Grösste Post der Schweiz steht im Hinterhof

Die Berner Hauptpost und die Postfinance-Filiale wurden Montag beim Post-Parc an der Schanzenstrasse eröffnet.

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Die grösste Poststelle der Schweiz steht seit Montag in Bern. Genauer im neuen Post-Parc, der an der Schanzenstrasse liegt. Mit rund 500 Quadratmeter, 18 Schaltern und knapp 1500 Postschliessfächern ist sie eine Poststelle der Superlative. Franz Huber, Leiter Poststellen und Verkauf, sagt nicht ohne Stolz: «Die neue Hauptpost ist grösser als die Sihlpost in Zürich.»

Dennoch: Man muss sie etwas suchen, diese grösste Poststelle der Schweiz, im Hinterhof des neuen Post-Parc – an der Bogenschützenstrasse 9b. Die Räumlichkeiten sind niedrig, der Kundenbereich ist zweckmässig und mit Postshop-Ständern vollgestellt.

Die prunkvollen Poststellen von früher scheinen endgültig der Vergangenheit anzugehören. Wie vor ihr schon die Schanzenpost – die neue Filiale sieht aus wie jede andere Postfiliale auch, nur viel grösser.

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Wo heute der Post-Parc steht, wollte die Post eigentlich den neuen Hauptsitz bauen. Diese Pläne wurden jedoch verworfen. Weil die Post an dieser Lage die Immobilien teuer vermieten kann, entschied man sich, den Hauptsitz an einer weniger exklusiven Lage, in Bern-Wankdorf, zu bauen.

Dieselbe Logik dürfte auch die Postfiliale in den Hinterhof gedrängt haben. Der Hauptbahnhof sorgt für Hunderttausende von Pendlern täglich. Die nahe gelegene Universität in der Länggasse sowie das Mattenhofquartier mit den zahlreichen Büros dürften ebenfalls für regen Zustrom für den Post-Parc sorgen.

Laut Franz Huber, Leiter Poststellen und Verkauf, rechnet man allein für die Postfiliale täglich mit rund 4'000 Kundinnen und Kunden. Den Mietern der Ladenflächen dürfte diese Lage mit viel Laufkundschaft einiges Wert sein. Besonders an vorderster Front bei der Schanzenstrasse, wo sich McDonald’s, Namamen und die Confiserie Eichenberger eingemietet haben.

Im 300 Millionen teuren Bau nimmt die Post sowieso nur einen kleinen Teil der Räumlichkeiten ein. Rund 500 der 30'000 Quadratmetern werden durch die Post genutzt. Der Rest ist Büro- und Ladenfläche.

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Doch vielleicht widerspiegelt sich in der schmucklosen Filiale auch die schwindende Bedeutung der traditionellen Poststelle. Die Kommunikation per E-Mail hat einen Grossteil des Briefverkehrs abgelöst. Durch Abschaffung des Paketmonopols wurde der Marktanteil der Post kleiner.

Als Traditionsbetrieb und einstiges Staatsunternehmen muss sich die Post die Frage stellen, wie sie wirtschaftlicher werden kann, ohne ihren Auftrag zu vernachlässigen. So werden zunehmend Alternativen zu Poststellen gesucht.

Laut Huber werden Kooperationen mit Detailhandelsgeschäften, digitale Angebote und elektronische Briefkästen, wie der My-Post-24-Automat immer wichtiger.

Dennoch: Die Berner Hauptpost dürfte noch lange wichtig bleiben. Bloss sieht man es ihr nicht an.

Der Bund

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