Gurtenfestival: Handel mit überteuerten Tickets kaum zu vermeiden

Sowohl die Drei-, wie auch die Viertagespässe für das Gurtenfestival sind bereits ausverkauft. Der Weiterverkauf der Tickets im Internet – oft zu weit höheren Preisen – blüht. Illegal ist das nicht.

Das Gurtenfestival zieht die Massen an. Ein Ticket kann aber teuer zu stehen kommen.

Das Gurtenfestival zieht die Massen an. Ein Ticket kann aber teuer zu stehen kommen.

(Bild: Beat Schweizer (Archiv))

Gianna Blum

Diverse Gurtenfestival-Pässe sind dieses Jahr bereits rekordmässig früh ausverkauft, so etwa die Drei- und Viertagestickets. Was nicht heisst, dass es unmöglich ist, doch noch ein Ticket zu ergattern: Auf Plattformen wie Ricardo und eBay blüht der Weiterverkauf von Tickets – zu deutlich höheren Preisen.

Viertagespässe sind also nur noch überteuert zu haben: für viele Fans eine grosse Enttäuschung. «Es ist eine Schweinerei, dass auf Ricardo etc. die ‹ausverkauften› Tickets erhältlich sind», heisst es etwa in einem Kommentar auf der offiziellen Facebook-Seite des Festivals. Andere erinnern an die Eigenverantwortung: «Wer auf den Gurten will, und es verpasst hat, ein Ticket zu kaufen, ist selbst schuld», schreibt jemand.

Weiterverkauf legal

«Es ist ein leidiges Thema», sagt Micha Günter, Sprecher des Gurtenfestivals, «für uns wie auch für die Fans, die enttäuscht werden». Zwar habe es den Weiterverkauf der Tickets immer schon gegeben, sagt Günter, doch mit den Internetplattformen habe er eine grössere Reichweite erreicht. Zwar steht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Vertriebsfirma Starticket, dass der «Handel zu nicht-offiziellen Preisen strikte untersagt» sei. Rechtlich durchsetzbar ist dieses Verbot aber nicht, denn der Weiterverkauf ist grundsätzlich nicht illegal.

«Der Aufwand, dem Tickethandel das Handwerk zu legen, ist sehr gross», erklärt Günter. «Oft sind das organisierte Banden – für uns als Festival ist das schwierig aufzudecken.» Gemäss den AGB von Starticket können bei Verdacht auf Weiterverkauf die Tickets aber für ungültig erklärt werden. «Wir empfehlen daher niemandem, sein Ticket auf einer Online-Plattform zu kaufen», so der Gurtenfestival-Sprecher, «denn man geht immer das Risiko ein, dass ungültige Tickets oder Fälschungen unterwegs sind.»

«Ein Handel wie jeder andere»

Eine der Firmen, die auf Ricardo Gurten-Tickets zum Verkauf anbietet, ist top-tickets.ch. Die Website wird von der Firma Infanger Events betrieben, einer Ticketagentur mit Sitz in Aarau. Geschäftsinhaber Marcel Infanger sieht im Weiterverkauf der Tickets kein Problem: «Der Tickethandel ist für viele Schweizer fast ein Hobby», sagt Infanger auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet. Von zwielichtigen Geschäften in einer rechtlichen Grauzone ist bei top-tickets.ch nicht die Rede. «Tickets werden schliesslich gehandelt wie jedes andere Gut», sagt Infanger.

Infanger Events garantiere ausserdem gültige Tickets, andernfalls stünden jeweils Ersatztickets bereit. Laut Infanger kaufe die Firma ihre angebotenen Billete hauptsächlich über Private. «Das ist ein ständiger An- und Verkauf», so Infanger, «unsere Bestände ändern sich immer». Infanger betont, dass die Infanger Events eine im Handelsregister eingetragene Ticketagentur sei, die ihren Gewinn auch versteuere. «Im Internet, speziell auf Ricardo, tummeln sich dagegen sehr viele private Verkäufer, die sich einen oft erheblichen Zusatzverdienst erwirtschaften», kritisiert er, «in den meisten Fällen bleibt dieser unversteuert.» Der Preis richte sich nach dem Marktpreis, wie er sich auf den Auktionsplattformen im Internet einpendle. Viertagestickets für das Gurtenfestival sind zur Zeit ab 315 Franken zu haben - das sind rund hundert Franken mehr als der Originalpreis.

Rechtliches Schlupfloch

«Beim Verbieten des Weiterverkaufs von Tickets gibt es ein grosses Schlupfloch», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). In den AGB der Veranstalter wird der Weiterverkauf zwar untersagt, die Durchsetzung sei aber ausserordentlich schwierig, da sich der Aufwand, die Tickets zu verfolgen, oft kaum lohne. «Somit machen Verbotsklauseln bei den Ticketanbietern auch keinen Sinn», bemängelt Stalder.

Um den Handel mit Eventtickets zu unterbinden, gibt es nach Ansicht des SKS nur eine Alternative: Limitierte und vor allem personalisierte Tickets. Auch beim Gurten ist dies langfristig das Ziel, wie das bei vielen europäischen Festivals bereits der Fall ist. «Zur Zeit sind wir aber noch nicht so weit, dies einzuführen», sagt Sprecher Micha Günter. Es müsse schliesslich gewährleistet werden, dass etwa Personen, die krankheitshalber nicht auf den Berg könnten, weiterhin die Möglichkeit haben, ihr Ticket weiterzugeben.

Auf Ricardo blüht indes der Handel weiter: Während am Montag noch vor allem von Eventhandelsfirmen wie top-tickets.ch Gurtenpässe angeboten wurden, sind inzwischen diverse Angebote dazugekommen, die allem Anschein nach von privaten Verkäufern stammen. Zur Zeit sind die Preise steigend. Wer unbedingt auf den Gurten will, aber keinen Aufschlag bezahlen will, dem bleibt nur noch eins: Die letzten Tickets für Donnerstag und Sonntag ergattern, die immer noch über die offiziellen Kanäle zu haben sind.

DerBund.ch/Newsnet

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