Kein Hochhaus, aber ein hohes Haus auf dem Meinen-Areal

Investoren, Architekten und die Stadt Bern haben das Projekt auf dem Areal der Grossmetzgerei Meinen angepasst. Das Quartier freut sich auf die Aufwertung.

Ein Drittel der 200 Wohnungen in der geplanten Überbauung auf dem Meinen-Areal sollen im preisgünstigen Segment liegen.

Ein Drittel der 200 Wohnungen in der geplanten Überbauung auf dem Meinen-Areal sollen im preisgünstigen Segment liegen. Bild: zvg/Visualisierung

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Wohnen auf dem Meinen-Areal? Wer dort durchfährt oder -geht, kann sich das kaum vorstellen. Der mächtige Betonbau der Meinen-Grossmetzgerei verleiht dem Gebiet den Charme einer Industriezone. Viel Verkehr wälzt sich durch, Fussgänger fühlen sich eher geduldet als willkommen. Ab etwa 2020 soll das anders werden. Die Grossmetzgerei wird dann einer grossen Überbauung gewichen sein, in der es Platz für Läden, Gewerbe und Dienstleistungen gibt und Wohnungen samt Balkonen mit Blick ins Grüne.

Die Eckdaten der Überbauung, die der Pensionskasse der Ärzte und Tierärzte als Anlageobjekt dienen wird, sind grosso modo seit Januar 2015 bekannt. Am Montag zeigten die Verantwortlichen, wie sie das Projekt weiterentwickelt haben. Ein wichtiger Punkt beim Bau, der nördlich und südlich der Schwarztorstrasse realisiert werden soll, ist die Bauhöhe. Architekten und Planer beschlossen, die Hochhausformel – über acht Geschosse und/oder über 30 Meter hoch – nicht zu ritzen. Das Wort Hochhaus führe zu erregten Diskussionen, zudem unterliege ein Hochhaus bezüglich Brandschutz und dergleichen strengeren Anforderungen. Hoch bauen sei kein Zauberwort für Verdichtung, sagte Stadtplaner Mark Werren vor den Medien, verdichten könne man anders, was aber «viel Knochenarbeit» verlange. Und das sei bezogen auf die Parzelle einer Grossmetzgerei ein anschaulicher Vergleich.

Pärkli statt Lieferrampe

Wohl nur Anwohner wussten bisher, dass Lastwagen, die Meinen ansteuern, beim Fabrikladen an der Ecke Brunnmattstrasse/Mattenhofstrasse eine Rampe hinunterfahren und die Schwarztorstrasse unterqueren. Wenn die Fleischfabrik nicht mehr existiert, braucht es die Rampe nicht mehr. Die unterirdische Verbindung bleibt aber erhalten: Sie wird in eine Tiefgarage für die Autos der Siedlung umgewandelt.

Bedenken der Anwohner seien aufgenommen worden, hiess es am Montag. Die Reduktion um ein Stockwerk sowie eine leichte Rückversetzung der Fassade im Parterre seien das Resultat davon. Dadurch bleibt mehr Platz für Fussgänger. Bei der Haltestelle Brunnmatt werden Autos und Trams vermutlich die gleiche Spur benützen. So entsteht rechts und links eine Art Platz – ein Zentrum für das Mattenhofquartier.

Tatsächlich zeigt sich Daniel Imthurn erfreut. Der GLP-Stadtrat und Co-Präsident der Quartiervertretung QM3 findet, das Projekt werte das Quartier auf. Er wünsche sich, dass der Platz beim Tramhalt Brunnmatt für Autos ganz gesperrt werde, wodurch Fussgänger noch mehr vom Platz hätten, so Imthurn. Er als Autofahrer würde das befürworten.

Das neue Zentrum im Mattenhof wird durch zwei Bäckereien begrenzt: im Norden, wo die Brunnmattstrasse Richtung Insel-Areal ansteigt, von Christener, im Süden, bevor das Tram die Steigung zur Brunnmatt in Angriff nimmt, von Hirschi. Der zerrissene Raum werde für die Benützer lesbar und sei identitätsstiftend fürs Quartier, so die Planer. Der Ort bekomme ein anderes «Gsüün», so Stadtplaner Werren.

Ein grüner Innenhof

Am Wettbewerb hatten sich fünf Architekturbüros beteiligt. Das modifizierte Siegerprojekt stammt von GWJ Architektur AG in Zusammenarbeit mit Astoc Köln und ASP Landschaftsarchitekten Zürich. Landschaftsarchitekten braucht es, denn der Bau nördlich der Schwarztorstrasse erhält einen grünen Innenhof. Auch beim Bau auf der Südseite wird es ein begrüntes Areal geben. Nun geht die definitive Planung los, die öffentliche Mitwirkung ist für 2017 vorgesehen, 2018 werden die Pläne öffentlich aufgelegt, 2019 stimmt das Volk über die Zonenplanänderung ab – und frühestens 2020 wird gebaut.

Informationsabend: Montag, 24. Oktober, 19 Uhr, Aula Schulhaus Brunnmatt; Internetseite: www.meinen-areal.ch (Der Bund)

Erstellt: 17.10.2016, 18:17 Uhr

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