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Gossip treten in die Festivalfalle

Die schwergewichtige Beth Ditto und ihre einst subversive Band Gossip übten sich in Anbiederungen beim Publikum.

Drei ausverkaufte Tage, gutes Wetter und glückliche Künstler – die Veranstalter sind zufrieden. Einziger Wermutstropfen: der blühende Sekundärmarkt.
Drei ausverkaufte Tage, gutes Wetter und glückliche Künstler – die Veranstalter sind zufrieden. Einziger Wermutstropfen: der blühende Sekundärmarkt.
Gurtenfestival/Thomas Reufer
Bei schönstem Sommerwetter fiel der Startschuss zum 27. Gurtenfestival. Rund 12'000 Besucher fanden den Weg auf den Gurten. Für die Fans der Band Bad Religion (Bild) blieb genügend Platz, sich während des Konzerts die Seele aus dem Leib zu tanzen.
Bei schönstem Sommerwetter fiel der Startschuss zum 27. Gurtenfestival. Rund 12'000 Besucher fanden den Weg auf den Gurten. Für die Fans der Band Bad Religion (Bild) blieb genügend Platz, sich während des Konzerts die Seele aus dem Leib zu tanzen.
Gurtenfestival/Thomas Reufer
Agil und zupackend: Bühnentier Skin präsentiert sich in prächtiger Form.
Agil und zupackend: Bühnentier Skin präsentiert sich in prächtiger Form.
Gurtenfestival/Thomas Reufer
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«Scheisse, ist das heiss», verlautbarte die 1,55 Meter kleine und kugelrunde Beth Ditto in gebrochenem Deutsch, kurz nachdem ihre Band Gossip mit der Widerstandshymne «Standing in the Way of Control» bereits gleich zu Beginn des Konzerts eine ihrer Erkennungsmelodien verbraten hatte. Allein, die Wut und treibende Energie, die dieser Protestkracher einst verströmte, lockten auf der Hauptbühne das junge Publikum am frühen Freitagabend kaum mehr: Das trockene, punktgenaue Post-Punk-Schlagzeug der androgynen Hannah Blilie war auf Stadion getrimmt und verlor in der grossen Hall-Dimension die Dringlichkeit, die beinahe harmonielosen, scharfen Gitarrensounds wirkten zahnlos – und Ditto, gewandet in ein weisses, mit schwarzen Tigern versehenes Kleid, konzentrierte sich eher aufs Zurückschmeissen von aufblasbaren Sponsorenbällen als auf ihre kraftvolle und quietschende Sangeskunst. Nur wenig erinnerte am einstündigen Konzert an die widerständigen Gossip, die einst die südstaatlichen White-Trash-Wohnwagenparks verlassen hatten, um sich der feministischen, queeren Riot-Grrrl-Bewegung an der Nordwestküste der USA anzuschliessen.

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