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«Herr Aebersold negiert die Realitäten in dieser Stadt»

Juso-Chefin Tamara Funiciello wirft Gemeinderat Michael Aebersold (SP) vor, die «akute Wohnunungsnot» in der Stadt Bern als Ursache von Hausbesetzungen zu ignorieren.

Juso-Chefin Tamara Funiciello kritisiert SP-Gemeinderat Michael Aebersold.
Juso-Chefin Tamara Funiciello kritisiert SP-Gemeinderat Michael Aebersold.
Keystone

Frau Funiciello, Gemeinderat Michael Aebersold (SP) sieht in Hausbesetzungen keine Lösung des Wohnungsproblems, wie er im «Bund»-Interview sagt. Sie teilen diese Haltung nicht. Warum?

Herr Aebersold negiert die Realitäten in dieser Stadt. Es ist schade, dass er auf Hausbesetzer schiesst, ohne auf die Hintergründe der wieder zunehmenden Anzahl an Hausbesetzungen einzugehen. Die Wohnungsnot in der Stadt ist akut. Es gibt ein starkes Grundbedürfnis nach Wohnen von vielen Menschen, das nicht befriedigt werden kann, obwohl viele Räumlichkeiten leer stehen. Gerade als SP sollte man etwas gegen solche Missstände tun.

Die Stadt hat ja ein Koordinationsstelle für Zwischennutzungen. Die Besetzer der Effingerstrasse wollten mit dieser Stelle aber explizit nichts zu tun haben.

Zur Kommunikation der Besetzerinnen und Besetzer will ich mich nicht äussern. Mir geht es um den grösseren Rahmen. Die Koordinationsstelle für Zwischennutzungen funktioniert einfach nicht, weil sie vom Goodwill der Hauseigentümer abhängt. Das kann es aber nicht sein. Wenn es Bedürfnisse nach Wohnraum gibt, müssen sie auch befriedigt werden können. Wer genug Geld hat, kann dies ja auch.

Sie wollen Eingriffe ins Privateigentum. Die SP bekennt sich aber zum Privateigentum.

Aber die Juso hat am letzten SP-Parteitag just dies in Frage gestellt. Es geht ja nicht ums Eigentum an der eigenen Zahnbürste. Aber um das Eigentum an Boden. Der Boden darf nicht jemandem gehören, er muss demokratisiert werden.

Die Koordinationsstelle Zwischennutzung will Besetzungen verhindern, indem sie vermittelt. Ist das nicht eine sinnvolle Lösung?

Ja, aber sie funktioniert nicht, wie die Räumung der Effingerstrasse zeigt. Es gibt tatsächlich Leute, die ihr Haus lieber leer stehen lassen ungeachtet der Bedürfnisse anderer Menschen. Wir finden das nicht demokratisch.

Unterstützen Sie eine Melde- und Vermietungspflicht für Eigentümer leer stehenden Wohnraums, wie dies eine Motion im Stadtrat verlangt?

Absolut. Wir haben letzten Jahr sogar die Lancierung einer entsprechenden Initiative ins Auge gefasst, auf die wir vielleicht wieder zurückkommen werden.

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