«Gewöhnliche Stange ist langweilig»

Zwei Bierbrauer wollen mit ihrem «Schuum» die Berner Bierkultur stärken. Noch fehlt jedoch die nötige Verkaufsbewilligung.

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Vor vier Jahren verbrachten Alexander Balajew und Lukas Hasler viel Zeit in Balajews Küche. Dort stand der 20 Liter fassende Topf, mit dem alles begann. Darin wurden erste Prototypen des «Schuum»-Biers gebraut, die den damaligen Anfängern dermassen schmeckten, dass sie sich einen voluminöseren Topf besorgten und sich in Balajews Waschküche einrichteten.

«Doch auch der 50-Liter-Topf konnte die Biergelüste unserer 5er-WG nicht stillen», sagt Balajew. Das bewog die beiden «Hobbybrauer mit Ambitionen», wie sie sich heute nennen, in grösseren Dimensionen zu denken. Sie suchten einen Braukeller, in dem sie grössere Biermengen herstellen konnten, und wurden in der Stöckackerstrasse zwischen Bahnhof Stöckacker und Weyermannshaus fündig.

Im Untergeschoss eines Gewerbegebäudes steht ein Brautopf, der 200 Liter fasst, zwei grosse Gärtanks, 4000 zu füllende Flaschen, verschiedene Messgeräte und eine Spülmaschine. Diese haben die beiden Brauer extra in Spanien anfertigen lassen. «Bierflaschen müssen absolut steril sein. Sonst hast du schlussendlich ‹Suure Moscht›», sagt Balajew.

Im fünf Grad kalten Kühlraum wird das Bier in Flaschen gelagert, bis es reif ist. In einem abgedichteten Kämmerchen werden Gerstenkörner zerdrückt. «Das stäubt dermassen, dass wir danach wie Bäcker aussehen», sagt Balajew.

Bisher ist das «Schuum» ein Verlustgeschäft. Der Grund dazu ist einfach. «Uns fehlt noch die Verkaufslizenz», sagt Hasler. Die Kosten sind hoch. Das Braumaterial hat 50'000 Franken gekostet. «Anstatt neue Autos haben wir uns eben einen Braukeller gekauft.»

Spätestens ab Ende August soll Geld in die Kassen fliessen. Dann soll die nötige Bewilligung eintreffen. Danach soll das «Schuum» an Restaurants und Läden verkauft werden. «Wir haben bereits Angebote bekommen», sagt Balajew.

Umkämpftes Terrain

Wer in der Schweiz jährlich mehr als 400 Liter Bier braut, muss Biersteuern bezahlen. Im Verzeichnis der steuerpflichtigen Inlandbrauereien sind momentan 679 aktive Bierbrauer eingetragen. 14 von ihnen befinden sich in der Stadt Bern. Darunter die produktionsstarke Brauerei Felsenau AG und das etablierte Tramdepot.

Ist der lokale Biermarkt nicht bereits von Gerstensaft überschwemmt? Die beiden Brauer verneinen und glauben eher an das Gegenteil. «Bierliebhaber sehnen sich nach Vielfalt. Diese gibt es in Bern noch zu wenig», sagt Hasler. Mit dem Bierlokal Barbière im Breitenrain und dem Bierladen Craft Gallery in der Marktgasse sei schon viel passiert, es habe aber noch Platz für mehr.

«Geschmacksintensiv»

Die beiden Brauer wollen vor allem Kenner ansprechen, ihr Bier soll aber auch den Durst löschen. «Man soll nicht nur daran riechen und darüber diskutieren, sondern es auch trinken», sagt Hasler. Apropos trinken: Wie fühlt sich der nächste Morgen nach zu viel «Schuum» an? «Einen wirklich üblen Kater hat es mir noch nie bereitet», sagt Hasler. Balajew hat die Erklärung dazu: «Unser Bier ist sehr geschmacksintensiv. Dadurch trinkt man davon vielleicht etwas weniger und hat am nächsten Tag keine Kopfschmerzen.»

Wie viel Bier trinkt man eigentlich als Brauer? Die Antwort überrascht. «Weniger als früher», sagt Hasler. Das liege daran, dass durch die Brauarbeit die Geschmackssinne geschult wurden. «Eine gewöhnliche Stange in der Beiz langweilt mich. Heute trinke ich ausgewählter.» Dasselbe bei Balajew: «Früher war Bier einfach nur flüssig, kühl und bitter. Heute erkenne ich die verschiedenen Geschmacksnuancen.»

www.schuum.ch (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.06.2016, 07:26 Uhr

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