Hindernisfreiheit soll in Bern konsequent umgesetzt werden

Menschen mit Behinderungen, Senioren und Eltern mit Kinderwagen sollen sich bequemer im öffentlichen Raum bewegen können.

Der öffentliche Raum besser an die Bedürfnisse von Menschen mit einer Behinderung angepasst werden – zum Beispiel bei Baustellen.

Der öffentliche Raum besser an die Bedürfnisse von Menschen mit einer Behinderung angepasst werden – zum Beispiel bei Baustellen. Bild: zvg

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Zu steile Rampen für Rollstühle oder Stolpersteine für Blinde: Die Stadt Bern will künftig beim Bauen im öffentlichen Raum stärker darauf achten, dass sich Menschen mit Behinderungen, Senioren oder Eltern mit Kinderwagen hindernisfreier und damit selbständiger bewegen können. In einem im Dialog mit Behindertenverbänden erarbeiteten Bericht wurden entsprechende Standards definiert. Der Bericht sei «ein Meilenstein in der Geschichte des Planens und Bauens in der Stadt Bern», betonte Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) am Donnerstag vor den Medien in Bern.

In dem Bericht geht es vorwiegend um Technisches, um Normen und Zentimeter. «Für uns ist er aber weit mehr ", betonte Wyss. Denn Zentimeter würden oftmals entscheiden, ob eine Person am öffentlichen Leben teilhaben könne oder ausgegrenzt werde.

Herbert Bichsel, Geschäftsleiter der Behindertenkonferenz Stadt und Region Bern, zeigte sich am Donnerstag erfreut. Der konsequente Ansatz der Hindernisfreiheit sei ein Schritt weg von der Fürsorgehaltung gegenüber Menschen mit einer Behinderung hin zu Autonomie und Selbstbestimmung.

Bichsel sprach von einem «Leuchtturmprojekt für die ganze Schweiz», wenn der Bericht konsequent umgesetzt werde.

Probe aufs Exempel am Eigerplatz

In dem Bericht geht es beispielsweise darum, wie Haltestellen im öffentlichen Verkehr, Ampeln oder Strassenüberquerungen ausgestaltet sein sollen. Auch die Begehbarkeit von Parks und Grünanlagen oder geeignete Sitzplätze für Personen mit eingeschränkter Mobilität sind ein Thema.

Daneben befasst sich der Bericht auch mit Baustellen. Wie sie von Menschen mit einer Behinderung, Senioren oder Familien oder Reisenden autonom passiert werden können, demonstrierten die Verantwortlichen von Stadt und Behindertenverbänden am Donnerstag auf der momentan grössten Baustelle Berns, jener am Eigerplatz.

Dort finden sich beispielsweise klar erkennbare, verständlich signalisierte Wege. Für Rollstuhlfahrer wurden temporäre Querungsstellen mit Manövrierflächen eingerichtet. Hindernisse sind mit dem Blindenstock ertastbar und die Signalisation ist so gestaltet, dass auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen die grosse Baustelle gefahrlos überqueren können.

Lücke gefüllt

Mit Fragen, wie der öffentliche Raum möglichst hindernisfrei gestaltet wird, befassen sich die Planungsämter der Stadt schon lange. Als Basis diente dazu einzig das 2004 in Kraft gesetzte Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes. Dieses Gesetz verlangt unter anderem einen hindernisfreien Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln.

Eine umfassendere Grundlage für das städtische Planen fehlte in Bern aber bislang. Diese Lücke wurde nun mit dem Bericht gefüllt.

«Dank der erarbeiteten Standards und der Sensibilisierung der städtischen Mitarbeitenden können wir nun alle Bauprojekte konsequent mit Blick auf die Hindernisfreiheit planen», führte Stadtingenieur Hans-Peter Wyss aus.

Der nun vom Gemeinderat verabschiedete Bericht betrifft den öffentlichen Raum in der Stadt Bern, nicht aber private Areale oder öffentliche Bauten, wie Wyss klarstellte.

Dadurch dass die Stadt nun von Anfang an beim Planen und Bauen im öffentlichen Raum stärker an Hindernisfreiheit denkt, lassen sich unter anderem auch langwierige und kostenträchtige Rechtshändel mit Behindertenorganisationen verhindern, wie Gemeinderätin Ursula Wyss am Rande der Medienkonferenz sagte.

Bei dem 2009 eingeweihten Bärenpark an der Aare etwa mussten Behindertenorganisationen lange auf einen hindernisfreien Zugang pochen. (msl/sda)

Erstellt: 01.09.2016, 11:53 Uhr

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