Gratiswerbung dank Baustelle

Die gesperrte Kirchenfeldbrücke ist für Berner Museen nicht nur ein Nachteil: Die Stadt sorgt mit Werbemassnahmen für eine bessere Sichtbarkeit der Institutionen.

Einer der Kleber auf der Berner Kirchenfeldbrücke, die auf die Museen im Quartier hinweisen.

Einer der Kleber auf der Berner Kirchenfeldbrücke, die auf die Museen im Quartier hinweisen.

(Bild: Adrian Moser)

Carlo Senn@derbund

Es ist kein Geheimnis: Die Kulturinstitutionen der Stadt Bern möchten ihre Sichtbarkeit erhöhen. Hier wünscht man sich insbesondere von der Stadt seit längerem Massnahmen. Ausgerechnet mit der Baustelle auf der Kirchenfeldbrücke erhalten die Museen im «Museumsquartier» nun prominente Werbung auf Kosten der Stadt.

Damit während der Sanierung der Kirchenfeldbrücke die Museen nicht von der Innenstadt abgehängt werden, hat das Tiefbauamt der Stadt Bern zahlreiche Massnahmen umgesetzt, die die Sichtbarkeit des «Museumsquartiers» erhöhen sollen. Zwischen Hauptbahnhof und Helvetiaplatz sind Kleber angebracht, die Passanten bis zu den Kulturinstitutionen führen.

Ausserdem hat die Stadt eine Aussichtsplattform gebaut, von der aus man sowohl die Museen als auch die Baustelle betrachten kann. Zusätzlich haben die Museen Werbeflächen auf der Kirchenfeldbrücke erhalten, auf denen sie auf ihre Veranstaltungen hinweisen können.

Hinweise bald wieder weg

Der Gemeinderat hatte bereits 2016 für die «Baustellenkommunikation» 100'000 Franken eingeplant. Der Stadtrat bestätigte den Kredit ein Jahr später. Insbesondere die Kleber sind eine Neuheit.

Sie führen vom Hauptbahnhof Bern bis über die Kirchenfeldbrücke. «Es handelt sich hierbei um einen Testlauf», heisst es beim Tiefbauamt der Stadt Bern. Bisher habe man solche Kleber nicht zugelassen. Grund seien die Wahrung des Ortsbilds und die Verkehrssicherheit.

Die Kleber verschwinden aber am 9. November zusammen mit der Baustelle wieder. Auch künftig seien solche Aktionen nur in besonderen Fällen möglich.

Einfacher für Touristen

Die Museen freuen sich über die getroffenen Massnahmen der Stadt Bern. Die Direktorin des Museums für Kommunikation, Jacqueline Strauss, findet aber, dass die Stadt solche Aktionen auch starten solle, wenn gerade keine Baustelle im Weg ist. Wegen der Sperrung der Kirchenfeldbrücke macht sie sich keine Sorgen. «Dank den Anstrengungen der Stadt gibt es wohl kaum Einbussen bei den Besucherzahlen», sagt Strauss.

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Mit dem öffentlichen Verkehr sei man immer noch schnell auf dem Helvetiaplatz. Schlimmer sei eher das schöne Wetter. «Bei Sonnenschein gehen die Leute natürlich weniger ins Museum.»

Auch für Beatrice Häusler, Kommunikationsverantwortliche des Alpinen Museums der Schweiz, begrüsst es, dass die Stadt die Menschen besser in die Kulturinstitutionen führt. «Insbesondere für Touristen vereinfacht das den Weg.» Ob die Besucherzahl während der Bauzeit zurückgehe, könne man noch nicht sagen.

Auch das historische Museum ist über die Massnahmen erfreut, wie Merja Rinderli, Kommunikationsverantwortliche, auf Anfrage mitteilt. Sie gehe davon aus, dass für die meisten Museumsbesucher die Sperrung kein Problem sei. «Ein Spaziergang über die Kirchenfeldbrücke ist doch auch schön», sagt sie.

Masterplan in Arbeit

Was für die Museen von zentralem Interesse sein dürfte, ist die künftige Gestaltung des Berner Helvetiaplatzes. Ziel ist laut der Stadt ein «vielfältig nutzbarer, urbaner Platz mit hoher Nutzungs- und Aufenthaltsqualität als Tor zum Museumsquartier». Noch dieses Jahr will sie laut einer Medienmitteilung deshalb einen Projektierungswettbewerb zur Neugestaltung des Helvetiaplatzes publizieren.

Im Gespräch ist auch eine «Museumsinsel Kirchenfeld», um die Vermarktung der Berner Museen zu verbessern. In einem partizipativen Prozess wurde im Jahr 2017 auch darüber diskutiert, das Welttelegrafendenkmal auf dem Helvetiaplatz zu verschieben.

Dies hatte die Stadt aber abgelehnt. Verschiedene Interessensgruppen warfen der Stadt daraufhin vor, ein «Denkverbot» zu erteilen. Zudem ist eine Tempo-30-Zone im Bereich des Helvetiaplatzes sowie der gesamten Thunstrasse geplant.

Der Bund

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