Zum Hauptinhalt springen

Grosse Enttäuschung bei SP und FDP

Die BDP machte bei den Thuner Stadtratswahlen Sitze auf Kosten von SP und FDP – und nicht zulasten der SVP. Der SP schadete wohl das neue Parteiprogramm.

Der Fraktionschef der Thuner FDP erklärte gestern am späten Abend, er sei «etwas sprachlos» – und Peter Dütschler dürfte nicht der einzige Politiker sein, dem es nach den Stadtratswahlen so erging. Die FDP verlor nicht nur ihre Gemeinderätin (siehe Text oben), sondern auch drei Sitze im 40-köpfigen Parlament und kommt nun noch auf einen Stimmenanteil von 10,5 Prozent. Auch die SP, die bereits bei den Wahlen 2006 drei Sitze verloren hatte, büsste erneut drei Mandate ein – ihr Stimmenanteil beträgt noch 19,8 Prozent. Vor 2006 war es Tradition gewesen, dass die SP als stärkste Partei aus den Wahlen hervorgeht. Je einen Sitz abgeben müssen die Grünen und die CVP – Ersteren bleiben damit fünf, ihr Stimmenanteil entspricht dem der FDP, Letztere kommt auf einen Sitz und einen Anteil von 3,5 Prozent.

Grosse Gewinner der Wahlen sind dagegen die SVP und die BDP. Erstere gewann zwei Sitze dazu, ihr Wähleranteil beläuft sich auf 27,3 Prozent. Konkurrentin BDP erreichte auf Anhieb sechs Sitze, was einem Wähleranteil von 14 Prozent entspricht. Zum ersten Mal angetreten waren auch die Grünliberalen, sie erkämpften sich einen Sitz und 3,9 Prozent der Stimmen. Keine Veränderungen gab es hingegen bei EDU und EVP (siehe Tabelle). Damit wird das Thuner Parlament bürgerlicher. Überhaupt entspricht das Ergebnis dem Trend, der sich im grossen Stil bei den kantonalen Wahlen im Frühling bemerkbar machte: Die Spaltung der SVP hemmt diese nicht, denn die BDP gewinnt auf Kosten von FDP und SP. «Uns hat ausserdem das neue Parteiprogramm der SP Schweiz geschadet – in Thun mit seinen Rüstungsbetrieben kommt die geplante Abschaffung der Armee nicht gut an», sagte Franz Schori, Präsident der SP Thun. Überrascht sei er dennoch über die Höhe der Verluste. «Wir haben keine grossen Fehler gemacht, aber offenbar ist die FDP einfach nicht sexy», bilanzierte Dütschler. Dennoch freue er sich, dass Thun nun bürgerlicher sei. Aufseiten der Gewinner ist BDP-Gemeinderätin Ursula Haller überzeugt: «Unser Sieg wird für die BDP Signalwirkung haben.» Dass ihr Mann Reto Vannini in den Stadtrat gewählt worden sei, stelle kein Problem dar. Ein weiterer Thuner Stadtrat mit einem bekannten Verwandten wird Lukas Lanzrein (SVP) sein: Er ist der Sohn von Rudolf Lanzrein, dem abtretenden Chef der Stadtbauten Bern.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.