Grosses Potenzial im «Niemandsland»

In Ausserholligen wäre punkto Wohnungsbau viel möglich. Für die Stadt Bern kommt der Standort aber nicht als Alternative für das Viererfeld infrage.

Neuer Europaplatz hin oder her: Autobahn und Bahngeleise erschweren die Entwicklung von Ausserholligen.

Neuer Europaplatz hin oder her: Autobahn und Bahngeleise erschweren die Entwicklung von Ausserholligen.

(Bild: Valérie Chételat)

Hitzig wird derzeit über die Einzonung des Viererfelds debattiert. Eine Flut von Einsprachen ist eingegangen. Dabei geht unter, dass andere Gebiete der Stadt Bern ebenfalls Potenzial für zusätzlichen Wohnraum haben. Etwa der Entwicklungsschwerpunkt Ausserholligen: Die Berner Ortsgruppe des Schweizerischen Werkbunds zeigte bereits 2013 in einem Ideenkonzept auf, dass dieser Stadtteil «für über 10?000 zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner ein verdichtetes Stadtquartier werden kann».

Das Konzept sieht viel Potenzial für zusätzliche Wohnungen in Ausserholligen. Gemäss den Berechnungen des Werkbundes könnten dort zusätzlich mehr als drei Mal soviele Personen wohnen wie auf dem Viererfeld, wo Wohnraum für 3000 Personen entstehen soll. «Ausserholligen hat grosse Entwicklungsmöglichkeiten», sagt Verena Berger, Co-Präsidentin der Berner Ortsgruppe des Werkbundes.

Die Idee des Konzepts sei es, aufzuzeigen, wie Gebiete sinnvoll verdichtet werden könnten. Im Viererfeld sehe man beim Werkbund sehr wohl auch Möglichkeiten. Generell sei der Vergleich mit dem Viererfeld nicht so einfach, da dort mit fast 50 Quadratmetern Fläche pro Person gerechnet wurde, in Ausserholligen hingegen aus «Nachhaltigkeitsgründen» nur mit 30 Quadratmetern pro Person.

Im Papier werden Weyermannshaus, Untermatt, Inner- sowie Ausserholligen als mögliche Areale aufgezeigt, die verdichtet werden könnten. Das Gebiet biete Platz für mehr Wohnraum, Begegnungsorte, Läden und Restaurants.

Bahnlinie entzweit Quartiere

«Wir begrüssen, wenn etwas Bewegung in die Sache kommt», sagt Claudia Luder, Geschäftsleiterin der Quartierkommission QM3. Es sei wichtig, dass das Quartier belebt werde. QM3 strebe für Ausserholligen «eine Verdichtung mit guter Durchmischung von Gewerbe, Wohnraum und öffentlichem Raum» an. Hingegen erschwere die durch das Quartier verlaufende Bahnlinie die Durchlässigkeit zwischen Bümpliz und dem Stadtteil Mattenhof-Weissenbühl. Vielen sei diese unmittelbare Nachbarschaft gar nicht bewusst. Es sei zentral, dass «Ausserholligen aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und als Quartier wahrgenommen wird». Deshalb sollten nicht immer nur einzelne Areale betrachtet, sondern eine zusammenhängende Planung angestrebt werden.

Unterschiedliche Interessen

Auch Verena Berger vom Werkbund sagt, es sei wichtig, raumplanerisch die Verbindung stärker zu gewichten. «Das Autobahnviadukt wirkt als Zäsur», sagt sie. Das Kernbebiet Berns müsse unbedingt besser mit Bümpliz verbunden werden. Zwar sei die Umgestaltung des Europaplatzes ein guter Anfang. Doch dessen Umgebung weise noch Optimierungsbedarf auf. Es sei momentan «ein Niemandsland voller Lagerflächen». Das Ziel sei jetzt, auf das brachliegende Potenzial aufmerksam zu machen: Das Bewusstsein, was in Ausserholligen alles möglich wäre, müsse gefördert werden. Wenn der teure Stadtboden klug genutzt werden könne, sei das «ein gewaltiger Mehrwert für alle».

Projektleiterin Jeanette Beck vom Stadtplanungsamt bezeichnet die Werkbund-Studie zwar als interessant. Allerdings zeige sie nur ein «theoretisches Potenzial» auf. In Ausserholligen zusätzlichen Wohnraum für 10'000 Einwohnerinnen und Einwohner zu schaffen, sei in den nächsten Jahren «kaum realisierbar».

Dies liege in erster Linie an den Eigentumsverhältnissen: «Der Standort ist geprägt von vielen verschiedenen Grundeigentümern mit unterschiedlichen Interessen». Dazu gehören etwa im Gebiet Weyermannshaus die SBB und die Post, aber auch private Eigentümer. Die Stadt habe den Kontakt zu den betroffenen Eigentümern bereits aufgenommen. Diese seien bereit, die Zukunft der Areale gemeinsam mit der Stadt anzugehen. Als Alternative zum Viererfeld sei Ausserholligen aber nicht geeignet. «Grossflächige, zusammenhängende Baurealisierungen wie auf dem Viererfeld sind in diesem Kontext kaum möglich.» Teilweise bis 2035 bestehende Baurechte auf Parzellen im Weyermannshaus verunmöglichten zudem eine rasche Entwicklung.

Perspektiven für Mischnutzungen

Trotzdem glaube die Stadt Bern an diesen Ort: Weil der Entwicklungsschwerpunkt Ausserholligen 2012 zum «Premium Standort» im Kanton gewählt wurde, stünden zusätzliche Ressourcen für die raumplanerische Entwicklung zu Verfügung. Aktuell seien in diesem Gebiet drei Projekte zur Innenverdichtung angelaufen: Im Warmbächli-Areal, im Stöckacker-Süd sowie an der Murtenstrasse 147 entstehen neue Wohnungen. Ansonsten seien in Ausserholligen keine konkreten grösseren Bauprojekte geplant.

Aber: «Es zeichnen sich Perspektiven für attraktive Mischnutzungen ab.» Dazu gehört laut Beck die mögliche Nutzung der Fläche für «hochwertige» Arbeitsplätze, die Ansiedelung der Berner Fachhochschule und Wohnungsbau.

Der Bund

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