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Generation Internet in Spendierlaune

Die Spenden-Eventwoche «Jeder Rappen zählt» hat viele glücklich gemacht – aber nicht ganz alle.

Spenden im Scheinwerferlicht: Die DRS-3-Glasbox. (Manuel Zingg/EQ Images)
Spenden im Scheinwerferlicht: Die DRS-3-Glasbox. (Manuel Zingg/EQ Images)

Standaktionen und Telefonspenden sind von gestern. Wer heute eine Sammelkampagne professionell angeht, veranstaltet einen mehrtägigen Event und ruft über mehrere elektronische Kanäle zum Spenden auf. In der Aktionswoche «Jeder Rappen zählt» kamen die Promis in Scharen in die Glasbox auf dem Bundesplatz und standen vors Mikrofon der DRS-3-Radioleute: von Pro-Sieben-Casting-Show Popsternchen Leo aus Hinwil ZH bis zu Bundespräsident Hans-Rudolf Merz (fdp). Gespendet wurde auch per SMS und online oder durch Auktionen im Internet. Dort liess Roger Federer sein Racket oder Fussballtrainer Gilbert Gress seine Zweitbrille versteigern. Aber auch Herr und Frau Schweizer gaben ihre persönlichen Gegenstände zur Internet-Auktion frei. Bis am Samstagabend kamen alles in allem über sieben Millionen Franken für den Kampf gegen die Malaria zusammen.

«Polarisierende Aktion»

Obwohl sich die Glückskette als «humanitärer Arm» der SRG an der Aktion von Radio DRS 3 und Schweizer Fernsehen beteiligte, sind nicht alle Hilfswerke von dieser neuen Form des Fundraisings begeistert. Die Caritas fand mit ihrer Solidaritätsaktion «Eine Million Sterne» am Samstag zwar problemlos Platz zur Installation ihrer 2000 Kerzen auf dem Bundesplatz. Caritas-Sprecher Odilo Noti fand die Art und Weise der Spendenaktion gegen Malaria jedoch «polarisierend». Bei einigen der Sammelaktionen habe sich die Frage gestellt, ob es noch um den Kampf gegen die Malaria gegangen sei oder um die Profilierung einzelner Radiomoderatoren.

Caritas will Aussprache

Die Vorweihnachtszeit sei die wichtigste Sammelzeit für Hilfswerke, sagt Noti. Radio und Fernsehen hätten aber durch eine wochenlange Kampagne die Aufmerksamkeit auf die Aktion «Jeder Rappen zählt» gelenkt. «Es stellt sich die Frage, ob das Fundraising in der Weihnachtszeit eine Aufgabe der SRG ist.» Die Verantwortlichen bei Radio und Fernsehen hätten stets betont, dass sie mit diesen Mitteln ein neues, jüngeres Spendenpublikum gewinnen möchten. «Wäre es um ein junges Publikum gegangen, hätte man aber auch konsequent auf dieser Linie bleiben sollen», sagt Noti. Der Caritas-Sprecher stört sich insbesondere daran, dass «Jeder Rappen zählt» auch Sendezeit auf DRS 1, in der «Tagesschau» und in Kurt Aeschbachers Show auf SF 1 erhalten habe. Kein Hilfswerk in der Schweiz könne über derart starke Medien zur Vermittlung seiner Anliegen verfügen. Als eines von 30 Partnerhilfswerken der Glückskette werde die Caritas diese Frage in der Medienkommission der Glückskette zur Sprache bringen, sagt Noti.

Fürs Spenden der Kälte getrotzt

Priska Spörri von der Glückskette hat Verständnis für die Befürchtungen der Caritas, die auch von anderen Hilfswerken geteilt würden. Sie glaubt aber, dass von der Sensibilisierung eines jüngeren Publikums letztlich alle profitierten. «Bei jungen Leuten kam die Aktion extrem gut an.» Von den dreissig Partnerhilfswerken der Glückskette hätten neun ihre Projekte während der Sammelaktion vorgestellt. Die Caritas habe darauf verzichtet, weil sie ihr Augenmerk auf ihre alljährliche Kerzenaktion habe legen wollen, sagt Spörri. Die Idee der medial vermarkteten Eventwoche stammt laut Medienberichten aus Holland. Seit mehreren Jahren sammelt dort der öffentlich-rechtliche Rundfunk für einen guten Zweck. Mittlerweile beteiligen sich mehrere europäische Länder am Projekt «Serious Request», heuer zum ersten Mal eben auch die Schweiz. Manuela Kaech, Mediensprecherin von Schweizer Radio DRS, ist begeistert vom Effekt. «Die Leute standen an und trotzten der Kälte, um Geld zu spenden. Wir haben einem Bedürfnis entsprochen.» Via Handy und übers Netz habe eine neue Spendergeneration mobilisiert werden können. «Wir machen niemandem etwas streitig», sagt Kaech.

Neue Auflage im nächsten Jahr?

Wie Spörri ist auch Kaech überzeugt, dass alle Hilfswerke von der Aktion «Jeder Rappen zählt» profitieren konnten. Es sei nicht darum gegangen, sich ein Stück vom Spendenkuchen abzuschneiden, sondern diesen zu vergrössern. Ob nächstes Jahr erneut eine Eventwoche vor Weihnachten durchgeführt werde, sei noch offen. Zuerst gehe es darum, die bei «Jeder Rappen zählt» gewonnenen Erfahrungen zu evaluieren, sagt Manuela Kaech.

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