Hallenbad gegen den Quartierwillen

Der Gemeinderat will ein Hallenbad auf dem Gaswerkareal. Der Stadtrat verlangt hingegen eine erneute Prüfung des Standortes Mittelfeld. Vertreter beider Quartiere und Experten sehen es ebenso.

Auf dem Mittelfeld möchte der Gemeinderat lieber eine Wohnüberbauung und keine Schwimmhalle sehen.

Auf dem Mittelfeld möchte der Gemeinderat lieber eine Wohnüberbauung und keine Schwimmhalle sehen.

(Bild: Valérie Chételat)

Der Stadtrat überwies am Donnerstag ein Postulat, das den Einbezug des Mittelfelds im Länggassquartier in die Standortplanung des neuen Hallenbades verlangt. Damit stellte er sich gegen den Gemeinderat. Dieser sieht ein zukünftiges Hallenbad im Jahr 2020 auf dem Gaswerkareal. Einer der Urheber des Postulats ist Alt-Stadtrat Jürg Weder (GLP). Er reichte im Mai letzten Jahres die nun umgewandelte Motion ein. Darin erinnerte er an die Absichten, in den 60er-Jahren ein Hallenbad auf dem Mittelfeld zu errichten.

Es scheint nun allerdings wenig wahrscheinlich, dass der Standort auf dem Gaswerkareal ernsthaft infrage gestellt wird. Die zuständige Direktorin für Bildung, Soziales und Sport, Franziska Teuscher (GB), zeigt sich zumindest vom Willen des Parlaments wenig beeindruckt: «Das Gaswerkareal ist ein guter Standort.» Dabei verweist sie auf die Entscheidung des Gemeinderates, der dieses Gelände als «definitiven Standort» ausgewählt habe. «Das Postulat wird die Planung für die Bebauung des Gaswerkes nicht verzögern.»

Widerstand in den Quartieren

Die Position der Stadtregierung kommt in den beiden betroffenen Quartieren, sowohl im Marzili wie auch in der Länggasse, schlecht an. Der Quartierverein Marzili bezeichnet die Schwimmhalle beim Gaswerk als «unbeliebt». Für die Co-Präsidentin Lotte Marti sind insbesondere die ÖV-Anbindung und der Individualverkehr problematisch. Nur wenige würden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Zusätzlich würde die Schwimmhalle viele aus der Region anziehen, die dann teilweise in eigenen Bussen angefahren kämen.

Weder, der zugleich Präsident des Quartiervereins Länggass-Leist ist, sieht das Gaswerk ebenfalls als einen ungeeigneten Standort. Demgegenüber biete die Länggasse dem Hallenbad eine Umgebung mit Schulen, Gymnasium und einer Universität. Auch sei das Mittelfeld verkehrstechnisch besser erschlossen als das Gaswerkareal. Als Beispiel führt er die Buslinie 11, fünf Postauto-Linien und den P + R an. «Das Längassquartier würde durch den zusätzlichen Verkehr nicht stärker belastet werden.»

Ungenügende Berücksichtigung

Auch Michael Geissbühler, pensionierter Sportanlagenbau-Dozent an der Uni Bern, kritisiert die Entscheidung für das Gaswerkareal. «Der wichtigste Faktor, die Auslastung des Schwimmbades, ist hier nicht genügend berücksichtigt worden.» Es sei eine tiefere Basisauslastung als an anderen Standorten zu erwarten. Entscheidend für einen guten Standort seien die Dichte der Wohnbevölkerung und der Schulen. Für den organisierten Sport habe der Standort eine geringere Bedeutung. Ein Hallenbad sei übrigens immer defizitär. «Der Auslastungsgrad entscheidet also über die Stärke des Defizits», so Geissbühler.

Gemeinderätin Teuscher begründet den Entscheid für das Gaswerkareal allerdings auch mit übergeordneten, wohnbaupolitischen Zielen. «Im Mittelfeld ist heute eine gute ÖV-Verbindung gewährleistet. Beim Gaswerk muss die ÖV-Erschliessung noch geklärt werden.» Jedoch stelle das Mittelfeld eine «attraktive Wohnlage» dar. Bei einer Überbauung des Geländes solle die Wohnraumnutzung Priorität haben. Teuscher erinnert daran, dass «in Bern Flächen für Neuüberbauungen rar» seien. «Eine Schwimmhalle auf dem Mittelfeld würde die Wohnbauplanung erschweren», sagt die Gemeinderätin.

Nur bei einem einzigen Punkt sind sich alle einig: Es braucht unbedingt ein neues Hallenbad in der Stadt Bern. Deshalb ist es Teuschers Ziel, die Schwimmhalle möglichst schnell bauen zu können. Die Klärung noch offener Fragen sei ihrer Meinung nach notwendig. «Denn sonst gibt es für dieses Projekt kein Vorwärtskommen», sagt die Gemeinderätin. Doch am Ende werde die Stimmbevölkerung das letzte Wort zum Projekt «Neue Schwimmhalle» haben.

Der Bund

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