Grüne Kritik an Gaswerkareal-Planung

Mit Losinger Marazzi ist ein privates Unternehmen für die Testplanung des Gaswerkareals zuständig. Dies wird von der GB/JA!- und der GLP-Fraktion kritisiert.

Das Vorgehen bei der Testplanung des Gaswerkareals stösst auf Kritik.

Das Vorgehen bei der Testplanung des Gaswerkareals stösst auf Kritik.

(Bild: Adrian Moser)

Die Testplanung für die Entwicklung des Gaswerkareals läuft auf Hochtouren. Auf dem brachliegenden Gebiet am Aareufer sollen unter anderem Genossenschafts-, Familien- und Alterswohnungen entstehen. Für die Testphase zuständig ist das Unternehmen Losinger Marazzi: Energie Wasser Bern (ewb) hatte das Planungsprojekt direkt an den Immobilienentwickler abgetreten – mit der Begründung dass das «Outsourcing der Planung» ein rascheres Vorgehen erlaube.

«Die Stadt muss Eckwerte definieren»

Dass die Testphase damit an ein privates Unternehmen vergeben wurde, wird nun von linksgrüner Seite beanstandet. So kritisiert die GB/JA!-Fraktion, dass die Stadt Bern «die Planung des Gaswerkareals aus der Hand gibt». Die Lage des Areals sei wichtig und exponiert, schreibt das Grüne Bündnis in einer Medienmitteilung. Zudem sei die Planung des Gaswerkareals anspruchsvoll, da dort «in hohem Masse unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen». Das Grüne Bündnis fordert deshalb in einer Motion, dass die Stadt die Planung des Areals übernimmt und nicht ein privater Investor. «Bei einer derart bedeutenden Planung sollte die Stadt unbedingt im Vorfeld die Eckwerte definieren», sagt GB/JA!-Fraktionspräsidentin Stéphanie Penher. Dass dies nicht geschah und die Planung ohne Vorgaben in die Hand eines privaten Unternehmens übergegangen sei, mute seltsam an.

GLP kritisiert Mangel an Transparenz

Ähnliche Kritik äussern die Stadtberner Grünliberalen in ihrem neuesten Vorstoss: Sie forden Transparenz bezüglich der Planung des Gaswerkareals und den Einbezug des Stadtrats. «Wir sind erstaunt darüber, dass der Stadtrat in den Planungsprozess bisher noch gar nicht involviert war», sagt GLP-Stadträtin Sandra Ryser. Zudem erachte die GLP den Mangel an Transparenz bei der Testplanung als problematisch. «Es ist naiv zu glauben, dass es sich bei der Testplanung durch Losinger Marazzi um einen unabhängigen Prozess handelt», so Ryser. Es sei deutlich, dass hier auch wirtschaftliche Interessen mitspielten.

«Wir arbeiten wie alle anderen auch»

Alec von Graffenried, Leiter Immobilienentwicklung von Losinger Marazzi und grüner Nationalrat, gibt offen zu, dass für sein Unternehmen bei der Testplanung auch wirtschaftliche Interessen mitspielen. «Unser Unternehmen arbeitet in dieser Hinsicht wie alle anderen auch», sagt er auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet. «Natürlich haben wir ein Interesse daran, für das Projekt auch einen Bauftrag zu erhalten.»

Losinger Marazzi plane das Projekt aber keineswegs ohne Einbezug der Stadt. Das Stadtplanungsamt diktiere den Prozess und gebe Eckwerte für das Bauprojekt vor. «Wir arbeiten bei der Planung zudem eng mit den relevanten Stakeholdern zusammen», so von Graffenried. Zu diesen Stakeholdern gehören unter anderen Quartiervertreter, Naturschutzverbände, Verkehrsexperten und Vertreter des Jugendclubs Gaskessel.

Die von der GLP geäusserte Kritik über einen mangelnden Einbezug der politischen Parteien in den Planungsprozess versteht von Graffenried. «Allerdings befinden wir uns in einer Frühphase der Planungen. In vielen anderen Testphasen ist das Parlament hier auch noch nicht beteiligt».

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt