Zum Hauptinhalt springen

Globi ist ein Macker

Im neusten Globi-Band «Globi in der Bergwelt» gelingt die Wissensvermittlung. Doch mit Witz, Abenteuer und eigenständigen Frauenfiguren gehen die Macher sparsam um.

Kuchen backen und servieren: Das Frauenbild im neuesten Globi-Band ist ziemlich begrenzt.
Kuchen backen und servieren: Das Frauenbild im neuesten Globi-Band ist ziemlich begrenzt.
Globi-Verlag
Männer sind die Hauptfiguren: Globi und Jäger Hans mit Trophäensammlung.
Männer sind die Hauptfiguren: Globi und Jäger Hans mit Trophäensammlung.
Globi-Verlag
Mittlerweile ist der blaue Papageienmensch aber ein fröhlicher, naturverbundender Geselle.
Mittlerweile ist der blaue Papageienmensch aber ein fröhlicher, naturverbundender Geselle.
Globi-Verlag
1 / 7

«He, Gämse, du hast dich wohl verirrt», sagt Globi. «Ich bin aus dem Tierpark abgehauen, weil mir so langweilig war», antwortet Zima. So beginnt «Globi in der Bergwelt», das der Globi-Verlag und der Schweizer Alpen-Club (SAC) als Mitherausgeber gestern mit einer Vernissage gefeiert haben. Danach begleitet Globi die Gämse in die Berge. Die Geschichte ist allerdings nur ein Vorwand. Im Vordergrund des neuen Globi-Bandes steht die Wissensvermittlung. So erfahren die beiden Hauptprotagonisten, wie die Alpen entstanden sind, wie man das Wetter vorhersagen kann und – was den SAC besonders freuen dürfte – das man mit der App des Alpenclubs auf den Zugfahrplan zugreifen kann. Auf den meisten Seiten finden sich zudem Wissensaufgaben für die Kinder.

Wie Gämse Zima

All das ist sicher löblich – aber auch ein wenig langweilig. Abenteuer und humoristische Einlagen fehlen fast ganz. Zuweilen fühlt man sich bei der Lektüre wie Gämse Zima, welche im Buch hungrig und ungeduldig den Ausführungen über Gletschermühlen des Strahlers Kasimir folgen muss. Immerhin ist da noch Hans der Jäger, der mit seinen Gämsenschädeln an der Trophäenwand kurzzeitig für Stimmung sorgt.

Auch Ruth Baeriswyl, Inhaberin des Berner Chinderbuechlade, findet die Geschichte «wenig berauschend», wie sie auf Anfrage sagt. Das sei aber nicht weiter schlimm. «Es muss nicht jedes Kinderbuch ein Feuerwerk an Spässen sein.» Gerade den Aspekt der Wissensvermittlung hält sie im neuen Globi-Band für gelungen: «Die Themen werden gut aufbereitet.» Das Buch eigne sich auch, um Kinder beispielsweise auf Wanderferien vorzubereiten. Richtig begeistert ist sie vom neuen Werk dennoch nicht. Ihr mangelt es vor allem an eigenständigen Frauenfiguren. «Während die Männer die Welt erklären, beschränken sich die Frauen aufs Kochen, Kuchen backen und Käse herstellen.»

Männer dominieren

Tatsächlich dominieren Männer das Buch. Neben dem Jäger Hans und dem Strahler Kasimir sind da noch der Meteorologe Jonas, der Säumer Remigi, der Festungswächter Bruno und der Hirt Kobi. Dieser geballten Ladung Männer gegenüber stehen Nicole, die zusammen mit ihrem Mann eine SAC-Hütte betreut und Stine, die – auch zusammen mit ihrem Mann – eine Alp bewirtschaftet. Gisela Klinkenberg, die Leiterin des Globi-Verlags, zeigt wenig Verständnis für die Kritik. Das Buch entspreche der Realität, sagt sie. «Die meisten Jäger sind nun mal männlich.» Ausserdem gebe es in anderen Globi-Büchern viele Frauenfiguren. Im Buch «Globi und die verrückte Maschine» ?sei er permanent in Begleitung einer ETH-Professorin.

Kritik an Globi-Büchern ist kein neues Phänomen. In alten Globi-Bänden finden sich zahlreiche problematische Darstellungen. Patricia Purtschert, die Co-Leiterin des interdisziplinären Zentrums für Geschlechterforschung der Universität Bern, publizierte zum Thema und attestierte den Globi-Geschichten einen Subtext, «in dem sich rassistische und sexistische Logiken verbinden». Besonders offensichtlich ist dies im «Ringspiel mit der Hottentottenfrau» (Bild unten). Der Comicstrip stammt aus dem Jahr 1935 – drei Jahre nach der Erfindung der Werbe-Kunstfigur durch die Warenhauskette Globus. Der Strip findet sich aber auch in einer überarbeiteten Ausgabe aus dem Jahr 1970. Erst in der Auflage von 1977 kommt er nicht mehr vor.

Häufig nachgefragt

Globis Popularität tat dies keinen Abbruch. Die beiden ersten Plätze der aktuellen Hitliste für Kinder- und Jugendbücher finden sich zurzeit fest in Globis Händen. «Globi ist der absolute Renner», sagt Klinkenberg. Er sei ein pfiffiger, unerschrockener Kerl, der auch Fehler mache. «Das entspricht den Kindern.» Die Popularität von Globi ist so hoch, dass auch die Globi-kritische Buchhändlerin Baeriswyl seine Bücher im Sortiment führt. «Ich stelle sie aber nicht aus und bewerbe sie nicht – trotzdem werden sie häufig nachgefragt.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch