Grosse Halle der Reitschule verwüstet

Sabotage am Kulturbetrieb? Vor drei Wochen wurde die Grosse Halle der Reitschule durch Unbekannte versprayt. «Wir sind empört!», heisst es in einem offenen Brief, den die Betreiber der Grossen Halle an den Gemeinderat richten.

Die Berner Reitschule, am rechten Bildrand: Die Grosse Halle. Vor drei Wochen haben Unbekannte hier einen Anschlag verübt.

Die Berner Reitschule, am rechten Bildrand: Die Grosse Halle. Vor drei Wochen haben Unbekannte hier einen Anschlag verübt.

(Bild: Adrian Moser)

Adrian M. Moser@AdrianMMoser

In den vergangenen Monaten war es ­ruhig im Umfeld der Berner Reitschule – hätte man annehmen können. Jetzt wird klar: Ganz so ruhig war es nicht. In der Nacht vom 8. auf den 9. August kam es zu einem Einbruch in die Grosse Halle. Dabei wurde mit «massiven Sprayereien ein hoher Sachschaden verursacht». So steht es in einem Schreiben des Vorstands der Grossen Halle, das dem «Bund» zugespielt wurde. Das Schreiben ist ein offener Brief, der am Montag den Gemeinderat und die Medien erreichen soll.

«Alle Wände, Türen und Kuben sind in einem Mass verunreinigt und beschädigt, dass Theateraufführungen, Ausstellungen und jegliche andere Kulturanlässe nicht mehr möglich sind», heisst es darin. Die Polizei bestätigt den Vorfall. Er sei nach ein paar Tagen gemeldet worden, sagte gestern eine Sprecherin. Seither liefen die Ermittlungen.

Auf die Frage, wer den Anschlag verübt haben könnte und weshalb, gibt es beim Vorstand des Trägervereins vorerst keine Antwort. Man werde sich erst am Montag äussern, wenn der Brief öffentlich sei. Im Brief heisst es: «Wir sehen in dieser nächtlichen Aktion keinen Sinn und keine Botschaft. Sie ist nur bösartig und weder tolerierbar noch entschuldbar. Wir sind empört!»

Nicht der erste Angriff

Klar ist: Es ist nicht das erste Mal, dass die Grosse Halle überfallen wird. Im Mai 2012 hat eine Gruppe mit Eisenstangen, Gittern und Pfefferspray bewaffneter Jugendlicher eine Elektroparty gestürmt. Es kam zu einer Schlägerei zwischen Angreifern, Sicherheitspersonal und Partybesuchern. Die Party wurde abgebrochen. Der Veranstalter zog sich ein halbes Jahr später auch wegen dieses Vorfalls aus der Grossen Halle zurück. Anne Aebi, die im Vorstand der Grossen Halle sitzt, sagte dazu im vergangenen Dezember: «Die Aufarbeitung hat ergeben, dass es Leute waren, die diese Art von Partys sabotieren wollen.»

Der Appell an die Vandalen

Immer öfter wurde die Gewalt rund um die Reitschule in den vergangenen Jahren mit der Sprayergang 031 in Verbindung gebracht. Aebi sagte dazu im Dezember: «Einzelne Aktivisten wurden durch Mitglieder von 031 bedroht.» ­Giorgio Andreoli, ebenfalls im Vorstand der Grossen Halle, sagte vor einem Jahr: «031 kann keinesfalls für alle Vorfälle rund um die Reitschule verantwortlich gemacht werden. Aber die Gruppe trägt ganz sicher ihren Teil dazu bei.» Andreoli schlug vor, dass der Förderverein Reitschule, die Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule und die Grosse Halle eine gemeinsame Strategie entwickeln und danach mit 031 das Gespräch suchen sollen. Ob der Anschlag auf die Grosse Halle damit irgendetwas zu tun hat, muss vorerst offen bleiben.

Der Vorstand der Grossen Halle schreibt im Brief: «Aktionen wie diese gefährden die gesamte Reitschule in ­gleicher Weise wie rechtsbürgerliche 
Anti-Reitschule-Initiativen. Sie dienen den reaktionären Kräften, welche die Reitschule weg haben wollen.» Die Grosse Halle wird unabhängig von der Reitschule betrieben.

Brief soll Debatte auslösen

Aus dem Umfeld der Grossen Halle ist zu erfahren, dass sich der Brief zwar an die gesamte Öffentlichkeit, aber im Besonderen an den Gemeinderat richtet. Die Verfasser wollen damit eine Debatte anstossen. «Wir lassen uns diesen vielseitigen Kultur- und Begegnungsort nicht kaputt machen», schreiben sie. «Wir fordern eine offene und respektvolle Auseinandersetzung mit diesem Ort und ­unserer Arbeit.»

Der Bund

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