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«Himmlischer Hof» im Berner Münster wird digital zugänglich

Seit Jahren befreien Restauratoren im Berner Münster das Chorgewölbe von Dreck und Staub. Jetzt wird der «Himmlische Hof» einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Restauratoren waren überrascht, die Heiligenfiguren im Orginalzustand aufzufinden.
Die Restauratoren waren überrascht, die Heiligenfiguren im Orginalzustand aufzufinden.
Adrian Moser (Archiv)

Ab sofort erklärt deshalb die Münster-Stiftung anhand einer Ausstellung die Qualität des Gewölbes mit seinen 87 Heiligenfiguren. Diese Schau besteht aus Stelen im Kircheninnern sowie aus Erklärungen und grossen Fotos auf der Bauabschrankung in Richtung Münsterplattform.

Vor allem aber setzt die Stiftung auf die neuen, digitalen Möglichkeiten. Auf ihrer Internetseite zeigt sie das Chorgewölbe in seiner ganzen Pracht. Auf dem grossen Foto lassen sich die meisten der 87 Figuren mit dem Cursor anklicken und näher betrachten. Sogar dreidimensional wenden kann man sie. «Das neue Medium erschliesst die spätmittelalterlichen Kunstwerke und ihre ausserordentliche Schönheit in bislang nicht dagewesener Qualität», schreibt die Stiftung dazu in einer Mitteilung.

Das Figurenprogramm des Gewölbes lässt sich ab Juli auch analog bestens bewundern: Auf einer Besucherplattform im Chor auf idealer, etwa mittlerer Höhe bis zum Dach. Im Herbst endet nämlich die Restaurierung des Münsterchors, doch hat die Münster-Stiftung entschieden, das Gerüst nicht in einem Zug abzubauen. Mitte November schliesslich steigt eine Feier zum 500-jährigen Bestehen des Gewölbes, das im Jahr 1517 fertiggestellt wurde. Die Post wird zwei Sonderbriefmarken herausgeben.

1910 zum Glück nur oberflächlich

Bis vor drei Jahren habe noch niemand gewusst, dass die Heiligenfiguren im Originalzustand sind: Das sagte am Mittwoch an einer Medienkonferenz im Gerüst des Münsterchors der Präsident des Jubiläumskomitees, Christoph Schläppi. Die Münster-Stiftung wusste, dass der Chor und sein Gewölbe 1910 restauriert worden waren. Doch beschränkten sich damals die Verantwortlichen darauf, die 87 Heiligenfiguren nur mit Besen zu putzen und da und dort Farbe aufzutragen. Zum Glück, wie es heute heisst.

Bei den neusten Reinigungen und Restaurationen haben die Fachleute nun beispielsweise erkannt, dass die 87 Heiligenfiguren nicht etwa an die Decke gehängt wurden. Sie bilden einen Teil der Schlusssteine der Gewölbekonstruktion.

Beim Einsetzen dieser riesigen Steine von oben her müssen die Baumeister da und dort auf Schwierigkeiten gestossen sein: Dem Heiligen Andreas beispielsweise schlugen sie kurzerhand das Kreuz und ein Stück des Schädels ab, damit der Stein passte. Das Besondere an diesem «Himmlischen Hof» von Bern sei vor allem, dass jeder Knotenpunkt mit einer Heiligenfigur besetzt sei, sagte die stellvertretende Münsterarchitektin Annette Löffel. Im Münster von Freiburg im Breisgau, ebenfalls einem bedeutenden Kirchenbau, seien es beispielsweise nur einige wenige, so Jürg Schweizer, Präsident des Münsterbaukollegiums.

Es handle sich wirklich um ein «ganz aussergewöhnliches Kunstwerk», so Schläppi, das das Zeug habe, neuer touristischer Anziehungspunkt Berns zu werden. Durch die Restauration von Figuren und Gewölbe und die Wiederherstellung des ursprünglichen Farbtons der Gewölberippen sei ein «überaus harmonisches Gesamtbild» entstanden.

Bald Schluss mit Gerüst auch am Turm

Wie im Münsterchor werden gegen Ende 2017 auch am Münsterturm die letzten Gerüste abmontiert. Ab diesem Zeitpunkt sollten - Überraschungen ausgeschlossen - eine Generation lang keine Gerüste mehr dieses hundert Meter hohe Wahrzeichen Berns beeinträchtigen. Münsterarchitekt Hermann Häberli bestätigte am Mittwoch entsprechende Ankündigungen von 2014.

In der Zeit seit der letzten Medienkonferenz der Münster-Stiftung von 2014 haben die Fachleute beispielsweise die Turmspitze erdbebensicherer gemacht - mit mehreren Verstärkungen. Zwei Grossbaustellen - im Chor und am Turm - gingen also ihrem Ende entgegen, sagt die Münster-Stiftung.

http://www.bernermuensterstiftung.ch

(SDA)

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